Ortschef braut schmackhaftes Süppchen

Neudorf hat am Sonntag Kirmes gefeiert, die evangelisch-lutherische Kirche im Ort besteht 420 Jahre. Seit langem ist das Fest mit urigen Aktionen und Spielen verbunden. Das hat mit der Mutter aller Speisen zu tun - der Suppe.

Neudorf.

Kirmes im Suppenland ist ein Garant dafür, dass Neugierige, Touristen und Einheimische zur Kirmes gern im oberen Ortsteil des Sehmatales Halt machen. Blasmusik, Budenzauber, Bekannte treffen und Neuigkeiten austauschen - das Konzept ging auch am Sonntag auf. Unzählige Erzgebirger und Schaulustige trafen sich bei bestem Herbstwetter und erwartungsvoll in der Ortsmitte, um Kirmesgaudi mitzuerleben. Vorangegangen war ein Gottesdienst mit Festmusik, in dem Pfarrer Nico Piehler die Kirche mit einem Baum verglich, der dank tiefer Wurzeln immer wieder neu lebendig wahrgenommen werden kann. Er und Bürgermeister Andreas Schmiedel demonstrierten kurz darauf beim Anlöffeln des Festes die gemeinsame Verantwortung für den Ort. Unter dem Motto "manchmal muss man die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hat" waren sich beide zumindest verbal einig, dass im Ort kommunal und geistlich vieles Hand in Hand geht und nicht einfach voneinander zu trennen ist. Zur Kirmes wird vor allem beim Suppentopfziehen, dem Suppenkochwettbewerb und auch dem Märchenspiel der jungen kirchlichen Kabarettgruppe viel gemeinsames Potenzial sichtbar.

29 Suppen bereicherten den Kochwettbewerb in diesem Jahr. Die Köche stammten nicht nur aus Neudorf, sondern etwa aus dem baden-württembergischen Obersontheim, aus Luzern in der Schweiz und anderen Orten. Auch die Besten waren dieses Mal keine Neudorfer, sondern kommen aus Senftenberg, Kriebstein und Cranzahl.

Renate Fritsche belegte mit ihrer Fischsuppe "Meeresrauschen" den 1. Platz. Die Ernährungsberaterin verarbeitete drei Fischsorten und würzte mit heimischen Kräutern aus ihrem Garten. "Die Suppe habe ich zirka eine Stunde zu Hause zubereitet. Dann sind wir am Samstag mit der gut gekühlten Speise zum Übernachten nach Oberwiesenthal gefahren. Ich war total überrascht vom Sieg", sagt Renate Fritsche. Sie und ihre Tochter, die bereits dreimal am Wettbewerb teilgenommen hat, sind von der Atmosphäre und der Fröhlichkeit des Festes total begeistert. Der Drittplazierten, Irene Jörgens aus Kriebethal, geht es ähnlich. Das Rezept ihrer Karotten-Chili-Suppe hat sie aus Österreich mitgebracht. "Wir haben während eines Besuches hier im Suppenmuseum von dem Wettbewerb gehört. Da wollte ich unbedingt dabei sein."

Für Bürgermeister Andreas Schmiedel war das Ganze eher ein Heimspiel. Er wollte eigentlich nur den Gesamtetat der Suppen aufstocken. Doch mit seinem zartgrünen "Erbsensüppchen mit Schinkenwürfel und Minze" war er schnell platziert. "Die sechsköpfige Jury kennt beim Verkosten weder Namen noch Konsistenzen", sagt Kerstin Jahn. Mit den Mitgliedern des Heimatvereines verantwortet sie das jährliche Fest und distanziert sich vorsorglich von jedem Verdacht auf mögliche Einflussnahme.

Ungetrübt freuen konnte sich David Büßer aus Neudorf. Der knapp vierzigjährige Dachdeckermeister wurde zum dritten Mal Weltmeister beim Suppentopfziehen und konnte den Wanderpokal mit nach Hause nehmen. Sein Sohn Phillip belegte Rang drei. Jan Richter, der wie im Vorjahr in der Endrunde gegen Büßer angetreten war, musste sich nach kurzem Kräftevergleich mit dem zweiten Platz arrangieren. "Das ist eine typische Kirmes, wie man sie sich vorstellt. Wir sind gern hier", waren sich nicht nur die Besucher Frank und Maria Hübner einig.

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