1,0-Abitur: Junge Frau sieht sich nicht als Streberin

Eine Burgstädterin wird als zielstrebig und ehrgeizig eingeschätzt. Diese Eigenschaften helfen ihr auch bei einer Leidenschaft.

Burgstädt.

Uta Neuhaus musste in den zwölf Jahren, die ihre Tochter Julia zur Schule ging, nie drängeln, dass sie ihre Hausaufgaben macht oder lernen muss. "Sie ist immer schon ehrgeizig und zielstrebig gewesen", sagt die 49-Jährige. Trotzdem sei es nicht zu erwarten und deshalb umso erfreulicher gewesem, dass Julia das Abitur am Burgstädter Gymnasium mit 1,0 ablegte - eine von 322 Schülern in Sachsen.

"Das Lernen ist mir schon immer leicht gefallen", sagt die 18-Jährige. Das sei schon in der Kita Pusteblume und in der Mohsdorfer Grundschule der Fall gewesen. Als Lieblingsfächer nennt die Burgstädterin Geschichte, Ethik und Sport. "Aber das ist auch immer von den Lehrern abhängig", fügt sie hinzu. Für technische Fächer fehle ihr das Grundverständnis, deshalb habe sie auch Physik in der Oberstufe abgewählt.


Ihre ältere Schwester Lisa hatte sie sich als Vorbild genommen und ihr nachgeeifert, da diese das Abitur mit der Note 1,6 abgeschlossen hatte und jetzt in Dresden Lebensmittelchemie studiert. Ihre Eltern hatten ebenfalls ein Ingenieurstudium absolviert und arbeiten heute als kaufmännische Angestellte und Tiefbauingenieur in Firmen in der Region.

Manchmal sei sie Streberin genannt worden, erzählt Julia Neuhaus. Aber sie sehe sich nicht als solche. "Ich bin halt kein Feiertyp", sagt die Schülerin. Das habe aber auch mit einer anderen Leidenschaft zu tun. Sie trainiert in der Leichtathletikgemeinschaft (LG) Mittweida, ihre Disziplin sind die 400 Meter Hürden. Ihr bestes Ergebnis war 2017 der sechste Platz bei den Deutschen U18-Meisterschaften. "Es wäre schön, wenn es dieses Jahr wieder mit einer vorderen Platzierung klappt", sagt die Burgstädterin. Dafür trainiere sie fünf Mal pro Woche. Erst vor wenigen Tagen habe sie mit einer persönlichen Bestzeit von 64,20 Sekunden das Ticket für die Deutsche U-20-Meisterschaft der Leichtathleten am letzten Juli-Wochenende in Ulm gelöst. Nach Verletzungspech und den Vorbereitungen für das Abitur sei diese Leistung nicht selbstverständlich gewesen, fügt ihre Mutter hinzu. Aber Julia habe dabei gelernt, sich optimal zu organisieren und die Zeit bestmöglich zu nutzen.

Dabei ist der Terminkalender von Julia weiterhin prall gefüllt - auch an Wochenende. Die Burgstädterin bessert ihr Taschengeld bei verschiedenen Ferienjobs in Betrieben und beim Kellnern in der Region auf. Und sie hat auch schon das nächste Ziel im Visier. Am 2. September beginnt die Burgstädterin an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Meißen ein Studium in der Steuerverwaltung.

Klingt die Studienrichtung nicht trocken?, ist Julia von ihren Mitschülern gefragt worden. Sie habe sich umfassend darüber informiert, sagt sie. Der Praxisanteil sei sehr groß. "Außerdem ist dies ein sicherer Job", meint sie. Denn als Diplom-Finanzwirt werde sie als Beamtin in einer Behörde arbeiten oder könnte auch in die freien Wirtschaft wechseln, erzählt sie. Sie sei bodenständig, wolle künftig in Sachsen arbeiten und wohnen. Und was fehlt noch zum ganz großen Glück? "Ich bin eigentlich sehr glücklich", sagt die 18-Jährige. Sie wolle noch die Welt auf Urlaubsreisen erkunden. Im August besucht sie bereits Irland. Und natürlich freue sie sich auf eine Familie mit Kindern.

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