Per Whatsapp zum Arbeitsplatz

Das Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz geht neue Wege, um Arbeitskräfte zu gewinnen. 60 Jahre nach seinen Anfängen ist die Belegschaft vor allem weiblich. Das passt zu einer Symbolfigur.

Annaberg-Buchholz.

Das Smartphone haben die meisten heute schnell zur Hand. Eine Tatsache, die sich das Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz in Sachen Mitarbeiter-Gewinnung zunutze machen will. Wer eine Frage zu einer offenen Stelle oder zum Unternehmen hat, kann diese nun einfach per Whatsapp stellen - neben anderen Wegen. Das Ganze ist ein Detail einer neuen separaten Internet-Plattform, die für die Gewinnung von Personal und Auszubildenden entwickelt worden ist. Dabei spielen Beschäftigte des städtischen Unternehmens, die sich und ihre Arbeit in Videos vorstellen, eine Hauptrolle. "Mögliche Bewerber können sich mit den Kollegen identifizieren", sagte Geschäftsführer Björn Buchold zur 60-Jahr-Feier des WPA. Mit 390 Mitarbeitern ist es einer der größten Arbeitgeber in der Stadt.

Das alles begann 1959 mit der Eröffnung des Feierabendheims "Louise Otto-Peters" auf der Frohnauer Höhe. Dafür war eine ehemalige Kaserne umgebaut worden, am Anfang zogen 121 Veteranen dort ein, wie Buchold erinnerte. "Das war die Geburtsstunde unseres heutigen Unternehmens", sagte er. Dieses bietet unter anderem 242 stationäre Pflegeplätze, 81 Wohnungen im Betreuten Wohnen und drei Tagespflegestellen mit 45 Plätzen an verschiedenen Standorten. Weiterhin sind ein Pflegedienst und eine Juniorküche Bestandteil des WPA, ebenso mehrere Cafés. Andere öffentliche Angebote wie ein beliebter Spielplatz im Gelände des Frohnauer Wohnparks "Louise Otto-Peters" gehören ebenfalls dazu.

Eine der wichtigesten Fragen, die sich heute in dem Unternehmen stelle, sei: "Wie gehen wir langfristig mit dem demografischen Wandel und dem Pflegenotstand um?" Eine Herausforderung ist laut Buchold etwa ein Generationenwechsel auf dem Arbeitsmarkt. So würden die Babyboomer - geboren zwischen 1946 und 1964 - diesen Stück für Stück verlassen. Eine Generation, für die ihre Arbeit mit am wichtigsten gewesen sei. Dafür kommt die sogenannte Generation Z in den Beruf, die Privat- und Arbeitsleben stark abgrenze und sich der großen Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften durchaus bewusst sei. "Unternehmen werden sich einiges einfallen lassen müssen", so Buchold. Der Teamgeist spielt dabei im WPA eine entscheidende Rolle.

An dem Ort, wo dessen Wurzeln sind, steht nun auch die Namensgeberin des Wohnparks "Louise Otto-Peters" als hölzerne Skulptur. Geschaffen von Holzbildhauermeister Friedhelm Schelter, wurde sie anlässlich des Jubiläums vorm zentralen Gebäude enthüllt - ein Geschenk des Fördervereins Wohlfühlen in Annaberg-Buchholz. Otto-Peters, die von 1819 bis 1895 lebte, ist vor allem durch ihr Engagement für die Rechte von Frauen bekannt geworden. So war sie die Initiatorin und langjährige Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, wie die Stadt Leipzig informiert. Frauen, die machen heute den Großteil der Beschäftigten im Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz aus. Laut Carola Lorenz, der Leiterin Ambulante Dienste, sind es nahezu 85 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass das WPA einen Schichtbetrieb gewährleisten müsse - und zwar 365 Tage im Jahr rund um die Uhr - sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber nicht immer einfach. "Einen fairen Dienstplan aufzustellen, das ist manchmal ein komplizierter Akt", sagte Lorenz. Doch das Unternehmen versucht auch, flexible Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen.

Eine Frau war es zudem, die die Entwicklung des WPA maßgeblich geprägt hat. Nun erinnern ein Gedenkstein mit ihrem Lieblingszitat und ein Platz zum Verweilen an die langjährige Geschäftsführerin Karin Berghäuser, die im Februar verstorben ist. Zu lesen sind Zeilen aus "Der kleine Prinz": "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

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