Funker und ihre Jubiläums-Karte

Mitglieder des Amateur- Radio-Clubs wollen den Stadtgeburtstag in die Welt hinaustragen. Dafür verschicken sie besondere Post.

Die Weltkarte an der Wand ist übersät mit Buchstaben und Zahlen. Steffen Hamperl muss gar nicht erst hinschauen. Wenn der begeisterte Amateurfunker das Signal eines Gleichgesinnten empfängt, dann weiß er anhand dessen Rufzeichens gleich, wo auf der Erdkugel sich dieser aufhält. Die Länderkürzel - die Anfangsbuchstaben DA bis DR stehen übrigens für Deutschland - hat er allesamt im Kopf. ,,Die muss jeder Funker kennen", sagt Hamperl. "Das wird auch geprüft."

Etwa 80 Personen gehören dem Chemnitzer Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs an, der sein Domizil im Obergeschoss eines Bürogebäudes an der Altchemnitzer Straße hat. Sie gehen einem Hobby nach, das auch im Digitalzeitalter nicht totzukriegen und dabei überraschend vielfältig ist. So verstehen sich manche Amateurfunker in erster Linie als Bastler von Stationen, andere bestreiten Wettkämpfe unter freiem Himmel, ähnlich dem Geocaching. Den meisten jedoch geht es darum, mit dem Funkgerät so oft wie möglich Kontakt zu Anderen aufzunehmen und mit diesen - in der Regel sehr kurze - Gespräche zu führen. Zur Bestätigung einer erfolgreichen Verbindung tauschen die Protagonisten sogenannte QSL-Karten aus. Die Abkürzung stammt aus der Morsetelegrafie und bedeutet so viel wie "Ich gebe Empfangsbestätigung."

Von diesen postkartengroßen Karten, die begehrte Sammlerobjekte sind, besitzt jeder Funkamateur normalerweise seine eigenen, individuell gestalteten, die er in die Welt hinausschickt. Als Beitrag zum 875-jährigenBestehen der Stadt hat der Ortsverband aber besondere Exemplare drucken lassen. Diese zeigen auf der Vorderseite das Opernhaus sowie den Anlass, innen eine Mittelalter-Darstellung der Stadt und auf der Rückseite weitere prägnante Chemnitzer Bauwerke, wie das Neue Rathaus und den Karl-Marx-Kopf. Zudem ist die Buchstabenkombination DFØCHE zu lesen, das Rufzeichen der Vereinsstation. Ausgesprochen werden die Symbole (das Dritte ist eine Null, in Unterscheidung zum ,,O") einzeln und nach dem internationalen phonetischen Alphabet. 7000 Karten wurden gedruckt. Finanziell werde die Aktion von der Chemnitzer Wirtschaftsfördergesellschaft CWE unterstützt, die konkrete Summe will Hamperl nicht nennen. Die ersten Karten werden demnächst versandt, sie gehen nach Spanien und Frankreich.

Im Jahr des Stadtjubiläums haben die Funkamateure noch einiges mehr vor. So beteilige sich der Verein an den Linux-Tagen der Technischen Universität am 11. und 12. März und biete Elektronikbasteleien für Kinder ab zehn Jahre an. Anlässlich des Weltamateurfunktages plane man für den 15. April einen Tag der offenen Tür in den eigenen Räumen, inklusive einer Ausstellung zur Amateurfunk-Technik im Wandel der Jahrzehnte. Kurz darauf, am 1. Mai, findet der Burgentag statt. Dabei bauen die Funker ihre Station neben der Burg Rabenstein auf und funken im Freien. Interessierte haben Gelegenheit, ihnen bei ihrem Hobby über die Schulter zu schauen. Für den Funkverkehr genutzt werde dabei das Rufzeichen der Burg, von denen jede größere in Europa ein eigenständiges habe. Hamperl will zu diesem Anlass auch über das Thema Katastrophenschutz informieren, ein Beispiel für die praktische Nutzung der Technik, dem aus Sicht der Amateurfunker häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. "Wenn im Fall einer Naturkatastrophe beispielsweise die Energieversorgung und damit das öffentliche Kommunikationsnetz ausfällt", so Hamperl, "dann bleibt immer noch der Amateurfunk, um miteinander zu kommunizieren."

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