Brühl: Studenten-Wohnungen mit Dachgarten und Fitnessraum

Erstmals seit der Wende wurde in dem Viertel ein Wohnhaus errichtet. 3,9 Millionen Euro investierte der Bauherr. Aber noch ist nicht alles fertig.

Hoch oben über dem Brühl, auf dem 83 Quadratmeter großen Dachgarten des Neubaus des städtischen Vermieters GGG, ließ Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den Blick über das Viertel und die Innenstadt schweifen. "Das ist die wahrscheinlich schönste Dachterrasse des Brühls", sagte sie. Zuvor hatte sie sich fünf Stockwerke tiefer anlässlich der Fertigstellung des Eckhauses an ihre Anfangszeit als OB 2006 erinnert. Damals sei der Brühl ein "trauriges und lebloses Innenstadtquartier" gewesen. Es habe viel Fantasie gebraucht, sich das Viertel so vorzustellen, wie es jetzt ist, so Ludwig. Heute prägen sanierte Wohngebäude sowie neue Läden und Lokale das Bild. Junge Leute fahren mit dem Fahrrad vorbei oder schieben Kinderwagen. Baustellenlärm zeugt davon, dass die neue Entwicklung des einstigen DDR-Vorzeigeboulevards nicht abgeschlossen ist. Für Ludwig ist der Brühl auch ein Stück Hoffnung: "Die Stadt steckt in einer Krise. Aber mit solchen Projekten kommen wir dort heraus."

Das Haus mit der weißen Fassade und den bodentiefen Fenstern gilt als Zäsur. Erstmals seit der Wende ist auf dem Brühl ein neues Gebäude entstanden. Der kommunale Großvermieter GGG hat das Haus an der Ecke zur Elisenstraße 15 Monate nach dem ersten Spatenstich nahezu fertiggestellt. In den 18 barrierefreien Dreiraum-Wohnungen entstanden 54 Zimmer. Jede Wohneinheit verfügt über eine Einbauküche, einen Balkon sowie ein Duschbad. Ein Fitness- und ein Gemeinschaftsraum, der Aufzug sowie die Dachterrasse stehen allen Mietern zur Verfügung. Die GGG investierte 3,9 Millionen Euro in das Gebäude, sagte Geschäftsführerin Simone Kalew. Das Haus wurde in Plattenbauweise mit vorgefertigten Elementen errichtet. Das habe den Vorteil, dass der Zuschnitt der Wohnungen veränderbar sei, ohne in die Statik des Hauses einzugreifen, so Kalew. Später könnten dort auch Senioren einziehen.


Die Bewohner werden das Viertel verjüngen, es ziehen ausschließlich Studenten und Auszubildende ein. Sie zahlen eine monatliche Pauschalmiete von 290 Euro. Enthalten sind alle Nebenkosten wie Heizung, Strom, Wasser, Internet und Fernsehen. Um einen Mietvertrag abzuschließen, benötigen die Interessenten einen Nachweis wie eine Studienbescheinigung oder einen Lehrvertrag, so GGG-Sprecher Erik Escher. Zwar ist noch nicht alles fertig; die Balkonbrüstungen müssen noch montiert, der Fitnessraum eingeräumt, die Fahrradständer aufgestellt werden. Doch die ersten Mieter stehen schon in den Büchern, so Kalew. Die Umzugswagen sollen Anfang August vorfahren.

Die Entwicklung des Viertels verfolgt Holm Krieger genau. Ursprünglich hatten auch seine Brühl-Pioniere, eine Genossenschaft, die Gebäude kaufte und sanierte, Interesse an dem Grundstück, auf dem nun der Neubau der GGG steht. Grundsätzlich freue er sich, wenn im Quartier gebaut wird, sagt Krieger. Der Brühl sei auf gutem Weg, zum Kiez zu werden. "Langsam kennen sich die Leute untereinander." Er bedauert aber, dass die Straße keine Fußgängerzone mehr ist. Er würde nur Lieferverkehr und Anwohnern eine Einfahrts-Berechtigung geben. Zudem hätte er sich gewünscht, dass dem Brühl für eine eigene Entwicklung mehr Zeit geblieben wäre, sodass mehr Projekthäuser hätten entstehen können, in denen die Leute ihr eigenes, kreatives Ding machen. "Doch das hätte bedeutet, den Brühl für Investoren zu sperren", so Krieger. Investoren wie die Unger-Gruppe, die mehrere Häuser kaufte. Das Unternehmen investierte 15 Millionen Euro, ließ die Objekte nach eigener Aussage hochwertig sanieren. Die Brühl-Pioniere selbst werden kein Haus mehr kaufen. "Bauen macht keinen Spaß mehr. Es ist teuer geworden und Handwerker fehlen", so Krieger.

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