Die stille Kraft der Bilder

Die Videokünstlerin Beate Kunath hat ihr Handwerk in der Chemnitzer Filmwerkstatt gelernt. In ihrer Heimatstadt arbeitet sie an einem neuen Projekt.

Ihre Schwarz-Weiß-Fotos von Hochständen und Telefonzellen erinnern an die von Hilla und Bernd Becher schon in den 1970er-Jahren dokumentierten Zeugnisse industrieller Architektur im Ruhrgebiet; in ihren Videos erscheint die Künstlerin gewissermaßen selbst. "Einzeldinge" heißt die Ausstellung mit Fotos und Filmen von Beate Kunath, die seit dem Wochenende in der Galerie des Weltecho zu sehen ist.

In ihren Fotos setzt sie die Dokumentation des Verschwindens von "Einzeldingen" fort, mit der das Fotografenpaar Becher berühmt geworden war. Die Schwarz-Weiß-Abzüge der Mittelformataufnahmen strahlen eine stille Kraft aus. Überzeugender aber sind die beiden Videos. "Analog visual noise" zeigt eine Art visuelles Rauschen aus analog erzeugten Frequenzen. In "My own private library" geht es um eine Frau aus Chemnitz, die in Toronto ihre Gefühle, Hoffnungen, Erinnerungen in poetischer Sprache und spröden Alltagsbildern aus Kanada Revue passieren lässt. Der leise, eindringliche Film erzählt eine beinahe unscheinbare Geschichte über die schöne, neue, rastlose, trotz aller technischen Möglichkeiten kommunikationsgestörte Welt.

Beate Kunath hat ihr Handwerk in der Chemnitzer Filmwerkstatt gelernt, seit 2004 ist sie in deren Vorstand. "Ralf Glaser hat mir das Filmemachen beigebracht", blickt sie zurück. Eigentlich hatte sie Gärtnerin gelernt, "aber nach der Wende waren wir alle arbeitslos, mussten neu anfangen." Mit ihrer Liebe zum Visuellen und durch "learning by doing" ist sie inzwischen zu einer international tätigen und erfolgreichen Dokumentarfilmerin geworden. Zurzeit arbeitet sie unter anderem in Berlin an einer Reihe von Filmporträts über Frauen, die in der elektronischen Musik aktiv sind. Ein ähnliches Projekt hatte sie bereits einmal über neun Frauen aus den Chemnitzer Partnerstädten realisiert, die mit der Regisseurin gemeinsam Geburtstag haben. In Chemnitz arbeitet sie an einem surreal-poetischen Filmprojekt von Michael Chlebusch mit, das im Dezember Premiere haben soll.

Die Ausstellung "Einzeldinge" mit Fotografien und Videoarbeiten von Beate Kunath ist bis 19. August in der Galerie des Weltecho zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 17 bis 21 Uhr sowie nach Vereinbarung. www.weltecho.eu

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