Zum 100. Mal in Geyer die Hose voll Sand

Sänger, Instrumentalisten und Mundartautoren haben aus besonderem Anlass musiziert: Es wurde zum Jubiläums-Sandhusenkranzl eingeladen. Woher kommt der Name?

Geyer.

"Heimat is für alle schie, egal, wo ich a bie": Im Sinne des launigen Gesangsbeitrages von Alleinunterhalter Fredo Richter haben sich am Sonnabend 24 Formationen aus dem Erzgebirge ein Stelldichein in Geyer gegeben. Rund 70 Akteure formierten sich auf, vor und neben der Bühne des Kulturhauses für ein nichtalltägliches Geburtstagsständchen. Das seit zehn Jahren veranstaltete Sandhusnkranzl erlebte seine 100. Auflage. Guter Anlass für die Veranstalter vom Erzgebirgszweigverein Geyer, noch einmal jene ins Rampenlicht zu stellen, die zurückliegend an diesem zünftigen Stammtisch zu Gast waren.

"99 Veranstaltungen haben wir bis zur heutigen Jubiläumsrunde seit der Premiere am 28. April 2006 organisiert", sagte Hartmut Kreft, der erneut die Organisationsfäden zog. "Über 50 Musikformationen, vom Alleinunterhalter bis zum Volkschor, von der Jagdhornbläsergruppe bis zum Mundartsprecher, haben in den zurückliegenden zehn Jahren die künstlerische Umrahmung übernommen. Rund die Hälfte dieser Akteure sind dabei." Der 67-Jährige gehört zu den Ideengebern des Treffens. "Im Sandhusnkranzl wird zünftig musiziert und Mundart gesprochen, wir wollen Liedgut und die Traditionen pflegen", so Kreft, der zugleich als Vorsitzender des hiesigen 220 Mitglieder zählenden Erzgebirgszweigvereins agiert. "Ob Postmeilensäulen, Gasthauskultur, Spitznamen oder Tierwelt: Unsere monatlichen Treffen stehen dabei immer unter einem Thema. Dazu werden Fachleute eingeladen, es wird gefachsimpelt. Treffpunkt ist unser Huthaus."

Und genau dem erwiesen die Musikanten und rund 130 Gäste mit dem Auftaktlied die Referenz. Die Melodie vom Huthaus ist quasi das Mottolied der Sandhusnkranzl-Runde. Der Mottoname sei schnell gefunden worden: Im Bergbau hätten Tagelöhner das taube Gestein, den Abraum, herausgeschafft, deren Bekleidung auch vom Sand gezeichnet war. Eine lederne, mit Sand gefüllte Hose, genäht von Gabi Goldacker, war bislang auch das symbolische Geschenk an die Künstler.

Klar, dass Kompositionen von Anton Günther erklangen, aber auch manche Eigenkomposition oder bislang weniger bekanntes Stück wurde dargebracht. Dem Mandolinespiel der 87-jährigen Irma Ketzenberg folgte der schmissige Klang der Bandoneongruppe Ehrenfriedersdorf, Christine Huss griff zur Flöte, wie Fredo Richter mit Keyboard aufspielte. Auch Bläsersound und Chorgesang zeigten die Vielfalt künstlerischen Engagements abseits der geschäftstüchtigen Volksmusik-Glitzerschau der heilen Fernsehwelt. Wenngleich extra aufpolierte Granitsteine jedem Künstler als Erinnerungsgeschenk übergeben wurden. Und bei Hartmut Kreft ziert jetzt eine Goldene Schallplatte als besonderes Dankeschön die heimische Musikecke.

Die Resonanz des Treffens bewegte die anwesenden Urgesteine der Volkskunst. Gestandene Musikanten wie Christoph Flath aus Scheibenberg wussten aus der Geschichte zu berichten, dass nur selten eine solch imposante Runde von Akteuren zusammenkam. Ein bisschen Wehmut schwang schon mit. Verstehen sich doch überwiegend nur noch Vertreter der reiferen Jugend auf die zünftigen Melodien. Nachwuchs wird in dieser Branche immer rarer. Wer wird zukünftig liebenswerte Eigenheiten und Lebensweisheiten weitergeben?

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