Baustelle sorgt morgens vor der Grundschule für Chaos

Gerade wurde ihr Sohn eingeschult, jetzt kann ihn die Mutter nicht mehr direkt zum Unterricht fahren. Doch warum wurden die Arbeiten nicht in den Ferien erledigt?

Morgenleite.

Eigentlich könnte es praktischer kaum sein: Der zehnjährige Sohn von Mandy Wolf geht in die Albert-Schweitzer-Oberschule, und seit Anfang August besucht der sechsjährige Sohn die Albert-Einstein-Grundschule. Wolf kann morgens beide Kinder gemeinsam am Parkplatz der Grundschule abgeben. Der Kleine ist dann gleich da, der Große muss ein paar Schritte laufen. Auch zeitlich lässt sich das gut vereinbaren. 7.30 Uhr fängt bei den Oberschülern der Unterricht an, 7.40 Uhr bei den Grundschülern.

Doch seit Anfang der Woche ist es mit der Bequemlichkeit erst einmal vorbei. Grund ist, dass die Eltern nicht mehr auf den Parkplatz der Grundschule gelangen können. Auf der Markersdorfer Straße wird gebaut, seit Dienstag ist auch die Zufahrt in die Max-Türpe-Straße in Richtung Schule gesperrt. "Das sorgt für chaotische Zustände", sagt Wolf. Viele Eltern würden auf die Albert-Köhler-Straße ausweichen und von der anderen Seite an die Schule heranfahren. Doch die Straße, die zudem eine Sackgasse ist, sei eng, es gehe drunter und drüber. Von einem sicheren Schulweg könne derzeit keine Rede sein, weil die Straßenverhältnisse vor allem für die Kinder unübersichtlich sind, so Wolf. Nur eine Woche lang sei ihr kleiner Sohn zur Schule gegangen, dann erhielten die Eltern eine Information, dass die Zufahrt zum Parkplatz gesperrt wird. "Es stellt sich nunmehr die Frage, warum die vorausgegangenen sechs Wochen Sommerferien nicht für diese Baumaßnahmen genutzt wurden", so Wolf.

Auf Nachfrage antwortet die Stadtverwaltung, dass die Bauarbeiten an der Markersdorfer Straße deshalb nicht in den Ferien erledigt werden konnten, weil die Strecke für eine Umleitung genutzt wurde. Denn auch am Südring wurde gebaut. Der habe aufgrund des Verkehrsaufkommens die höhere Priorität gehabt, heißt es. An der Markersdorfer Straße werden die Asphaltschicht und der westliche Gehweg zwischen den Zufahrten der Max-Türpe-Straße erneuert. In diesem Zusammenhang wird zudem die Bushaltestelle barrierefrei ausgebaut. Die Baumaßnahme wurde am 15. August begonnen und soll am 9. September beendet sein. Die Zufahrt zur Grundschule war noch bis 29. August möglich. Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Schule jederzeit zu Fuß erreichbar sei.

Sabine Sprunk, Leiterin der Albert-Einstein-Grundschule, findet die Sperrung unglücklich. Sie selbst sei zwei oder drei Tage vor Schulbeginn darüber informiert worden. Sie schätzt aber ein, dass sich die Zeit bis nächsten Freitag überbrücken lasse. Die meisten Eltern führen jetzt in die Albert-Köhler-Straße und würden sich mit der Situation arrangieren.

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5Kommentare
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  • 2
    0
    Blackadder
    02.09.2016

    Ja, Pixelghost, das erlebe ich auch an unserer Schule so. Da wird lieber im Parkverbot oder mitten auf der Straße gehalten, als dass die Kinder mal ein paar Meter laufen müssen. Schlimm.

  • 3
    0
    Pixelghost
    02.09.2016

    1997 - als die Schulwege noch nicht so weit waren ("quer durch die ganze Stadt") habe ich es nach der Einschulung meines Jüngsten schon an der Grundschule Dittersdorfer Strasse erlebt, dass die lieben Eltern mit dem PKW bis an das Schulportal herangefahren sind, obwohl 50 m vorher ein Parkplatz war.

    Und HEUTE ist es an der Kita meiner Frau nicht anders. Ja nicht laufen.

  • 3
    3
    Blackadder
    02.09.2016

    @sarcastic: Früher konnten Kinder auch noch zu Fuß zur Schule gehen, weil sie in der Nähe war und nicht 1mal quer durch die ganze Stadt.

  • 6
    2
    gelöschter Nutzer
    02.09.2016

    Früher ging der Schüler von Anfang an zu Fuß zur Schule, heute würden moderne Eltern ihre verhätscheltes Schätzschen am Liebsten mit dem extra für den Schulweg (und für's Brötchen holen) angeschafften SUV bis direkt ins Klassenzimmer fahren...

  • 9
    1
    DerSven
    02.09.2016

    Meiner Meinung nach ist nicht die Baustelle der eigentliche Grund für das Chaos vor der Grundschule. Das Übel liegt wohl eher darin, dass die meisten Eltern der Meinung sind, ihr Kind mit dem Auto unmittelbar bis vor die Grundschule fahren zu müssen - und das im Heckertgebiet.

    Mein Schulanfänger hat jetzt nach drei Wochen Elterntaxi gesagt, dass er doch lieber mit dem Bus fahren möchte. Wir haben ihn einfach machen lassen. Ich bin lediglich die ersten Tage mit dem Fahrrad direkt hintergefahren, um zu sehen, ob alles klappt.
    Die erstaunten Blicke der anderen Eltern, dass ein Erstklässler allein mit dem Bus fahren kann, ohne dabei um's Leben zu kommen waren aber schon sehr beindruckend. Einen wirklichen Nachahmereffekt wird es aber wohl leider nicht geben.

    Generall lässt die Tatsache, dass die Freie Presse jetzt schon zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen die "Probleme" besorgter Eltern im Zusammenhang mit dem Schulweg des Nachwuchses thematisiert (Gymnasium Einsiedel, Gymnasium Mittweida), lässt nichts Gutes in Bezug auf die Selbständigkeit der heranwachsenden Generation erahnen.



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