Touristen zornig über Knöllchen

Mit zahlreichen Aktionen präsentiert sich die Stadt Augustusburg seit Jahren besucherfreundlich. Daran zweifelt jetzt jedoch ein Ehepaar aus Schlettau - nach Erfahrungen mit einem Verwarngeld und dem Rathaus.

Augustusburg/Schlettau.

Gemeinsam mit seinen Enkelkindern hat das Ehepaar Müller aus Schlettau in den Winterferien einen schönen Tag im Schloss Augustusburg verbracht. Das Lachen verging ihnen, als sie zum auf dem Schlossparkplatz abgestellten Fahrzeug zurückkehrten. "Schon von Weitem haben wir eine Politesse gesehen, die gerade den Parkplatz verließ", erzählt Matthias Müller. Die Erzgebirger hätten sich aber keine Gedanken gemacht, weil sie schon vor Ablauf des Parkscheins auf dem Rückweg gewesen wären. Umso erstaunter waren die Müllers, als sie an ihrem Auto ein Knöllchen, also einen Bescheid über eine Ordnungswidrigkeit, vorfanden. Als Tatzeit wurde darauf 11.57 Uhr angegeben. Doch genau bis dahin war auch der Parkschein gültig. "Das hat uns sehr gewundert, und wir haben schriftlich Widerspruch dagegen eingelegt", sagt Matthias Müller.

Udo Eckert, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Freiberg, kann den Ärger verstehen. "Tatsächlich ist es so, dass das Überschreiten der Parkzeit sofort geahndet werden kann", sagt er. "Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen also nicht noch ein wenig warten. Hier allerdings ist schon ungewöhnlich, dass die Tatzeit gleichzeitig die letzte Minute der Parkzeit ist. Da hat jemand etwas voreilig gehandelt, was nicht gerade besucherfreundlich ist." Aus dem Augustusburger Rathaus gab es auf die "Freie Presse"-Anfrage, warum der Bescheid wegen Falschparkens bereits mit Ablauf der Parkzeit ausgestellt wurde, trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort.

Schlosschefin Patrizia Meyn bedauert es, dass Gäste ein "Knöllchen" erhielten - und das vor Ablauf der Zeit. "Darüber sollte allerdings eine sachliche Beweislage vorliegen, die seitens der Stadtverwaltung zu klären ist", antwortete sie.

Ob der Widerspruch der Müllers erfolgreich sein kann - das Verwarngeld haben sie übrigens bezahlt - konnte Anwalt Udo Eckert indes nicht sagen. "Das entscheidet die Behörde oder ein Gericht", so der Experte. Im Fall der Müllers kam die Entscheidung aus Augustusburg in Form eines Überweisungsscheins. "Der wurde uns als Reaktion auf den Widerspruch zugeschickt", sagt Matthias Müller, dessen Frau daraufhin zum Telefonhörer gegriffen habe, um nachzuhaken. "Nach dem zweiten Satz hat die Mitarbeiterin des Rathauses einfach aufgelegt", sagt Müller. "Das brachte das Fass zum Überlaufen. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Für die Stadt ist das keine Reklame." Auch dazu wurden die Verantwortlichen im Rathaus von "Freie Presse" schriftlich befragt. Weder zum Grund der Ablehnung des Widerspruchs noch zum angeblich abrupt beendeten Telefonat gab es eine Reaktion - obwohl die Stadtverwaltung sonst mit Urlaubskomplettangeboten oder einer modernen Touristinformation besucherfreundlich punkten will und damit offensiv wirbt.

Dass es bei Parktickets auch kulanter geht, zeigt die Stadt Freiberg. "Hier wird nach Ablauf der kostenlosen 15-Minuten-Parkscheine drei Minuten gewartet, ob der Halter zurückkehrt, ehe ein Knöllchen ausgestellt wird, bei bezahlten Tickets sogar zehn Minuten", erklärt Pressesprecher Christian Möls.

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