Brückenbau: Anwohner werfen Behörde Geldverschwendung vor

Für mehrere Millionen Euro werden zwei Bauwerke über die Chemnitz saniert oder neu gebaut. Beide führen zu ein- und demselben Radweg.

Auerswalde/Köthensdorf.

Die Baustelleneinrichtung ist aufgebaut. Die Sperrscheiben stehen bereit. Für die Anwohner wird eine Umfahrung gebaut, die parallel zum Chemnitztalradweg geht und bei der Firma Doppel-Moppel in Köthensdorf endet. All das sind Vorbereitungen für die Sanierung der Gewölbebrücke zum ehemaligen Bahnhof Köthensdorf/Auerswalde. Für die Querung des Flusses Chemnitz will der Freistaat rund 1,5 Millionen Euro investieren. Damit sollen Radfahrer, die den Radweg nutzen, die B 107 erreichen, sagt Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr.

Doch etwa 500 Meter entfernt ist erst 2016/17 eine Hängebrücke mit einer Länge von 105 Metern gebaut worden. Anwohner wundern sich: "Warum sind zwei Brücken notwendig?", fragt ein Mann. Hätte man nicht auf eine verzichten und das Geld an anderer Stelle sinnvoller einsetzen können?, ergänzt er. "Die Natursteinbrücke musste saniert werden, weil die keine Festigkeit mehr besaß", sagt eine Anwohnerin. "Das ist eine Steuerverschwendung in Millionenhöhe", fügt sie hinzu. Ihrer Meinung nach nutze kaum ein Radfahrer die Hängebrücke, um in die Ortsteile zu fahren. Sie diene nur dazu, besser zum Auerswalder Mühlenkeller zu gelangen. Dessen Betreiber freue sich über den Andrang.

Den Bau von zwei Brücken verteidigt die Landesbehörde. Vorrangiges Ziel beim Bau des Chemnitztalradweges zwischen Wittgensdorf und Markersdorf sei es gewesen, die stillgelegte Bahnstrecke touristisch zu erschließen sowie den Schüler- und Alltagsverkehr zu erleichtern, so Sprecherin Siebert. Bei der Planung sei deshalb die sichere Anbindung des Radverkehrs aus den anliegenden Orten untersucht worden. "Die Anbindung sollte möglichst kurz sein", erläutert Siebert. Dabei sei der Anschluss der Ortsteile Auerswalde und Oberlichtenau von der vorhandenen Gewölbebrücke auf halber Strecke zwischen Auerswalde und Garnsdorf als problematisch eingeschätzt worden.

Konkret erläutert Siebert die Situation auf der viel befahrenen B 107 im Chemnitztal. Die Brücke befinde sich außerorts von Ortschaften. Dort könnte schneller gefahren und überholt werden. "Dort ist die einzig wirklich geeignete Überholmöglichkeit zwischen Wittgensdorf und Markersdorf", schildert Siebert. Dort seien deshalb auch regelmäßig Geschwindigkeitsüberschreitungen zu verzeichnen. "Noch mehr Radverkehr auf der B 107 zu integrieren, ist nicht zu verantworten", unterstreicht Siebert. Die Querung der Straße in diesem Abschnitt sei gefährlich. Eine Alternative sei ein Radweg, der straßenbegleitend zur B 107 erfolgt. Dieser Bau hätte zahlreiche Probleme aufgeworfen und Nachteile zur Folge gehabt, fügt die Sprecherin hinzu. So müssten Radfahrer aus Richtung Auerswalde und Oberlichtenau, die den Radweg Richtung Chemnitz nutzen wollen, eine Strecke von 1,1 Kilometern fahren. Erfahrungsgemäß würde das schlecht angenommen. Jetzt sei geplant, von der Hängebrücke aus einen 450 Meter langen Radweg an der B 107 bis zur Einmündung an der Auerswalder Hauptstraße zu führen. Dafür sei eine Querung der Bundesstraße notwendig. Der Baubeginn stehe aber noch nicht fest, so Siebert.

Und die Sprecherin verweist auf ein weiteres Problem: Die Gewölbebrücke mit einer Strecke von 150 Metern nutzten Anlieger und Landwirtschaftsfahrzeuge. Aber auch baulich und rechtlich sei die Parallelführung problematisch. Die benötigte Fläche liege im Überflutungsbereich der Chemnitz. Demzufolge hätte zum einen eine relativ lange Stützmauer gebaut und zum anderen als Hochwasserschutz der Abflussquerschnitt verändert werden müssen. Der gesamte Bereich sei ökologisch sensibel und umfangreiche Ausgleichmaßnahmen wären notwendig gewesen. Durch die Anbindung hätten etwa 1300 Quadratmeter mehr Fläche asphaltiert werden müssen, so Siebert. "Das sollte verhindert werden." Aus diesen Erwägungen heraus sei die Hängebrücke gebaut worden. Bei der sogenannten Pylonbrücke tragen zwei hochaufragende Bauteile die gesamte Last. Laut Siebert kostete der 5,7 Kilometer lange Radweg-Bau zwischen Wittgensdorf und Markersdorf rund 2,6 Millionen Euro.

Und warum wird die Gewölbebrücke jetzt so aufwändig saniert? "Das hat zwei Gründe", erklärt Siebert. So müsse das Bauwerk im wesentlichen nur Pkw-Verkehr aufnehmen. Aber während des Radwegbaus habe es Baustellentransporte dort gegeben, die den Zustand verschlechterten. Deshalb sei nachträglich die Sanierung beschlossen worden. Für den Ortsteil Garnsdorf sei die Brücke der einzige Zugang zum Radweg. Die Fahrt zur Hängebrücke auf der B 107 sei zu gefährlich.

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1Kommentare
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  • 0
    3
    Interessierte
    02.08.2018

    Wer hat denn hier nun Recht ?



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