"Wir sind ein Ort, an dem Begegnung an erster Stelle steht"

Regina Liebig, Leiterin des Freizeit- und Familienzentrums, über 25 Jahre FFZ, Herausforderungen und Wünsche

Thum.

Rund 100 Menschen nutzen jede Woche die Angebote des Thumer Freizeit- und Familienzentrums (FFZ). Der im Volkshaus ansässige Verein, der 25. Geburtstag feiert, bietet ein breites Spektrum von Babymassage, Rückbildungsgymnastik und Eltern-Themen-Cafés über Feriengestaltung, Kreativtreffs, Tanz- und Theatergruppen bis hin zum Seniorencafé. In den Räumen gibt es auch eine Bibliothek mit 4650 Büchern. Neben elf Ehrenamtlichen, zwei Bundesfreiwilligendienstlern und drei vom Jobcenter geförderten Mitarbeitern ist Leiterin Regina Liebig die einzige Hauptamtliche. Mit ihr sprach Michael Urbach.

"Freie Presse": Frau Liebig, warum benötigt es eine Einrichtung wie das Freizeit- und Familienzentrum in Thum?

Regina Liebig: Weil es Menschen gibt, die einen Ort brauchen, an dem sie sich begegnen können. Das geht beim Eltern-Kind-Kreis los, bei dem sich Muttis freuen, dass sie sich austauschen können und wo sie einmal in der Woche eine schöne Frühstückstafel gemacht bekommen. Oder die Senioren, die darüber reden, wie es früher so war. In der Runde nehmen wir uns immer ein bestimmtes Thema vor, beispielsweise Poesiealbum oder Mundart. Die Senioren waren todtraurig, als die Runde neulich wegen eines Feiertags ausfallen musste. Es gibt auch Angebote für Kinder, die mit Tanz und Theater etwas haben, womit sie sich neben der Schule profilieren können. Nur bei der Jugend sind wir nicht so stark aufgestellt. Ich will nicht sagen, ohne das FFZ wären viele Leute einsam. Aber wir sind ein Ort, an dem Begegnung an erster Stelle steht.

Sie sind seit 15 Jahren in der Einrichtung dabei, leiten sie seit sieben Jahren. Wie hat sich die Arbeit verändert?

Viele Eltern waren früher länger im Kreis, die Mütter mussten nicht nach einem Jahr wieder arbeiten. Durch das intensivere Zusammensein konnten sich ein stärkerer Vertrauensbezug und ein stärkeres Miteinander herausbilden. Kinder sind durch Ganztagsangebote in ihren Schulen in der Freizeit mehr eingebunden als früher. Es ist aber auch ausschlaggebend, wie Eltern ihre Kinder animieren und die Teilnahme an Aktivitäten fördern. Ich glaube, da wurde früher mehr drauf geachtet.

Was heißt das alles für das FFZ?

Wir müssen uns überlegen: Wie werden wir mehr wahrgenommen? Zum Beispiel machen wir schon Projekttage mit der Grundschule. Ich kann noch so viele Plakate drucken und unsere Angebote in den Stadtboten schreiben. Das Beste ist immer noch die Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Schwelle, alleine herzukommen, ist groß, daher ist es immer schön, wenn einer jemanden mitbringt. Wir wollen allerdings auch neue Angebote schaffen.

Welche?

Eine Umfrage im Eltern-Kind-Kreis hat ergeben, dass viele traurig sind, dass es keinen Austausch mehr gibt, wenn die Kinder älter werden. Darum planen wir ab voraussichtlich Januar einen Elternstammtisch ohne Kinder, wo dann auch spezielle Themen wie Mobbing in der Schule behandelt werden. Und wir starten unsere Kindersportgruppe Zappelmänner in der Grundschule Thum wieder. Zwischenzeitlich war sie aufgelöst worden, aber nun ist wieder der Bedarf da.

Welche Herausforderungen gibt es für Ihr Haus?

Es ist die Sorge, ob genügend Leute nachkommen. Die jüngste Ehrenamtliche ist 21, die meisten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Ich sehe die Gefahr, dass wir eines Tages nicht mehr alle Angebote abdecken können. Zweitens gibt es das Problem mit der Wahrnehmung, was hier Woche für Woche größtenteils alles ehrenamtlich geleistet wird. Die einzige Hauptamtliche bin ich. Ich glaube, dass sogar viele Stadträte nichts mit uns anzufangen wissen. Die Leute denken, dass wir irgendwie mit bei der Stadt angegliedert sind. Das stimmt nicht. Wir sind ein eigener Verein, der sich selber tragen muss. Die Stadt unterstützt uns soweit, dass wir für die Räume eine Mietpauschale zahlen. 10.000 Euro schießt uns jährlich der Landkreis zu. Den Rest müssen wir über Projekte und Beiträge reinholen. Jedoch versuchen wir, die Teilnahmegebühren so niedrig wie möglich zu halten, um niemanden auszuschließen. Das Mitmachen beim Ferienprogramm etwa kostet pro Tag zwei bis vier Euro. Bei vier Euro ist dann aber etwa auch Essen oder eine Übernachtung dabei.

Wie sind Sie persönlich zur Einrichtungsleitung gekommen?

Vor 15 Jahren habe ich über eine ABM-Stelle hier angefangen. Danach fragte mich die damalige Leiterin, ob ich ehrenamtlich dabeibleiben könnte. Nach und nach habe ich mehr Aufgaben übernommen, konnte hinter die Strukturen blicken. Als mich 2012 der Vorstand angesprochen hat, ob ich die Leitung machen könnte, habe ich Ja gesagt. In rund drei Jahren möchte ich in Rente gehen. Da gilt es jemanden zu finden, der meine Stelle übernimmt. Es ist nicht alleine die Arbeit mit den Menschen gefragt, sondern auch das Wirtschaftliche. Sehr hilfreich ist dabei der gute Austausch mit den Familienzentren in Oberwiesenthal, Cranzahl und Walthersdorf. Wir treffen uns viermal im Jahr und reden zum Beispiel über Strukturen oder Angebote, die gut laufen.

Wenn Sie als Leiterin losgelöst von der Realität einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Dann hätte ich gern Außenanlagen, in denen unsere Kinder spielen können oder wo sich bei schönem Wetter auch mal eine Gruppe treffen kann. Das ist ein Manko. Und zwei Räume würde ich dazunehmen, durch unsere vielen Angebote ist immer jede Menge umzuräumen.


Zur Person

Regina Liebig, 62, ist gelernte Zahntechnikerin. Vor 15 Jahren kam sie zum FFZ, übernahm 2012 die Leitung. In der Kirche sammelte sie schon viel Erfahrung mit Kinder- und Jugendarbeit. Sie lebt in Ehrenfriedersdorf.

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