Neue Strukturen im Kirchenbezirk

Der erste Meilenstein im Regionalisierungsprozess ist gesetzt: Die 50 Kirchgemeinden in den Altkreisen Annaberg und Stollberg arbeiten künftig in acht Regionen zusammen. Jetzt geht es an Detailfragen - nicht ohne Diskussionen.

Annaberg-Buchholz.

Große Veränderungen kommen auf die reichlich 46.000 Mitglieder in den derzeit noch 50 Kirchgemeinden des Kirchenbezirkes Annaberg zu. Zu ihm gehören die beiden Altlandkreise Annaberg und Stollberg. Die Gemeinden sollen ab dem 1. Januar 2020 in acht Regionalverbünden zusammenarbeiten. So zumindest sieht es der Zeitplan der sächsischen Landeskirche vor.

Noch vor knapp einem Jahr waren zehn solcher Regionalverbünde im Gespräch. Allerdings wären dann einige von ihnen an der Vorgabe der Landeskirche gescheitert, dass sie im Jahr 2030 mindestens noch 4000 Gemeindemitglieder haben sollen, erläutert Superintendent Olaf Richter. Deshalb seien die Strukturen innerhalb des Kirchenbezirkes nochmals überdacht worden. Auch, um langfristig - also für mindestens 10 bis 15 Jahre - stabile Einheiten zu schaffen. Diese bewegen sich nun in Größenordnungen zwischen reichlich 5000 - wie beispielsweise die Region um Oberwiesenthal, die zahlenmäßig derzeit kleinste Einheit - und fast 7000 Mitgliedern - wie die Region um Stollberg, die zahlenmäßig derzeit größte Einheit. Die neuen regionalen Zuschnitte hat die Bezirkssynode als höchstes regionales Kirchenparlament auf ihrer Frühjahrstagung jetzt mehrheitlich beschlossen. Einzig noch vakant dabei: die künftige Zugehörigkeit der beiden Gemeinden Thalheim und Hormersdorf. Im Gegensatz zu vielen Gemeinden, deren Kirchenvorstände laut Superintendent bereits entsprechende Beschlüsse gefasst haben, bestehe in diesen beiden Orten "noch grundsätzlicher Abstimmungsbedarf".

Die Regionen sollen künftig jeweils mit drei vollen Pfarrstellen sowie mindestens einer hundertprozentigen Kantorenstelle und mindestens einer ebenfalls hundertprozentigen Gemeindepädagogenstelle ausgestattet werden. Alle weiteren Personalausstattungen im Verkündigungsdienst erfolgten über festgelegte Schlüssel. "Die bisherige Nähe zum Pfarrer und zum Pfarramt wird verloren gehen", dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst, betont Olaf Richter. Das bedeute auch mehr Verantwortung für alle Ehrenamtlichen. Darin sieht der Superintendent zugleich aber auch eine Chance für mehr eigenen Gestaltungsspielraum.

Den haben die neu gebildeten Regionen auch bei der Entscheidung, in welcher Form sie künftig zusammenarbeiten werden. Vier Varianten stehen dafür zur Auswahl: die vereinte Kirchengemeinde, das Kirchspiel, der Kirchengemeindebund und ein Schwesternkirchverhältnis - der "lockerste Bund", wie Olaf Richter sagt. Letztere werde von den meisten der Kirchgemeinden bevorzugt. Über die Form der zukünftigen Kooperation sollten die Gemeinden nach den Vorgaben der Landeskirche eigentlich bis zum 23. Juni "eine verbindliche Festlegung" getroffen haben. Zur Frühjahrstagung wurde aber deutlich, dass es diesbezüglich noch viele offene Fragen gibt, was unter anderem von Pfarrer Markus Großmann aus Burkhardtsdorf angesprochen wurde: Viele der dazu bei der Landeskirche eingereichten Fragen seien bisher unbeantwortet geblieben. "Wir können uns also noch gar nicht abschließend entscheiden", machte er deutlich. Deshalb wurde zur Tagung mehrheitlich dem Antrag von Matthias Lißke aus Tannenberg mit der Bitte um eine Fristverlängerung zugestimmt. Demnach sollen die Kirchgemeinden nun bis Ende des Jahres Zeit haben. Gerichtet ist der Antrag an das Landeskirchenamt der sächsischen Landeskirche.


Die acht Regionen

Die neuen Verwaltungseinheiten setzen sich nach jetzigem Stand zusammen aus den Kirchgemeinden:

Fichtelberg und Bärenstein, Neudorf, Cranzahl, Sehma und Cunersdorf;

Jöhstadt, Königswalde, Grumbach, Steinbach, Arnsfeld, Mildenau und Geyersdorf;

Annaberg-Buchholz, Wiesa und Neundorf;

Crottendorf, Scheibenberg, Schlettau, Hermannsdorf, Tannenberg und Geyer;

Ehrenfriedersdorf, Jahnsbach, Thum Herold und Gelenau;

Elterlein, Sankt Johannis und Trinitatis Zwönitz, Dorfchemnitz, Brünlos und Thalheim;

Hormersdorf, Auerbach, Gornsdorf, Burkhardtsdorf, Meinersdorf, Jahnsdorf, Adorf, Chemnitz-Klaffenbach, Eibenberg-Kemtau und Neukirchen;

Stollberg, Beutha, Neuwürschnitz, Oelsnitz, Lugau-Niederwürschnitz, Erlbach-Kirchberg, Ursprung und Leukersdorf.

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