Berliner Preis für Zivilcourage geht nach Chemnitz

Jedes Jahr zeichnet der Förderverein des Holocaust-Mahnmals engagierte Menschen aus. Der Preisträger in diesem Jahr will die Ehrung nur stellvertretend annehmen.

Eigentlich ist der "Preis für Zivilcourage, gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus", den der Förderverein des Berliner Holocaust-Mahnmals und die Jüdische Gemeinde der Hauptstadt alljährlich vergeben, eine Auszeichnung für eine bestimmte Person, einen engagierte Menschen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde eine Frau geehrt, die in Berlin den Angriff von zwei Jugendlichen auf einen jungen Mann verhindert hat, der eine Kippa, eine jüdische Kopfbedeckung, trug. In diesem Jahr nun soll der Preis nach Chemnitz gehen an einen Mann, der am letzten Augustwochenende in vielen Medien zu sehen war - Sebastian Thieswald.

Der 47-Jährige war in jenen Tagen als Sprecher des Vereins Chemnitzer Bürgerfest omnipräsent. Nachdem der bisherige Veranstalter das diesjährige Stadtfest wegen der Ereignisse von August 2018 abgesagt hatte, sprangen Bürger der Stadt ein, gründeten einen Verein, der in wenigen Wochen ein eigenes Fest auf die Beine stellte. Thieswald war einer von ihnen, und er kümmerte sich um die Kommunikation nach außen. An jenem August-Wochenende habe er vielleicht 40 Interviews gegeben, erinnert er sich. Stets habe er dabei betont, sagt er, dass man ein anderes Bild von Chemnitz zeigen wolle, ein freundliches und friedliches Bild einer Stadt, die ein Zeichen setzt gegen Radikalismus. Auch TV-Sender berichteten über das Fest, in den Abendnachrichten lief ein Film, in dem man Thieswald dabei sehen konnte, wie er radelnd das Festgelände erkundete.

Einen dieser Filme muss auch Lea Rosh gesehen haben. Die Autorin und Publizistin ist zugleich Erste Vorsitzende des Förderkreises "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", der eben alljährlich gemeinsam mit der Berliner Jüdischen Gemeinde jenen Preis für Zivilcourage vergibt. "Ich fand das eine wunderbare Initiative, auch vor dem Hintergrund, dass Chemnitz in den Medien so schlecht weggekommen ist", so Lea Rosh am Mittwoch zur "Freien Presse". Also schlug sie vor, den Preis in diesem Jahr nach Chemnitz zu vergeben - an Sebastian Thieswald. Als er davon erfuhr, reagierte er zunächst zurückhaltend. "Ich habe gleich gesagt, dass ich die Auszeichnung nur stellvertretend für den Verein entgegennehme", sagt er. Also wird der Preis in diesem Jahr erstmals nicht nur an eine einzelne Person gehen, sondern an den Verein Chemnitzer Bürgerfest.

Die Vergabe erfolgt übrigens bei einem Gala-Dinner Ende Oktober im Berliner Adlon-Hotel. Natürlich wird auch Sebastian Thieswald anwesend sein, um den Preis entgegenzunehmen. Er komme aber nicht allein, sagt er und fügt hinzu: "Das gesamte Orga-Team des Bürgerfests wird mit vertreten sein."

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    4
    gelöschter Nutzer
    24.10.2019

    Was hat jetzt das Bürgerfest mit "Zivilcourage " zu tun?



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