Chemnitzer waren am Wochenende in Feierlaune

Nichts los in der Stadt? Stimmt nicht. Das Wochenende vor dem großen Stadtfest, das am Freitag startet, konnte genutzt werden, um sich ordentlich in Feierlaune zu bringen.

Unter Dampf: Am Ende ist der Regen gerade noch rechtzeitig gekommen. Waldbrandstufe 3: Das reichte, damit die Dampfloks zum Heizhausfest wie gewohnt über die Gleise des Sächsischen Eisenbahnmuseums rollen konnten. Deutlich mehr als 8000 Besucher strömten an drei Tagen bis Sonntagabend auf das Areal. Besonders dicht war das Gedränge bei den Lokparaden sowie bei den Führerstandmitfahrten. "Die Loks faszinieren mich. Ich bin jedes Jahr mindestens zweimal hier im Eisenbahnmuseum", sagt Janik Sohr, der mit seinen Großeltern zu Gast war. Die zu den Mitfahrten eingesetzte Lok, Baureihe 52, hatte ein Verein aus Leipzig mitgebracht. "Sie wurde 1943 als Kriegsdampflok gebaut und hat zu DDR-Zeiten hauptsächlich Güterzüge gezogen", sagte Vereinsmitglied Gunter Beier. Ein bisschen Chaos gab es nur am Eingang: Die 450 Parkplätze waren schon vormittags belegt. Späterkommende mussten auf Stellplatzsuche gehen. "Dabei bietet sich gerade für Chemnitzer Besucher die Anfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr förmlich an", so Museumschef Sven Liebold.

Unter Indianern: Nach den Piraten im vergangenen Jahr waren diesmal Cowboys und Indianer los. Zum dritten Mal hatten die fünf Chemnitzer Wohnungsgenossenschaften SWG, CAWG, WCH, WCW und WG Einheit für Samstag zum Familientag an den Uferstrand eingeladen - und was am Vormittag noch etwas verhalten begann, entwickelte sich in der Nachmittagssonne zu einem echten Knüller. Besucherin Claudia Brandt, deren beide Söhne sich unter anderem beim Hufeisenwerfen und am "Hau-den-Lukas-Stand" versuchten, gefiel vor allem die Umsetzung des Themas "Wilder Westen". "Da haben sich die Veranstalter richtig Mühe gegeben." Die waren ebenfalls hochzufrieden. "Dass wir den Familientag 2016 aus dem Stadtfest herausgelöst haben und seitdem separat veranstalten, war goldrichtig", sagte Michael Schiffner, technischer Vorstand der WG Einheit.

Unter Nachbarn: Puppentheater im Vorgarten, Tischtennis an der Straße, Winzerwein vom Händler an der Ecke: 100 Meter Sommer feierten die Bewohner des Kaßberges mit ihren Besuchern. Mehr als 4000 Menschen folgten der Einladung und erlebten entlang der West- und der Franz-Mehring-Straße unter anderem einen sommerlich gekleideten Nikolaus in Knickebockern. Schauspieler Michael Paul Milow steckte im Kostüm und führte eine Jury an, der unter anderem Rennrad-Weltmeister Michael Hübner und Archäologie-Museumsdirektorin Sabine Wolfram angehörten. Sie kürten Hausgemeinschaften, die das öffentliche Nachbarsfest besonders kreativ mitgestalteten. Unter anderem belohnten sie mit einem riesigen Präsentkorb, zusammengestellt von Händlern des Viertels, Anwohner, die Päckchen geheimen Inhalts (darin waren unter anderem Haushaltsartikel) für einen guten Zweck verkauften. Der Erlös ging an die Kaßberg-Gartengemeinschaft "Bunte Erde", ein Zusammenschluss interkultureller Laubenpieper am nördlichen Rand des Stadtteils.

Unter Trommelwirbel: Interkulturell ist am Samstagabend auch auf dem Sonnenberg das Stichwort gewesen: Es duftete nach afrikanischen Gewürzen, von der Bühne waren Trommelklänge zu hören, deutsche und ausländische Kinder tobten gemeinsam über den Spielplatz, Passanten kamen vorbei, schauten neugierig, viele blieben etwas länger. Das erste Karl-Mixer-Mob-Festival strahlte eine wunderbar positive, geradezu liebevolle Stimmung aus. Von der aufwendigen Organisation des zweitägigen Musik- und Kulturfests bis zum Programmheft und einer Demo-CD war alles handgemacht. Das Festival ist ein Geschenk des interkulturellen Vereins Kukaye Moto Culture Center, in dessen Namen das afrikanische Kihehe-Wort "Kukaye" (Gemeinschaft, Einheit) und das Suaheli-Wort "Moto" (Feuer, Leidenschaft) stecken. Beides wollen die Organisatoren vermitteln, sagt Vereinsmitglied Antje Kreller, über das Festival hinaus. Unter dem Dach des Vereins haben sich etwa 50Musiker vereint, von Jazz bis Rap, von Ethno bis Folkrock, die das Fest zu einem alljährlichen Ereignis werden lassen könnten.

Unter Sternen: Auch Musikalisch und doch ganz anders präsentierten sich zur gleichen Zeit Künstler auf dem Theaterplatz. Ulf Schendel und seine Frau sind Stammgäste des Konzerterlebnisses Classics unter Sternen. Sie waren auch von der zehnten Auflage begeistert. Besonders die Hommage an Udo Jürgens hat ihnen gefallen. Pianist Martin Schmitt intonierte mit "Der Mann mit dem Fagott" und "Vielen Dank für die Blumen" zwei Lieder in einem Timbre, das frappierend an das des 2014 verstorbenen Künstlers erinnerte. "Wenn man nicht hingeschaut hat, hätte man gedacht, da singt Udo Jürgens persönlich", so Schendel. Angelehnt an die Filmnächte auf dem Theaterplatz stand bei den Classics Filmmusik im Mittelpunkt, dargeboten von den beiden Solisten Judith Lefeber und Christian Alexander Müller. Der gebürtige Karl-Marx-Städter, der in Essen als jüngstes "Phantom der Oper" aller Zeiten bekannt wurde, feierte seine Premiere bei Classics unter Sternen. In Szene gesetzt von der Vogtlandphilharmonie, boten die beiden einen Streifzug durch die Geschichte der Filmmusik - von "King Kong" über "Forrest Gump", "Fluch der Karibik" und James Bond bis zum erst 2017 erschienenen Musical-Film "The Greatest Showman". 3500Besucher haben die Organisatoren gezählt. "Das Konzert war schon vor drei Wochen ausverkauft", sagte Veranstalter Matthias Krauß. Einziger Wermutstropfen: Das für das Ende geplante Feuerwerk musste wegen Trockenheit abgesagt werden. Das eingesparte Geld soll für einen guten Zweck gespendet werden, hat Krauß angekündigt.

Unter Feuer: Musiker Martin Schmitt ist direkt von den Classics am späten Abend auf das Gelände der Schönherrfabrik gekommen. Dort wurde das nach dem ehemaligen Besitzer benannte Schönherrfest gefeiert, Schmitt war einer der gebuchten Bühnenkünstler. Etwa 2000 Menschen erlebten dort neben Musik auch Handel und Gastronomie. Steve Tietze, Sprecher des Areals, freute sich: "Trotz der vielen Konkurrenz-Veranstaltungen mussten wir weder am Nachmittag noch am Abend einen Einbruch bei den Besucherzahlen hinnehmen." Eines der Glanzlichter war das abendliche Höhenfeuerwerk. "Erst am Morgen hatten wir von der Stadt die Genehmigung bekommen", so Tietze. Vorher stand die Erlaubnis wegen der Trockenheit auf der Kippe. Weshalb die Stadt den Organisatoren des Schönherrfestes erlaubte, was sie den Veranstaltern der Classics untersagte, blieb bis Sonntagabend offen.

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