Tiertherapeutin mit Vorwürfen von Nachbarn konfrontiert

Fehlende Leinen, störendes Gebell, sogar der Vorwurf der Tierquälerei steht im Raum. Thermalbad Wiesenbader ärgern sich über Therapiehunde und deren Halter.

Thermalbad Wiesenbad.

Ein Graben zieht sich durch eine Nachbarschaft in Thermalbad Wiesenbad. Wenn die Parteien aufeinandertreffen, wird es laut. Beschimpfungen fallen. Sogar in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Kern des Streits: Mandy und Jörg Kaldenbach, die auf einem Grundstück am Rande des Wohngebiets Mühle Hunde und Pferde halten, die als Therapietiere genutzt werden. Außerdem bietet Mandy Kaldenbach an Wochenenden Seminare für Therapeuten und deren Hunde an, in denen diese lernen, wie man die Tiere für Therapien einsetzen kann. Dagegen lehnt sich die Nachbarschaft auf. Nachdem "Freie Presse" kürzlich von einem länger stehenden Zelt auf dem Grundstück der Kaldenbachs berichtete, wandten sich einige Nachbarn mit ihren Bedenken an die Redaktion.

Größter Vorwurf: Tierquälerei. Beispielsweise wurde nach Aussage der Anwohner mehrfach beobachtet, wie Mandy Kaldenbach ihre Therapiehunde in die Seite trat oder kniff, bis diese aufjaulten. Als Mandy Kaldenbach mit diesem Vorwurf konfrontiert wird, muss sie kurz schlucken. Dann führt sie die Hunde vor. Sie sehen gesund aus, folgen aufs Wort - ohne Berührung. "Wir müssen das Vertrauen zu Hunden aufbauen, sonst können wir sie nicht für die Therapie verwenden", erklärt Mandy Kaldenbach. In der Erziehung der Hunde könne sie zwar nicht auf negative Verstärkung verzichten, setze aber auf den Schreckmoment. Etwa durch einen kurzen Flankengriff. Dabei handelt es sich um eine sensible Hautfalte am Hinterbein des Hundes. Gerade ihre beiden Rüden würden nach dem Griff jaulen, aber eher vor Schreck, denn vor Schmerz. "Je mehr Druck und je mehr Schmerz man auf den Hund ausübt, desto mehr sinkt die Frustrationstoleranz und der Hund reagiert aggressiv", so die Hundeausbilderin.

Auch die nicht artgerechte Haltung ihrer Pferde bestreitet sie. Und verweist auf ihren behandelnden Tierarzt. Thomas Uhlig aus Zschopau sagt zum Fall Kaldenbach: "Wenn mir etwas auffällt, dann spreche ich mit den Leuten und bin auch verpflichtet, das an die Behörden weiterzugeben. Das war bei den Kaldenbachs bislang nicht der Fall." Der Tierarzt aus Zschopau erklärt, er betreue die Tiere regelmäßig und im Krankheitsfall. Er habe den Eindruck, das alles ordentlich sei.

Ein weiterer Vorwurf der Nachbarn betrifft den Lärm, der durch das Gebell der Hunde entsteht. Ein Nachbar hat sogar ein Bell- und Lärmprotokoll angefertigt. Ganz ausräumen konnte Mandy Kaldenbach diesen Vorwurf nicht. Schließlich leben sieben Hunde in ihrer Wohnung. Dennoch sei sie darauf bedacht, sie so still zu halten wie möglich. Außerdem entsteht auch einiges an Lärm, wenn die Kaldenbachs an Wochenenden Therapeuten-Hunde-Teams ausbilden. Ein Thema, das im Gemeinderat im August angesprochen wurde, als der Rat sich mehrheitlich gegen die Nutzung des temporären Zeltes auf dem Grundstück für die Seminare aussprach.

Der Lärmvorwurf hat für Mandy Kaldenbach jedoch auch viel mit persönlichen Befindlichkeiten zu tun: "Warum regen die sich über mich auf und nicht über die ganzen Dauerbeller in der Nachbarschaft?", fragt sie. Das gleiche gelte auch für den Vorwurf der Anwohner, dass die Hunde der Kaldenbachs, aber auch die Hunde im Seminar ohne Leine durch den Ort und den Kurpark streunen. "Von mir läuft kein Hund frei herum. Das gibt es einfach nicht. Das sage ich auch all meinen Seminarteilnehmern", so Kaldenbach. Die Hunde-Therapeuten-Teams oder Hunde, die sie selbst ausbildet, würde sie auch erst mit in den öffentlichen Raum nehmen, wenn sie auch wirklich auf Befehle hören und keine Gefahr oder Irritation für die Öffentlichkeit darstellen. Allerdings kritisiert sie, dass es in der Gemeinde viele andere Hundehalter gebe, die das Leinenverbot missachten. Doch was können die Anwohner tun, denen vor allem der Lärm sauer aufstößt? Die Gemeindeverwaltung von Thermalbad Wiesenbad sieht wenig Handlungsspielraum. Sie hat beispielsweise keine gültige Polizeiverordnung, ein Manko, das laut Bürgermeisterin Berit Schiefer in den kommenden Monaten im Gemeinderat angesprochen werden soll. Daher können nicht ohne Weiteres Bußgelder verhängt werden. Auch ist die Verwaltung aufgrund ihrer knappen Personalsituation momentan nicht in der Lage, permanent Personal für die Kontrolle von Ordnungsamtsbelangen zu stellen. Also müssten sich Bürger ans Landratsamt wenden. Was einige der Nachbarn nun auch tun wollen.

Bürgermeisterin Berit Schiefer hofft jedoch noch immer, dass der Konflikt auf friedlichem Wege gelöst werden kann. "Ich lasse mich als Behörde nicht zwischen Nachbarschaftsstreitigkeiten zerreiben. Das müssen sie als erwachsene Leute unter sich klären", so Schiefer. Daher halte sie es auch für falsch, den Behördenweg zu wählen.

Zur jüngsten Gemeinderatssitzung versprach Schiefer außerdem, selbst ein Seminar von Mandy Kaldenbach zu besuchen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Dazu hat übrigens am 22. September jedermann die Chance. Da veranstaltet Mandy Kaldenbach einen Tag der offenen Tür. www.therapie-hunde.info

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