Sendemast löst heftige Diskussion aus

In Schlettau ist die fünfte Generation der Mobilfunktechnik angekommen. Doch nicht jeder freut sich darüber. Zur Einwohnerversammlung kochten die Emotionen hoch.

Schlettau.

35 Meter hoch ragt er in den Erzgebirgshimmel, der neue Mobilfunksendemast auf dem Bahnhof in Schlettau. Die mobile Anlage, die vorerst für drei Monate installiert ist, gehört zur fünften Generation der Mobilfunktechnik - kurz 5G genannt. Aufgebaut worden ist sie in der vergangenen Woche in erster Linie für den neuen Smart Rail Connectivity Campus Annaberg-Buchholz. Mit diesem Projekt soll unter anderem das automatisierte Fahren auf Schienen erforscht und getestet werden - auf der Bahnstrecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg.

Ein Teil der Schlettauer Einwohner aber steht der neuen Technik mehr als skeptisch gegenüber. Das ist zur kurzfristig einberufenen Einwohnerversammlung am Donnerstagabend im fast voll besetzten Rittersaal des Schlosses deutlich geworden. Sie befürchten vor allem gesundheitliche Konsequenzen und ließen sich auch von gegenteiligen Einschätzungen seitens der Weltgesundheitsorganisation oder auch der Strahlenschutzkommission nicht beeindrucken. Mit denen hatte sich Helmut Zeitz vom Mobilfunkunternehmen Vodafone, in dessen Auftrag der Mast errichtet wurde, auf die Diskussion vorbereitet. Zeitz: "Wir sind bei den Grenzwerten weit von dem entfernt, was als bedenklich bewertet wird."

Auch sein Argument, dass nicht die Mobilfunkbasisstationen beziehungsweise ortsfesten Sendeanlagen als gesundheitsgefährdend eingestuft werden, sondern es vielmehr zum Gebrauch der mobilen Endgeräte - wie beispielsweise Handys - noch viele offene Fragen gebe, wurde nicht akzeptiert. Vielleicht, weil auch im Publikum viele Handys am Mann beziehungsweise an der Frau waren. Und die Initiatoren des Protestes für dessen Organisation unter dem Motto "Stoppt 5G in Schlettau" weitgehend das Internet und soziale Medien nutzen. Die teilweise sehr unsachlich geführte Diskussion gipfelte schließlich in der Feststellung: "Wir wollen den 5G-Mast nicht vor unseren Häusern und nicht in unserer Stadt."

Eine Argumentation, die wiederum Bürgermeister Conny Göckeritz zu einer sehr emotionalen Rede veranlasste, in der er vom Sankt-Florian-Prinzip sprach. Damit werden Verhaltensweisen bezeichnet, bei der potenzielle Bedrohungen oder Gefahrenlagen nicht gelöst, sondern auf andere verschoben werden. Schließlich, und das machten unter anderem auch Sören Claus als Technikchef des neuen Campus' und Jan Kammerl von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge als Moderator des Abends deutlich, gehe es bei dem Projekt um die gesamte Region. Für das Erzgebirge sei der Campus eine einmalige Chance. Es gehe darum, die Zukunft zu gestalten, appellierte der Bürgermeister. Er stehe ebenso wie der gesamte Stadtrat hinter dem Vorhaben. Das bestätigte Stadtrat Frank Seckel (Freie Wähler Bürgerforum).

Allerdings mussten er und die anderen anwesenden Mitglieder des Stadtrates sich ebenso wie der Bürgermeister an diesem Abend auch die Kritik gefallen lassen, die Einwohner der Stadt nicht ausreichend informiert und in die Entscheidung einbezogen zu haben. Als Grundstücksangelegenheit war das Thema seinerzeit nicht öffentlich im Stadtrat debattiert worden.

Dabei wurde im Rahmen der Diskussion auch mehrfach betont, dass sich alles im rechtlichen Rahmen bewege. Für den zeichneten baulicherseits das Landratsamt und technisch die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörden verantwortlich. Das gelte auch für den perspektivisch aufzustellenden festen Sendemast und alle weiteren, die entlang der Strecke noch installiert werden müssen. Über deren Standorte sei aber noch nicht entschieden, machte Sören Claus deutlich. Fest stehe aber, dass von der neuen Mobilfunktechnik und der damit verbundenen Verlegung von Glasfaserkabel entlang der kompletten Bahnstrecke auch die Anliegerkommunen profitierten.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 4 Bewertungen
7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    d0m1ng023
    01.09.2019

    Na weil es uns die AfD so vorlebt... Auf dieser Veranstaltung war doch mit Sicherheit genau das Klientel was der AfD hinterherläuft.

  • 32
    2
    FromtheWastelands
    31.08.2019

    Ich weiß nicht warum man solche Informationsveranstaltungen überhaupt noch abhält. Man liest ja das die Kritiker sich durch Argumente nicht überzeugen lassen.
    Unerträglich, das bei jedem Versuch eine Region mit neuen Technologien zukunftsfähig zu machen sofort die übliche "Ich mecker über alles und jeden" - Klientel ankommt und gegen alles anschreit was nicht in ihr rückständiges Weltbild passt.

  • 15
    3
    ChWtr
    31.08.2019

    Weshalb werden die Bewohner nicht in den offenbar wichtigen Prozess des automatisierten Fahrens eingebunden und das vor allem rechtzeitig? Nicht Jedem kann man es recht machen. Das Totschlag Argument St.-Florian-Prinzip hilft da wenig. Ansonsten ist es wie immer. Alle wollen ALLES haben, nur darf es nicht zu möglichen Unannehmlichkeiten vor der eigenen Haustür kommen. Auf gar keinen Fall!

  • 16
    1
    Nixnuzz
    31.08.2019

    Irgendwie geht mir gerade der Bericht zu dem großvolumigen Pilzsammler durch den Kopf. Wieviel natürliche Strahlung bis hin zur inneren Aufkonzentrierung per Pilzgericht wird da ganz selbstverständlich aufgenommen? Ich hoffe, die alten Röhrenbildschirme - TV oder PC - hat man schon abgeräumt - oder? War eigentlich jemand mit ärztlicher Fachkenntnis wg. Zahnheilkunde oder Unfallchirugie dabei? Die Wismut hat da nicht gebuddelt ? - oder buddelt da ein Lithium-Freak erneut rum?

  • 33
    1
    Zeitungss
    31.08.2019

    @Lexi: Ob Leitungen, Bahntrassen, Sendemasten, keiner will sie haben sondern nur nutzen. Es ist die schönste Variante, funktioniert nur leider nicht. Diese Verweigerer schreien lautstark warum sich nichts tut, dass sie die größten Bremser sind kommt ihnen dabei nicht in den Sinn, warum auch !

  • 24
    5
    Distelblüte
    31.08.2019

    Aber das Internet hat doch gesagt...
    Hier hat Schlettau kein gutes Bild von sich abgegben. Mit Emotionen lässt sich eben hervorragend auf Stimmenfang gehen.

  • 34
    2
    Lexisdark
    31.08.2019

    Unverständlich ist das Verhalten mancher Bürger inzwischen, wenn man immer gleich Bürgerinitiativen gründet und massiv Projekte der Infrastruktur von allen anderen bekämpft. Und mit halbgaren Wissen und Lügen um sich wirft. Die Leuten nutzen mit Sicherheit auch Smartphones mit LTE, bei schlechtem Empfang erhöht sich die Leistung der Antenne im Geräte, was man am Körper trägt, das ist schon seit dem es Mobilfunk gibt so. Aber jetzt ist es ein Problem, dabei arbeitet 5G vorerst auf Frequenzen aus dem alten UMTS Netz. Vor 2030 wird die GHz-Variante kaum verfügbar sein. Schaltet denen von der BI doch einfach das Mobilfunknetz ab, das wäre der beste Beitrag



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