Steht der Teddy für ein weiteres Baby?

Acht Jahre ist es her, dass in Schwarzenberg ein toter Säugling entdeckt wurde. Bis heute ist die Mutter nicht gefunden. Die Ermittler haben immer davor gewarnt, dass sie es wieder tun könnte. Nun drängt sich eine Frage auf: Haben die Plüschtiere am Grab eine Symbolik?

Schwarzenberg.

Am Grab von Max Winter in Schwarzenberg liegt seit kurzer Zeit ein weißer Teddy. Lange liegt er noch nicht dort. Bis zum Spätherbst waren es stets nur zwei Plüschtiere. Ob sie eine tiefere Symbolik zu dem Fall haben und für die zwei toten Kinder stehen, bleibt jedoch rätselhaft. Ebenso wie die Frage, wer die Plüschtiere an das Grab gesetzt hat. Nicht auszuschließen ist jedenfalls, dass jemand, der mehr weiß oder eine Verbindung zur Kindsmutter hat, diese Kuscheltiere nutzt, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Max Winter, so hatte man den kleinen Jungen genannt, der am 19. Januar 2011 tot in einem Altkleidercontainer in Schwarzenberg-Sonnenleithe entdeckt worden war. Die Stadt gab ihm diesen Namen, um das Baby wenigstens würdevoll beizusetzen. Max wäre heute acht Jahre alt. Angenommen wird, dass er am 4. Januar geboren wurde.

Zudem hatte die Obduktion ergeben, dass er nach der Geburt gelebt hat; zumindest für einige Stunden oder Tage - dann wurde er mit einem Knebel im Hals erstickt und in einer Plastiktüte entsorgt. Am 19. Januar 2011 machten die Männer, die den Kleidercontainer leerten, die schreckliche Entdeckung. Dieses Verbrechen hatte damals große Bestürzung in der Stadt ausgelöst.

Geraume Zeit später, am 2. Juni 2012, wurde in einem Straßengraben im böhmischen Rotava erneut ein totes Baby gefunden. Ein DNA-Abgleich ergab: Dieses Baby war ein Bruder von Max Winter. Und auch nach diesem erneuten grausigen Fund warnten die Ermittler vor einer möglichen Folgetat.

Hunderte Hinweise wurden verfolgt, ein Massengentest durchgeführt, eine Belohnung ausgesetzt, in der Sendung "XY ungelöst" wurde der Fall geschildert. Kriminalhauptkommissar Michael Mundt, der über viele Jahre die Ermittlungen in den beiden Fällen geleitet hat, wies immer wieder darauf hin, dass es möglich sei, dass sich Ähnliches wiederholen kann.

Jetzt, nachdem am 17. November 2018 in einer Altkleidersortieranlage im polnischen Kielce erneut ein totes Baby gefunden wurde, rückt auch der Fall Schwarzenberg/Rotava wieder in den Blickwinkel. Und plötzlich taucht ein drittes Plüschtier - der weiße Teddy - am Grab von Max Winter in Schwarzenberg auf. Ist das alles nur ein Zufall?

Das in Polen gefundene Baby wurde in Duisburg in einen Altkleidercontainer geworfen. Das ergaben die Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler, die dem Mädchen den Namen Mia gaben, wurde das Baby zwischen dem 31. Oktober und dem 8. November 2018 in Duisburg in den Container gelegt, aber erst bei der Sortierung der Altkleider in Polen entdeckt. "Wir haben jetzt das DNA-Profil des Kindes aus Duisburg angefordert, um es mit den hiesigen Fällen abzugleichen", sagt Christian Schünemann von der zuständigen Polizeidirektion Zwickau auf Anfrage der "Freien Presse".

Das Grab von Max Winter in Schwarzenberg pflegt seit 2011 die Stadt. "Doch Plüschtiere und Engel setzen wir nicht hin", hatte Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer zur Pressekonferenz Ende August 2018 auf Nachfrage der "Freien Presse" gesagt. Da lief ein erneuter, größerer Massengentest in Schwarzenberg an. Diesmal waren Frauen aus dem benachbarten Stadtteil Sachsenfeld aufgefordert worden, sich dem Speicheltest zu unterziehen. Noch immer seien nicht alle Proben dieser Testreihe ausgewertet, informiert dazu die Polizei in Zwickau, die weiter bestrebt ist, den Fall Max Winter endlich aufzuklären.

Diesbezüglich würde die Beamten auch interessieren, wer außer der Stadt, das Grab von Max schmückt. Diana Lichtenthal aus Rittersgrün, die 2011 selbst junge Mutter war und spontan zu einer Schweigeminute am Fundort aufgerufen hatte, erklärt heute: "Nein, seit der Beerdigung war ich nicht mehr an seinem Grab. Wir wollten damals mit der Aktion auch nur unserem Mitgefühl Ausdruck verleihen."

Derjenige, der das Grab von Max liebevoll dekoriert, kann, muss aber keine Beziehung zur Kindsmutter haben, heißt es.

Und doch ist es möglich, dass jemand noch immer mehr dazu weiß. Ein solches Tötungsverbrechen verjährt nie.

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