Wenn Vugelbeerbaam und Waldmaa auf Oldtimer treffen

Lüftlmalerei ziert die Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute die von Familie Wittmann in Oberwiesenthal.

Oberwiesenthal.

Die Wittmanns sind stolz darauf, so ein schönes Kleinod an ihrem genauso schönen Haus zu besitzen. "Zum einen war es der Wunsch unserer mittlerweile verstorbenen Eltern und zum anderen drückt es unsere Verbundenheit zu unserer erzgebirgischen Heimat aus", sagt Christine Wittmann. Davon abgesehen hat den Oberwiesenthalern die nackte Wand des Hauses ganz und gar nicht gefallen. So ist dann Matthias Nestler aus Geyer 1999 in Aktion getreten und hat das Gebäude in der Keilbergstraße mit seiner Malerei verziert. Einem Landschaftsmotiv, das die Heimatverbundenheit der Familie zum Ausdruck bringt und familiäre Erinnerungen birgt.

"Unser Blick geht auf den Fichtelberg und den Wald mit Farnen, Wiesenblumen und vor allem einem Vugelbeerbaam", verweist die 72-Jährige auf Details des Bildes. Auch ein typisch erzgebirgischer "Waldmaa" säumt die anheimelnde Szene. "So wie er früher mit Säge und Kiepe zum Holzsammeln gegangen ist", erklärt die ehemalige Erzieherin. Und mitten in Mutter Natur kommt dem Holzsammler ein altes Auto entgegen. Genau genommen ist es ein stolzer Horch, der einst in Zwickau produziert worden ist. "Viele Gäste und Urlauber fragen immer wieder, was es denn mit dem Oldtimer auf sich hat", sagt Christine Wittmann und schmunzelt. Ganz einfach: Mit dieser Szene wird auf das Handwerk der Familie hingedeutet. "Diese Darstellung weist auf die Arbeit von Vater und Sohn hin. Unsere Werkstatt für Kraftfahrzeuge befindet sich im Ort", so die jung gebliebene Seniorin. Und dass dabei ein Oldtimer ausgewählt worden ist, kommt nicht von ungefähr. Inzwischen führt Sohn Mike die Werkstatt und Vater Bernd Wittmann befindet sich im "Unruhestand".

Der 73-Jährige hat in seinem Rentnerdasein seinen Beruf als Kraftfahrzeugmechaniker zum Hobby gemacht und restauriert alte Autos beziehungsweise Mopeds für den Eigenbedarf. Ganz wichtig auf dem Gemälde: Der einstige, gute und treuherzige Schäferhund "Bac". "Er hat uns in seinem Leben auf Schritt und Tritt begleitet", so die Oberwiesenthalerin.

Die Wittmanns sind waschechte Erzgebirger. Ehemann Bernd stammt aus Witzschdorf, Christine Wittmann aus Niederschlag. Deshalb freut sich die Rentnerin, dass der Künstler mit Akribie viele typische Details unseres Landstrichs aufs Bild gebracht hat. So auch die Steine, die an die teils schroffe und felsige Landschaft in den heimischen Gefilden erinnern. Die Nadelbäume weisen sogar eine Besonderheit auf: "Es gibt im oberen Erzgebirge durch das Wetter viele abgewitterte Fichten. Und auch solche sind auf der Malerei zu sehen", so Christine Wittmann.

Ihre Liebe zur Natur hat aber noch einen anderen Grund: Knapp 50 Jahre war sie als Erzieherin tätig. Unter anderem in Annaberg, Tannenberg und eben in ihrer Heimatstadt. "Wir haben damals mit den Kindern das ganze Gebiet durchforstet, waren unter anderem viel im Zechengrund unterwegs", erinnert sie sich. Diese Zeiten möchte Christine Wittmann nicht missen. Nicht missen möchte die Familie auch die gelungene Lüftlmalerei, die sozusagen mit jedem Pinselstrich schöne Erinnerungen wach hält.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...