So will der Versorger Eins ab 2028 ohne Braunkohle auskommen

Fernwärme- und Stromerzeugung soll auf Gas umgestellt werden - Investitionssumme: Über 100 Millionen Euro

Der Chemnitzer Versorger Eins Energie in Sachsen will von 2028 an keine Braunkohle mehr verfeuern. Stattdessen sollen im Stadtgebiet rund 20 Gas-Blockheizkraftwerke ans Netz gehen. Was das für die Chemnitzer und für das Unternehmen bedeutet - "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Warum will Eins sich vom Brennstoff Braunkohle verabschieden?

Vor allem wegen des hohen Kohlendioxidgehalts gehört die Braunkohleverfeuerung zu den klimaschädlichsten Formen der Energiegewinnung. Umwelt- und klimapolitisch wird sie immer weniger akzeptiert, der Druck auf die Versorger wächst. Hinzu kommt, dass die Stromerzeugung zuletzt wegen sinkender Preise immer weniger Erlöse abgeworfen hat. Zudem müssen die jahrzehntealten, unter anderem durch Bevölkerungsrückgang und Stadtumbau mittlerweile überdimensionierten Fernwärmeleitungen im Stadtgebiet in absehbarer Zeit ohnehin erneuert werden. Daher hat Eins nun aufwendig untersucht, wie die Stadt künftig effizient und sicher versorgt werden kann.

Wie will Eins die Fernwärmeversorgung ohne Kohle absichern?

Bislang wird Fernwärme vor allem im Heizkraftwerk Nord in Furth produziert, ursprünglich als Nebenprodukt der Stromerzeugung. Bis zum Jahr 2030 sollen diese Aufgabe etwa 20 Blockheizkraftwerke übernehmen, die vor allem mit Erdgas befeuert werden. In Zeiten besonders hohen Bedarfs werden zusätzliche Heißwassererzeuger in Altchemnitz eingesetzt.

Woher kommt das Gas?

Vor allem aus Russland und Norwegen. Die Anlagen sollen aber so konzipiert werden, dass auch ein Einsatz von Bio- und synthetischem Gas möglich ist.

Wird Eins auch weiterhin selbst Strom erzeugen?

Ja, um die Anlagen möglichst effizient und wirtschaftlich zu nutzen. Strom und Wärme werden gleichzeitig erzeugt, sodass der eingesetzte Brennstoff optimal genutzt wird. Diese Lösung sehe Eins als einen Baustein zur angestrebten Energie-wende an, heißt es. Zudem gehe das Unternehmen davon aus, dass die Strompreise wieder steigen werden.

Wie sieht der Zeitplan für die Umstellung aus?

Er richtet sich im Wesentlichen nach der Laufzeit der Braunkohle-Lieferverträge und dem Abschreibungszeitraum der Erzeugerblöcke im Heizkraftwerk Nord. Der letzte endet laut Roland Warner, Vorsitzender der Eins-Geschäftsführung, im Jahr 2028. Die ersten zehn Blockheizkraftwerke sollen bereits bis 2022 installiert sein.

Steht schon fest, wo die Blockheizkraftwerke gebaut werden?

Die neuen Standorte werden laut einem Unternehmenssprecher im Wesentlichen auf unternehmenseigenen Grundstücken errichtet.

Welche Investitionen sind mit der Umstellung verbunden?

Eins-Chef Warner geht von mehr als 100 Millionen Euro aus. Sie sollen "in einem ausgewogenen Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdmitteln finanziert" werden.

Was bedeutet das für die Fernwärme-Preise?

"Wir sind uns sicher, dass wir langfristig günstige Preise anbieten können", sagt Roland Warner. Dazu beitragen soll auch eine höhere Effizienz des Netzes. So soll das Wasser, dass die Fernwärme transportiert, statt wie bislang auf bis zu 135 Grad künftig nur noch auf 110 Grad erhitzt werden. Im Gegenzug sorgen bessere Leitungen für geringere Wärmeverluste. Eine kilometerlange Trasse nach Siegmar soll zudem stillgelegt und die Wärme stattdessen vor Ort erzeugt werden.

Gehen durch die Umstellung Arbeitsplätze verloren?

Ja. Die neuen Anlagen werden laut Eins weniger Personal erfordern. Aufgrund der Altersstruktur der Beschäftigten könne die Reduzierung über Ruhestandsregelungen aber sozial verträglich gestaltet werden.

Was bedeutet die Abschaltung des Heizkraftwerks Nord für den Schornstein dort, der - künstlerisch gestaltet - mittlerweile ein Wahrzeichen der Stadt ist?

Der Schornstein bleibt laut einem Eins-Sprecher auch nach Abschaltung des Heizkraftwerks stehen.

Was sagt die Kommunalpolitik zu den Plänen?

Erste Reaktionen von Stadträten fallen überwiegend positiv aus - die Stadt Chemnitz hält 25 Prozent der Anteile an Eins. "Bei allen politischen Unwägbarkeiten erwarten wir stetige Gewinne, nicht zuletzt für die Quersubventionierung des Nahverkehrs", sagt Tino Fritzsche (CDU). Detlef Müller (SPD) spricht von einem "schweren Schritt", der Respekt verlange. (micm)

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