Buchpate rettet wertvollen Band vor weiterem Verfall

Ein über 500 Jahre altes Werk der Stadtbibliothek ist restauriert worden. Aufbewahrt wird es an einem geschützten Ort.

Es ist eine Bauchentscheidung gewesen, ausgerechnet den mehr als 500 Jahre alten Sammelband "Consilia" vor weiterem Verfall zu retten, sagt Steffen Jacob. "Das Buch hat danach geschrien, restauriert zu werden", erinnert sich der Geschäftsführer der Chemnitzer Werbeagentur Punkt 191 an seinen Besuch im Magazin der Stadtbibliothek im Tietz. Der Deckel des in lateinischer Sprache verfassten Werkes war zur Hälfte zerstört, die Schließen fehlten, Insektenfraß hatte die Substanz des Bandes über römische Rechtsgutachten zerstört, sagte Bibliotheksmitarbeiterin Sabine Schumann. Die "Consilia" waren das größte Sorgenkind im historischen Bestand der Bibliothek, so Schumann.

Dann kam die Spende von Steffen Jacob. Kurz vor Weihnachten sei sein Anruf, dass die Firma die Restaurierung des Buches übernehme, bei ihr eingegangen, sagte die Direktorin der Stadtbibliothek, Elke Beer. Anlass sei neben dem 850. Stadtjubiläum 2018 das 150-jährige Bestehen der Stadtbibliothek 2019 gewesen, so Beer. Bei einem Besuch des Magazins sei der Gedanke gereift, die Stadtbibliothek zu unterstützen und etwas für Chemnitz zu tun, so Jacob. Mit wenigen Mitteln könne man viel erreichen und ein Kulturgut vor dem Verfall retten, sagte Jacob am Mittwoch bei der Vorstellung des restaurierten Werkes im Tietz. Ihm imponiere vor allem der Weg des Buches: 20 Jahre nachdem Gutenberg erstmals mit beweglichen Lettern gedruckt hat, ist der Band 1475 bis 1478 in Italien entstanden und später über die Alpen nach Leipzig gekommen. Von dort gelangte es in das Chemnitzer Franziskanerkloster, erläuterte Jacob. "Das ist Wissenstransfer vom Feinsten", urteilte der Geschäftsführer. Der Sammelband war in den vergangenen Monaten in Leipzig für rund 1500 Euro restauriert worden. Die Restauratoren hätten eine "unwahrscheinlich große Leistung" vollbracht und das Buch mit viel "Liebe und Feingefühl" wiederhergestellt, urteilte Jacob. Es gibt zwei Ausgaben davon in Deutschland. Neben dem Chemnitzer Band steht ein Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.


Die Werbeagentur gehört zu den Buchpaten, die mit ihren Spenden Bücher vor dem Verfall retten. Auf seiner Internetseite stellt der Förderverein der Stadtbibliothek Sorgenkinder vor. "Da der Bibliothek kein Budget für die Restaurierung historischer Bestände zur Verfügung steht, suchen wir nach Spendern", erklärte Vereinsvorstand Curt Bertram.

Die "Consilia" werden nun in einer speziellen Schatzkammer für wertvolle Bücher der Stadtbibliothek aufbewahrt. In dem Raum herrscht ein besonderes Klima, damit die Bücher gut erhalten bleiben: "Die Temperatur beträgt 18 Grad, die Luftfeuchtigkeit 50 Prozent", so Sabine Schumann. Wissenschaftlern wird das Buch für Forschungen zugänglich gemacht. Bei Führungen wie etwa zur Museumsnacht am 11. Mai können auch Besucher einen Blick in die Schatzkammer werfen.

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