CFC: Verwirrung um Abwahlantrag

Offenbar gibt es Bestrebungen, den Insolvenzverwalter bei der am Mittwoch stattfindenden Gläubigerversammlung abzuberufen. Der Anwalt reagiert gelassen darauf.

Keine Handys im Sitzungssaal, keine Kameras und keine Aufzeichnungsgeräte: Vor der nichtöffentlichen Versammlung der Gläubiger des insolventen Chemnitzer FC am Mittwoch gelten besondere Vorkehrungen. Eine Sprecherin des Amtsgerichts - dort kommen die Gläubiger zusammen - weist auf umfangreiche Sicherheitskontrollen hin. Die Aufregung vor der für den Verein wohl entscheidenden Versammlung ist groß. Und sie ist am Dienstag noch einmal gestiegen.

Denn am Tag vor dem Gläubigertreffen wurde bekannt, dass es offenbar Bestrebungen gibt, den Insolvenzverwalter Klaus Siemon von seinen Aufgaben zu entbinden. Siemon teilte auf Anfrage mit, seit einer Woche liege ein Abwahlantrag gegen ihn vor. Gestellt habe diesen Antrag der CFC-Vorstandsvorsitzende Andreas Georgi, der in der Versammlung als Gläubiger auftrete, sagt Siemon. Georgi dementiert. Er habe weder einen Abwahlantrag gestellt, noch sei er Gläubiger. Er habe aber beim Amtsgericht einen Antrag gestellt, das Vorgehen des Insolvenzverwalters prüfen zu lassen. Inhalt und Gründe dafür nannte er nicht.


Nach Angaben von Amtsgerichtssprecherin Birgit Feuring gibt es für das Ausscheiden eines Insolvenzverwalters drei Möglichkeiten: Er kann, erstens, selbst um Ablösung bitten. Die Gläubiger können ihn, zweitens, mit einer Mehrheitsentscheidung abberufen, wobei die Stimmen der Gläubiger entsprechend ihrer finanziellen Forderungen gewichtet werden. Die dritte Option ist die Abberufung durch das Gericht aus eigenem Antrieb. Dafür, so Feuring, müsste ein wichtiger Grund vorliegen. "Das müssen schwerwiegende Verfehlungen des Insolvenzverwalters sein." Es sei möglich, dass das Gericht nach Hinweisen von außen zur Erkenntnis kommt, dass solche Verfehlungen vorliegen. Ob solche Hinweise oder ein Abwahlantrag gegen Siemon vorliegen, dazu äußerte sich Feuring nicht und begründete dies mit der Nichtöffentlichkeit des Verfahrens.

Auch der Fanszene-Verein, dem Georgi angehört, setzt sich für eine Abwahl Siemons ein. In einem offenen Brief, den rund 30 Fanvereinigungen unterschrieben haben, fordern diese die Gläubiger auf, den Insolvenzverwalter abzuwählen. Siemon überschreite seine Kompetenzen und sei im Begriff, "sich sein eigenes Reich zu schaffen", heißt es.

Hintergrund dafür ist ein seit Wochen öffentlich ausgetragener Streit zwischen Siemon und der CFC-Vereinsspitze. Der Insolvenzverwalter hatte den Chefs von Aufsichtsrat und Vorstand, Uwe Bauch und Andreas Georgi, vorgeworfen, im operativen Geschäft nicht mit ihm an einem Strang zu ziehen und sie mehrfach zum Rücktritt aufgefordert. Mit ihnen sei der Verein nicht reformierbar, argumentiert Siemon, der seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens den Verein führt. Bauch und Georgi lehnten es ab zurückzutreten. Siemon erteilte ihnen Hausverbote, die das Landgericht aber in Teilen zurückwies. So dürfen beide unter anderem wieder den VIP-Bereich im Stadion betreten.

Die Abberufungsbestrebungen nimmt der Insolvenzverwalter gelassen hin. Es sei nicht unüblich in komplizierten Verfahren, dass ein Antrag gegen den Insolvenzverwalter eingereicht werde, berichtet Siemon. Er gehe dennoch mit einem guten Gefühl in die Versammlung, sagt der Anwalt. Die mehr als 100 Gläubiger haben ihm zufolge Forderungen in Höhe von rund 6,2 Millionen Euro angemeldet. Vorschlagen wird er ihnen, die Profi-Abteilung des Fußball-Regionalligisten sowie einen Teil des Nachwuchsbereiches in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern. Das stößt bei einigen Anhängern auf Widerstand, die fehlende Informationen und Mitspracherechte monieren.

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