Wie das Glück mit einer Kletterfigur kam

Schaufenster in der Annaberger Innenstadt zeigen Arbeiten von 15 Fotografen. Die Bilder erzählen Geschichten zum Thema "... eines Freundes Freund zu sein". Über die beste Arbeit kann das Publikum entscheiden.

Annaberg-Buchholz.

Mehr als 6000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Welt-Metropole New York und der Kleinstadt Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Doch das Bild einer Foto-Ausstellung und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, verbindet Menschen aus beiden Orten. Der Fotograf Ted T. Kivitt unterrichtet an der Suny Purchase in New York - einem College - Tanz. Dort, wo der gebürtige Annaberg-Buchholzer Leo Gnatzy zuletzt studiert hat. Innerhalb einer Kompositionsklasse choreografierte der junge Mann die zeitgenössische Tanzkomposition "And it was good". Momentaufnahmen davon sind nun als Teil einer Schaufensterausstellung in Annaberg mit dem Titel "... eines Freundes Freund zu sein" zu sehen. Und zwar bei Betten-Flach an der Wolkensteiner Straße - dem Laden seiner Mutter Jeannette Gnatzy.

Leo Gnatzy hat ein Auslandsstudienjahr in den USA absolviert, studiert eigentlich Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln, wie sie erzählt. Derzeit sei er noch in den Vereinigten Staaten. Als Abschluss seiner Zeit am dortigen College konnte er als Choreograf arbeiten und "And it was good" auf die Bühne bringen. Wie es in Zeilen zum Foto heißt, hat er versucht, seine amerikanischen Kommilitonen mit eher europäischen Auffassungen und Techniken des zeitgenössischen Tanzes in Kontakt zu bringen. Es sollte ein Stück entstehen, in dem "die Seele des Tänzers tanzt und nicht nur das äußere Erscheinungsbild zum Vorschein kommt".


Es ist nicht die einzige außergewöhnliche Geschichte, die Fotografien innerhalb der aktuellen Schaufensterausstellung erzählen, bei der das Publikum über das beste Bild abstimmen kann. Beispiel Nummer 2 findet sich nur wenige Meter entfernt an der Wolkensteiner Straße - bei Schuhe & Lederwaren Thiele. Entstanden in Saanicton auf Vancouver Island in der kanadischen Provinz British Columbia, zeigt die Fotografie zwei Indianer-Jungs vom Stamm der Coast Salish, die voller Freude ein kleines Geschenk von Dietmar Lang aus Frohnau ausprobieren. Begeistert spielen sie mit kleinen Kletterfiguren aus Seiffen. "Ich habe auf meinen Reisen immer einige mit. Sie nehmen kaum Platz im Gepäck weg. Überall auf der Welt hilft so ein kleines Kletterfigürchen, schnell Kontakt zu den Menschen zu finden, gerade auch über die Kinder zu ihren Eltern. Das ist oft der Schlüssel zu ihrer Kultur und dem Kennenlernen ihrer Lebensweise", berichtet der Holzbildhauermeister. In dem Dorf der beiden Jungs lebe die ganze Familie, die Erwachsenen seien gute Schnitzer, würden etwa Masken, Reliefs und Schalen gestalten. Dietmar Lang besuchte sie mehrfach, habe Freunde und Kollegen gefunden. "Wir haben auch gemeinsam geschnitzt", erklärt er in einer Beschreibung zum Bild. Heute müssen die Jungs im Übrigen schon erwachsen sein, das Foto ist 2006 entstanden.

Die Freude der beiden ist ansteckend. Ein Moment des Glücks, die Leichtigkeit des Seins. Doch da ist auch die ganz andere Seite - Erdrückendes, das schwer auszuhalten ist. Eine Lebensgeschichte, von der Nathalie Mohadjer einen Augenblick festgehalten hat mit ihrem Foto "Jasmina mit ihren Freundinnen" - zu sehen bei Betty Moden an der Buchholzer Straße. Das Bild entstand 2004 im Flüchtlingslager Grab Potok, wie die Fotografin beschreibt, die mehrfach nach Bosnien und Herzegowina gereist sei, um die Auswirkungen Jahre nach Kriegsende festzuhalten. Alle Bewohner des Lagers seien Überlebende des Genozides gewesen, der in der Stadt Srebrenica und deren Umgebung stattgefunden hat. Als sie später erneut die Menschen von Grab Potok besuchte, waren Jasmina und ihre Freundinnen verschwunden. "Ihre Mutter erzählte mir, dass die Mädchen von Schmugglern 2005 verschleppt worden waren", so Nathalie Mohadjer.

15 Fotografen beteiligen sich an der Schaufensterausstellung, organisiert vom Werbering und dem Förderverein Carlfriedrich Claus - Lebens- und Arbeitsort in Annaberg-Buchholz. Bis 3. August ist im Internet die Abstimmung möglich. Verliehen wird der Stadtwerke-Preis am 4. August, 12.30 Uhr im Studienraum Carlfriedrich Claus anlässlich eines Geburtstagsbrunchs für den Künstler, der an diesem Tag 89 Jahre alt geworden wäre.

www.werbering-annaberg.de

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