Wo glückliche Kühe dem Naturschutz dienen

Auf den Bergwiesen am Pöhlberg steht eine Herde, die hilft, diese Landschaft zu erhalten. Davon profitieren zum Beispiel Insekten. Die Vierbeiner gehören der Mutterkuh GmbH "Am Schwarzwassertal". Der Betrieb beteiligt sich an einem speziellen Projekt in Sachsen.

Königswalde/Annaberg.

Sie sind das Erzgebirgsidyll schlechthin: die bunt getupften Bergwiesen am Pöhlberg. Wie gemalt präsentieren sie sich um diese Jahreszeit - der Ausblick auf Bärenstein, Fichtelberg, Keilberg und Co kommt noch hinzu. Eine Bilderbuch-Landschaft, die Einwohner und Urlauber erfreut - die Pöhlbergalm, ein Flächennaturdenkmal. Wenige Meter entfernt vom beliebten mittleren Rundgang des Berges und doch versteckt stehen Vierbeiner, die zum Erhalt dieser Landschaft beitragen: Tiere der Mutterkuh GmbH "Am Schwarzwassertal" in Königswalde. Das Unternehmen verbindet Landwirtschaft mit Naturschutz. Eine neue Tafel des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, die am Donnerstag übergeben wurde, soll das zeigen. "Betriebsplan Natur - wir machen mit!" steht darauf. Begleitet wird das Unternehmen bei diesem Projekt vom Landschaftspflegeverband Mittleres Erzgebirge mit Sitz in Mildenau.

Bei den Kühen und ihren Kälbern handelt es sich um Tiere der Rasse Simmentaler Fleckvieh. "Die war schon früher hier beheimatet", erklärte Reinhard Heß, der langjährige Leiter des Unternehmens, der diese Aufgabe erst vor Kurzem abgegeben hat. Seit Juni ist der 65-Jährige im Ruhestand, beim Thema Mutterkuhhaltung aber noch voll in seinem Element. Vom Frühjahr bis zum Herbst würden die Tiere auf der Weide stehen, bevor es über den Winter in den Stall nach Jöhstadt geht. Neben dem Pöhlberg gibt es weitere Standorte. Diesen ist eines gemein: "Wir bewirtschaften Grünland, das nicht traktorengängig ist", so der Fachmann, der 2018 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet worden ist.


Der Landwirtschaftsbetrieb hält 200 Mutterkühe samt Nachzucht und bewirtschaftet eine Fläche von 350 Hektar auf dem Gebiet verschiedener Orte. Diese Arbeit wird auch mit Geld der Europäischen Union gefördert. Die natürliche Weidehaltung diene dem Erhalt der Kulturlandschaft, erläuterte Norbert Eichkorn, Präsident des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Er zählte zu zahlreichen Gästen bei der Übergabe der Tafel.

Zwei bis dreimal pro Jahr werden die Flächen am Pöhlberg beweidet, der Einsatz von Dünger ist nicht erlaubt. Auf zusätzliches Kraftfutter für die Kühe wird laut Reinhard Heß verzichtet. Vom Artenreichtum und den vielen blühenden Gewächsen, die auf der Bergwiese gedeihen, profitieren wiederum Insekten. Und das sei zum Beispiel auch gut für verschiedene Fledermausarten, die in dem Gebiet vorkommen, so Thomas Prantl, der Geschäftsführer des hiesigen Landschaftspflegeverbandes. Dieser berät unter anderem Landwirte in Sachen Naturschutz und möglichem Fördergeld, arbeitet etwa mit der Mutterkuh GmbH "Am Schwarzwassertal" schon lange zusammen. Umgeben von den Bergwiesen am Pöhlberg wachsen im Übrigen auch Sträucher wie Weißdorn, was wiederum verschiedenen Vogelarten zugutekommt.

Für das 25 Jahre alte Landwirtschaftsunternehmen, das eine Tochter der Agrargenossenschaft Königswalde ist, hat die natürliche Haltung ebenfalls Vorteile. Ein Beispiel: Die Kälber kommen auf der Wiese zur Welt - in einem "keimfreien Spektrum", wie Reinhard Heß erklärte. Das sei besser als im Stall. Geburtshilfe könne bei Bedarf auch draußen geleistet werden. Mehrere Monate bleiben die Jungtiere dann bei ihren Müttern, ehe sie für die Fleischproduktion oder Zucht verkauft werden. Deckbullen werden im Übrigen ebenfalls in der Mutterkuh GmbH "Am Schwarzwassertal" gezüchtet, informierte der neue Geschäftsführer Silvio May, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft ist. Auch diese Tiere wachsen so natürlich wie möglich auf der Weide auf.


Neue Chance auf Betriebsplan

Landwirte in Sachsen sollen von September bis November erneut die Chance auf Bewerbungen für den "Betriebsplan Natur" bekommen. Das ist ein gesamtbetriebliches Informationsangebot innerhalb der Naturschutzqualifizierung für Landnutzer. Zunächst gab es sechs Pilotbetriebe, dann folgten bislang 36 weitere.

Bei der Entwicklung eines solchen Plans geht es unter anderem um die Abstimmung von Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Betriebes und auch um Fördermittel. Das Ganze wird über einen längeren Zeitraum weiter begleitet. (aho)

www.umwelt.sachsen.de/umwelt/ natur/35485.htm

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