Das jüdische Erbe des FC Bayern

Uwe Dziuballa ist Fan des Fußball-Rekordmeisters. In seinem Restaurant ist nun eine Ausstellung zu sehen, die zeigt warum.

Brühl.

Ein Anhänger des FC Bayern München ist Uwe Dziuballa nicht immer gewesen. Im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen, schlug sein Herz zunächst für Roter Stern Belgrad, bevor er sich zwischenzeitlich dem Fußball ab- und dem US-Sport zuwandte und vor allem Football und Baseball verfolgte. Doch seit 2004 ist eine Kammer seines Herzens fest für den deutschen Rekordmeister reserviert, wie er das selbst formuliert. Über Freunde habe er damals von der Geschichte des Fußballvereins erfahren, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine von Juden geprägt gewesen sei, so der Vorsitzende des jüdischen Vereins Schalom und Chef des gleichnamigen Restaurants in der Nähe des Brühls. Der Nationalsozialismus habe dieses Kapitel jäh beendet. Bis heute seien 56 Fälle bekannt, in denen jüdische Vereinsmitglieder verfolgt wurden. 22 hätten die NS-Zeit nicht überlebt, seien umgebracht oder in den Selbstmord getrieben worden, so Dziuballa.

Die Ausstellung mit dem Titel "Verehrt - Vergessen - Verfolgt. Opfer des Nationalsozialismus beim FCBayern", die bis 9. Juni in seinem Restaurant zu sehen ist, zeigt neun dieser Schicksale auf 13großen Tafeln. Zu lesen ist beispielsweise über Wilhelm Buisson, der Fahrten für Fans zu Auswärtsspielen des FCBayern organisierte und 1940 wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet wurde. Oder über den ehemaligen Präsidenten Kurt Landauer, unter dessen Regie die Bayern 1932 ihre erste Deutsche Meisterschaft gewannen. Nach der Machtergreifung der Nazis ein Jahr später musste er wie alle Juden den Verein verlassen.


Die Biografie Landauers, der das KZ in Dachau überlebte und 1947 als Präsident wiedergewählt wurde, stand auch im Mittelpunkt einer Choreografie, mit dem Mitglieder des FC-Bayern-Fanclubs "Schickeria" im Februar 2014 an die Judenverfolgung im eigenen Verein erinnern wollten. Dies habe, so Dziuballa, den Impuls für die Wanderausstellung gegeben, die der Klub anschließend mit der KZ-Gedenkstätte Dachau erarbeitet habe. Bislang sei sie erst einmal außerhalb Bayerns und noch nie im Osten Deutschlands zu sehen gewesen.

Laut Dziuballa zeigt die Ausstellung gut die Perfidie der damaligen Zeit. "Erst die Nazis haben das Jüdischsein überhaupt wieder zum Thema gemacht. Zuvor hat das gar keine Rolle gespielt. Die Juden waren angekommen in Deutschland und völlig in die Gesellschaft integriert", sagt er. Ob auch Bayern-Spieler oder Funktionäre während der Ausstellung bei ihm vorbeischauen, sei noch offen. Signale gebe es aber für das kommende Wochenende - am Samstag spielt der FC Bayern in Leipzig.

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