Weihnachten in Corona-Zeiten - so feiern die Erzgebirger

"Freie Presse" wollte wissen, wie in der Region das Fest der Liebe begangen wird und was für die Menschen das Wesentliche an Weihnachten ist. Ganz auf Familie und Freunde will kaum einer verzichten.

Erzgebirge.

Das Jahr 2020 war für viele ein Jahr der Krise, des Verzichts und der Einschränkungen. Lange Zeit hofften die Deutschen, dass sie nur bis Weihnachten würden warten müssen und das dann alles endlich besser werden würde. Viele sahen sich mit einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt stehen und mit der gesamten Familie den Heiligabend zelebrieren. Schon die abgesagten Weihnachtsmärkte sorgten vor allem im Weihnachtsland Erzgebirge für große Enttäuschung. Aber der Traum vom besinnlichen Weihnachtsabend mit der ganzen Familie war immer noch nicht ausgeträumt. Dieser Traum ist nun aber spätestens am vergangenen Sonntag geplatzt, da die langersehnten Corona-Lockerungen über Weihnachten doch strenger ausfielen, als viele hofften. "Freie Presse" hat sich bei den Annabergern umgehört, wie sie unter diesen Umständen das Fest der Liebe begehen und was dabei für sie das Wesentliche an Weihnachten ist.

Martin Svoboda (44) hält die kulinarische Tradition seines Herkunftslandes Tschechien auch in seiner Wahlheimat Buchholz am Leben. So landet bei Familie Svoboda keinesfalls Gans oder Bratwurst auf der Weihnachtstafel, sondern gebratener Karpfen mit Mayonnaise-Kartoffelsalat. Den Heiligabend verbringt der dreifache Familienvater normalerweise mit seiner Ehefrau, den Kindern und Großeltern. Dieses Jahr werde aber im engsten Familienkreis gefeiert, Oma und Opa bleiben zu ihrem Schutz daheim. Martin Svoboda braucht nicht viel Schnickschnack zum Fest. "Das Wichtigste an Weihnachten ist die Familie, aber ein Weihnachtsbaum und leckeres Essen sind auch immer gut", sagt er lächelnd.

Steve Hofmann (35) wohnt ebenfalls in Buchholz und als gebürtiger Erzgebirger dürfen bei ihm Bratwurst und Linsen nie auf dem weihnachtlichen Speiseplan fehlen. An Heiligabend ist ihm die Zeit mit seiner Frau, den Kindern und Eltern besonders wichtig. Auch dieses Jahr soll trotz Corona in dieser Konstellation gefeiert und Gesellschaftsspiele gespielt werden. Dennoch werde die Familie vorausichtlich auf zwei Traditionen verzichten müssen. "Normalerweise besuchen wir Heiligabend immer die Frühmesse und spazieren abends zur Krippe in der Stadt, aber beides wird wohl dieses Jahr leider nicht so möglich sein."

Evelyn Jacob (64) kann auf Weihnachtsmärkte und -feiern verzichten, solange die Annabergerin ihre Liebsten um sich hat. "Mir fehlen der hektische Trubel der Weihnachtsmärkte und der Konsumwahnsinn überhaupt nicht. Was mir fehlt, ist die Möglichkeit, Zeit mit Freunden zu verbringen, dann zum Beispiel mit einem gemeinsamen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt", erklärt sie. Außerdem verzichtet auch sie dieses Jahr auf eine große Familienfeier. "Die letzten Jahre haben wir immer mit der ganzen Familie gefeiert, das geht jetzt natürlich nicht. Deshalb verbringen wir Weihnachten im engsten Familienkreis. Das heißt, es kommen nur meine Kinder vorbei. Es wird Zunge zum Abendbrot gegessen und anschließend werden Geschenke ausgetauscht. Leider wird das Krippenspiel diesmal vermutlich ausfallen und ob unser spätabendlicher Verdauungsspaziergang stattfinden kann, ist auch noch unklar. Das wäre schade, da wir es lieben, dabei die Lichter der Stadt zu genießen."

Vanessa Roscher (27) hat eine große Familie, mit der die Annabergerin normalerweise auch Weihnachten verbringen würde. Stattdessen wird sie dieses Jahr nur mit ihren Brüdern und ihrer Mutter feiern. Für sie gehören Weihnachtsmärkte und -feiern eigentlich dazu, sind aber keineswegs das Wichtigste für die 27-Jährige. "Klar ist das schade, aber das Wesentliche an Weihnachten ist doch letztendlich das Zusammensein mit der Familie und auch wenn alles etwas anders ist, ist das noch möglich und das ist alles was zählt."

Wally Baumgarten (82) möchte auch trotz Corona nicht auf ihre Liebsten verzichten müssen. Um das Fest gemeinsam aber sicher genießen zu können, wird dieses Jahr ganz anders gefeiert als sonst. "Normalerweise kommen Weihnachten alle Kinder und Enkel bei uns zusammen, alle auf einem Haufen, alle an einem Tisch. Und obwohl das dieses Jahr leider so nicht möglich ist, wollen mein Mann und ich trotzdem die ganze Familie um uns haben und auf niemanden verzichten müssen. Also feiern wir Weihnachten in Etappen. Jedes unserer drei Kinder kommt also an einem anderen Feiertag zu Besuch." Und auch wichtige Vorsichtsmaßnahmen sollen im Vorfeld getroffen werden. "Alle werden sich in den Wochen vor Weihnachten einschränken und zu Hause bleiben, um uns diesen Wunsch zu erfüllen. Meine älteste Tochter arbeitet in einem Krankenhaus und wird auch vorher nochmal getestet, um ganz sicherzugehen. Wir wissen, dass das manche für unvernünftig halten werden, aber in unserem Alter weiß man nie, ob es das letzte Weihnachten sein wird. Und deswegen wollen wir nicht alleine feiern müssen", erklärt die 82-Jährige.

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