Sex mit 13-Jähriger: Gericht gewährt letzte Chance

Ein 20-Jähriger muss sich zwei Jahre lang bewähren. Er hatte sich schon zuvor einiges zu Schulden kommen lassen. Während der Verhandlung gab er sich ahnungslos.

Marienberg.

Es ist die klassische Konstellation gewesen, wie sie auch am Amtsgericht Marienberg häufig eintritt: Aussage stand gegen Aussage. So musste der Richter gemeinsam mit den beiden Schöffen im Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des unerlaubten Führens einer Schusswaffe abwägen, wessen Aussagen glaubhafter erschienen.

Angeklagt war ein 20-jähriger Mittelsachse. Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Zwischen Dezember 2019 und Januar 2020 soll er in zwei Fällen mit einer 13-Jährigen sexuellen Kontakt gehabt haben. Damit nicht genug: Im April dieses Jahres fand die Polizei bei ihm eine CO2-Waffe, wie sie beispielsweise beim Paintball genutzt wird.

Während der Angeklagte die Vorwürfe hinsichtlich der CO2-Waffe einräumte - "ich besaß sie aus sportlichen Gründen" -, zeichnete er hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs von Kindern sein eigenes Bild. Er sei davon ausgegangen, dass das Mädchen 14 Jahre alt ist. Beide seien sich nur einmal in sexueller Weise nahegekommen. Wie er die 13-Jährige kennengelernt habe, wollte der Richter wissen. "In einer Whats-app-Gruppe", so der Angeklagte. Beim Austausch von Nachrichten blieb es nicht. Als es zu einem Treffen in einer Stadt im Erzgebirge kam, habe sich das Mädchen weiterhin als 14-Jährige ausgegeben. Dass sie jünger war, erfuhr er eigenen Worten zufolge erst, nachdem es zum Beischlaf gekommen war. Dieser sei einvernehmlich erfolgt.

"Kannte er dein Alter", fragte der Richter die Geschädigte, die als Zeugin aussagte. "Ja, das habe ich ihm gesagt", antwortete sie. Beide hätten sich über das Alter ausgetauscht. Mit anderen Worten: Der Angeklagte sei sich bewusst gewesen, dass er mit einer 13-Jährigen schläft. Das Mädchen bestätigte die Einvernehmlichkeit. Auch hinsichtlich der Anzahl der sexuellen Kontakte gab es widersprüchliche Aussagen. Die Geschädigte sprach von fünf. Das Mädchen betonte zur Verhandlung: Sie habe dem Angeklagten zwischenzeitlich gesagt, dass die sexuellen Kontakte keine gute Idee seien. Ihre Mutter sei dagegen. Sie war es auch, die Anzeige erstattete.

Für das Schöffengericht stellte sich die Frage, wie der 20-Jährige nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist und wie sein Leben in die richtigen Bahnen gelenkt werden kann. Denn er hatte sich bereits im Vorfeld einiges zu Schulden kommen lassen. So handelte er sich wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung sowie Brandstiftung Vorstrafen ein. Zudem stand er kürzlich in Freiberg vor Gericht, weil er seinen Opa im Alkoholrausch ins Gesicht geschlagen hatte. Der Angeklagte verbrachte in seinem Leben bereits mehrere Wochen in Jugendarrest.

Das Gericht entschied, ihm eine letzte Chance zu geben. Der 20-Jährige muss seine bereits begonnene Suchtberatung fortsetzen sowie Arbeitsstunden leisten. "Ob er ins Gefängnis gehört, trauen wir uns zur Stunde nicht zu, zu sagen", so der Richter, der eine zweijährige Bewährungszeit verhängte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.