Baumfällung: Versorger Eins droht Bußgeld

Vorwurf: Eine Genehmigung fehlt - Unternehmen wehrt sich

Mitte August sollen an der künftigen Baustelle des Energieversorgers Eins an der Bahnhofstraße die archäologischen Grabungen beginnen. Damit die Forscher vom Landesamt für Archäologie ein freies Feld haben, sind Ende April dort Laubbäume gefällt worden. Diese Arbeiten haben jetzt ein Nachspiel: Offenbar hat Eins im Vorfeld nicht alle nötigen Genehmigungen eingeholt. Zwar waren die Fällungen nach der Baumschutzsatzung genehmigt, allerdings lag keine Befreiung vom Fällverbot während der Vegetationszeit vor, informiert die Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Ratsfraktion Pro Chemnitz. Ein entsprechender Antrag sei bei der Unteren Naturschutzbehörde nicht eingegangen. Deshalb hat das Umweltamt Anzeige gegen den Bauherrn Eins erstattet, um ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten und gegebenenfalls ein Bußgeld zu erheben. In welcher Höhe das ausfallen könnte, ließ die Stadt offen. Derzeit laufe noch die Frist, in der sich Eins zum Fall äußern kann.

Der Versorger würde das allerdings nicht bezahlen wollen, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. Das Unternehmen habe sich telefonisch mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, die somit im Verfahren eingebunden gewesen sei. Auch der beabsichtigte Fällzeitraum sei bekannt gewesen. "Die Anhörung zur Ordnungswidrigkeit ist aus Sicht von Eins nicht nachvollziehbar", so die Unternehmenssprecherin.

Die Säge war an zwei Eschen und zwei Ahorn-Bäumen angesetzt worden. Vorher habe die beauftragte Firma nach Nist- oder Brutplätzen Ausschau gehalten. Wenn der Neubau steht, sollen auch wieder Bäume gepflanzt werden, allerdings nur drei und nicht zwölf, wie in der Baumschutzsatzung vorgeschrieben. Für die ausbleibenden neun Bäume muss Eins eine Ausgleichszahlung von annähernd 5000 Euro zahlen.

Der Versorger will bis 2021 neben dem Archäologiemuseum seine neue Firmenzentrale sowie ein Hotel bauen lassen. Bereits jetzt, einige Wochen vor Beginn der archäologischen Grabungen, wird auf dem Gelände gebohrt. Die Bohrgeräte würden für Untersuchungen des Baugrundes und die Suche nach Kampfmitteln, wie Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, benötigt. Die Arbeiten hätten aber keine Auswirkungen auf den Beginn der Grabungen der Archäologen.

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