Debatte um Ersatz für die Brücke Erzbergerstraße

Die Stadtverwaltung favorisiert eine neue Überführung über den Pleißenbach. Stadträte sind davon nicht überzeugt.

Altendorf.

Die mit der Sperrung und dem Abriss der Brücke Erzbergerstraße vor nunmehr acht Jahren begonnene Debatte um deren Wiederaufbau ist noch immer nicht beendet. Die Stadtverwaltung favorisiert als Ersatz dafür schon seit längerem den Vorschlag eines Planungsbüros, eine neue Überführung in Verlängerung der Horst-Menzel-Straße bis zur Paul-Jäkel-Straße zu errichten. Das wiederholte Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses auf Anfrage von Stadtrat Christian Kempe (CDU), stieß damit aber auf Widerspruch.

Denn in dem Tagesordnungspunkt der Sitzung ging es eigentlich um eine Änderung im Flächennutzungsplan für das ehemalige Altendorfer Bahnhofsareal. An Stelle der früheren Bahnanlagen, die stillgelegt sind und gerade entwidmet werden, soll es dort künftig nur noch Wohnungsbau- und Grünflächen geben. Stadträte reagierten allerdings verwundert, dass nicht mehr wie in früheren Planungen ein Mischgebiet mit Wohn- und kleinen Gewerbeflächen entstehen soll. Die betreffenden Flächen seien von der Bahn bereits an einen Investor aus Leipzig verkauft worden, der darauf Wohnhäuser errichten will, antwortete Stadtplanungsamtsleiter Börries Butenop. Die städtische Wirtschaftsfördergesellschaft CWE habe keine Einwände dagegen gehabt.

Durch ein reines Wohngebiet sollte aber kein zusätzlicher Fahrzeugverkehr geleitet werden, reagierten Stadträte mehrerer Fraktionen auf diese Information und sprachen sich damit gegen eine neue Überführung in Verlängerung der Horst-Menzel-Straße aus. Denn die Brücke Erzbergerstraße war bis zu ihrer Sperrung eine der wichtigsten Straßenverbindungen zwischen dem Kaßberg und Altendorf, wo sich unter anderem das Krankenhaus an der Flemmingstraße mit der Zentralen Notaufnahme des Klinikums befindet.

"Von der Horst-Menzel-Straße würde der Verkehr direkt durchs Wohngebiet geführt", warnte Christian Kempe und erinnerte daran, dass außer vielen Pendlern auch Rettungswagen mit Sondersignal häufig diesen Weg fahren werden. Reiner Amme, der im Bauausschuss als sachkundiger Einwohner den Umweltverband BUND vertritt, hatte ein weiteres Argument gegen einen Neubau an der Horst-Menzel-Straße: Mit einer Ertüchtigung der Brücke Erzbergerstraße werde ein neuer Eingriff in die Natur vermieden. Auch Bernhard Herrmann (Grüne) forderte eine Fortsetzung der Diskussion über die künftige Straßenverbindung zwischen der Limbacher Straße und dem Flemminggebiet: Die neue Brücke dürfe kein Schnellschuss sein, nur weil es die einfachste Lösung ist, sagte er und plädierte für einen Vergleich mehrerer Varianten. Er und auch Dietmar Berger (Linke) sprachen sich zudem dafür aus, nochmals Möglichkeiten der Ansiedlung kleiner Gewerbebetriebe zu prüfen.

Tiefbauamtsleiter Gregorzyk sagte, die Brücke Erzbergerstraße sei zum Überqueren der Bahnstrecke gebaut worden und habe mit deren Stilllegung ihren Zweck verloren. Weitere Details sollen mit dem Bebauungsplan für das ehemalige Bahnhofsareal geklärt werden.

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3Kommentare
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    1
    Haecker
    12.10.2018

    @dwt: Dass das Gelände in Fremdbesitz ist, ist schon klar. Aber wenn die Stadt dann nichts mehr zu sagen hätte, könnte sie sich alle Planungen über "Bahnhofsareal Altendorf" und "Grünzug Pleißenbach" sparen. Ob es nur am Geld liegt, warum eine (provisorische) Wiederherstellung der alten Verbindung gar nicht in Betracht gezogen wird, weiß ich nicht.
    Auf dieser alten Verbindung gibt es ja eine Brücke über den Pleißbach (natürlich könnte diese keine 40-Tonner, wohl auch keine Busse aushalten). Ich habe aber noch nie gehört, dass die Stadt die Tragfähigkeit dieser Brücker überhaupt geprüft hat. Wenn die Tragfähigkeit dieser Brücke für Pkw und Krankenwagen gegeben sein sollte, werden die Kosten für die Wiederherstellung dieser Verbindung weit unter den Kosten für die Kaßbergauffahrt liegen.
    Natürlich müsste klar sein, wann eine neue Brücke zu welchen Kosten möglich wird (ich glaube kaum, in den nächsten 10 Jahren). Dann wird zu entscheiden sein, ob sich die Herstellung einer provisorischen Straßenverbindung lohnt.

  • 1
    0
    dwt
    12.10.2018

    @Haecker:

    Das Areal wurde von der Bahn verkauft.
    Es ist sozusagen nicht mehr im Besitz der DB. Wenn man im Rathaus wöllte, wäre eine neue Brücke kein Problem.
    Aber aus irgendwelchen gründen möchte man das scheinbar nicht.
    Der Grund wird wohl beim Geld liegen.
    Sicherlich ein siebenstelliger Betrag, wenn schon eine Sanierung, wie die der Kaßbergauffahrt über 5 Millionen verschlingt, wird es hier auch nicht günstig zu realisieren sein.

  • 1
    1
    Haecker
    12.10.2018

    Die Brücke Erzbergerstraße über die Bahngleise zur Ladestelle Chemnitz-Beyerstraße (und dabei auch über den Pleißbach) wurde 1904 fertiggestellt, und zwar als Ersatz für die zwei Jahre zuvor erfolgte Unterbrechung der alten Straßenverbindung von der Limbacher Straße, Höhe Kochstraße, zur Altendorfer Straße. Diese Unterbrechung war wegen des neuen Güterbahnhofs Altendorf notwendig geworden.
    Seit mehreren Jahren liegt der Vorschlag auf dem Tisch, diese alte Straßenverbindung (also von der Limbacher Straße/Kochstraße mit der vorhandenen Brücke über den Pleißbach zur ehemaligen nördlichen Ladestraße des Bahnhofs) zumindest für Pkw und Krankentransporte als Provisorium bis zum Bau einer für alle Fahrzeuge nutzbaren Brücke wiederherzustellen. Es erschließt sich mir nicht, warum die Stadtverwaltung zu diesem Vorschlag beharrlich schweigt. Der Baubürgermeister hatte auf einem Forum im Gemeindehaus St.Matthäus nur gesagt, dies sei Gelände der Bahn und die habe ihre eigenen Planungen. Nur: Das ganze Gelände gehört der Bahn. Die Stadt brauchte sich dann doch gar nicht mit dem Thema "Bahnhofsareal Altendorf" zu beschäftigen. Tut sie aber. Warum schweigt sie sich dann zum Thema einer provisorischen Wiederherstellung der alten Straßenverbindung aus?
    Machen wir uns nichts vor: Die vorgesehene Straßenverbindung von der Horst-Menzel-Straße/Borssenanger zur Paul-Jäkel-Straße wird in den nächsten 10 Jahren nicht kommen. Eine zwischenzeitliche Verbindung für einen Teil des Fahrzeugverkehrs erscheint sinnvoll. Wie ist eigentlich der bauliche Zustand der Brücken an der Beyerstraße und der Rudolf-Krahl-Straße? Wie lange halten diese 3 Brücken der hohen Belastung stand?
    Was die Brücke Erzbergerstraße anbelangt: Ein Problem sind natürlich die Rampen auf beiden Seiten, die tatsächlich nicht mehr benötigt werden. Deren Abtragung ist sicher recht aufwändig. Irgendwann wird aber wohl auch das notwendig sein.



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