Esche-Museum erinnert mit besonderem Gast an Erfinder

Der Name Malimo für ein Verfahren zur Textilproduktion war vielen DDR-Bürgern bekannt. Der Mann dahinter und seine Geschichte blieben jedoch teilweise der Öffentlichkeit verborgen.

Limbach-Oberfrohna.

Das Esche-Museum widmet derzeit dem berühmten Erfinder und Tüftler Heinrich Mauersberger eine Sonderausstellung. Vor 50 Jahren hat er das Nähwirkverfahren Malimo patentieren lassen. "Malimo war wie sein Kind", sagt Lisa Mauersberger, die Witwe des Erfinders. Sie lebt in Königs Wusterhausen und kommt am Donnerstag für ein Zeitzeugengespräch ins Esche-Museum. Darauf freut sich die Rentnerin sehr, wie sie sagt, denn so, wie in Limbach-Oberfrohna, werde ihr Mann nirgendwo sonst geschätzt, erklärt sie. "Die Limbach-Oberfrohnaer vergessen meinen Heinrich nie", so Lisa Mauersberger.

Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 1974. Lisa Mauersberger war damals als Kulturreferentin in Berlin tätig, Heinrich Mauersberger lebte in Bestensee und war beim Kulturbund. Der Altersunterschied zwischen ihnen betrug 28 Jahre.

Lisa Mauersberger war geschieden und hatte zwei Kinder - aber der Wissenschaftler sei sofort von ihr begeistert gewesen. "Er hat mir den Hof gemacht, mit allem was dazugehört", erinnert sich seine Witwe. Und da eines seiner vielen Talente seine gute Rhetorik gewesen sei, habe der damals 65-Jährige seine Zukünftige schnell rumgekriegt. "Er hat geredet wie ein Wasserfall. Aber mir hat das gefallen", erzählt die Berlinerin. Dabei wusste sie erst gar nichts um seine Verdienste im Bereich der Textiltechnik. Eines Tages habe er sie dann in sein Gartenhaus eingeladen. Dort hingen überall Waren und Schilder mit der Aufschrift Malimo. "Als ich ihn danach fragte, sagte er: ,Ich bin Malimo'."

1976 heirateten die beiden und die sechs Jahre Ehe mit Heinrich Mauersberger beschreibt seine Frau als eine wunderschöne Zeit. Sie habe einen temperamentvollen, äußerst humorvollen und charmanten Ehemann gehabt, so Lisa Mauersberger. Er sei stets in Aktion gewesen, habe nicht ohne Beschäftigung sein können. "Bei ihm musste immer alles flott gehen. So hat er zum Beispiel beim Schreiben auf die Großschreibung verzichtet, damit es schneller geht", berichtet die 82-Jährige. Grundsätzlich sei er in seinem Leben immer sehr planvoll vorgegangen und hätte niemals etwas unvorbereitet getan. Natürlich habe in ihrer Beziehung auch Malimo eine große Rolle gespielt. "Heinrich sagte immer, ohne Elsbeth und ohne Limbach hätte es Malimo nie gegeben", so seine Witwe. Seine erste Frau Elsbeth Mauersberger habe entscheidenden Anteil an der Erfindung gehabt, die Stadt Limbach-Oberfrohna schließlich an der Umsetzung der Idee in die Praxis. Der damalige Bürgermeister Rudi Schreckenbach habe an ihn geglaubt, ihm einen Fabrikraum und 5000 Mark Startgeld zur Verfügung gestellt. So konnte es losgehen.

Dass zu Lebzeiten jedes Jahr zu seinem Geburtstag jemand aus der sächsischen Kleinstadt nach Bestensee kam und dem Erfinder persönlich gratulierte, sei für Heinrich Mauersberger ein wunderbares Gefühl gewesen. "Er war selbst ein sehr gütiger und liebevoller Mensch und fühlte sich durch die Limbacher geehrt", sagt Lisa Mauersberger. Sie weiß aber auch von den Schattenseiten von Malimo. "Am Ende war es wie ein Krieg für ihn, nur ohne Kanonen", sagt sie. Zwar erhielt Mauersberger 1954 den Nationalpreis für Wissenschaft und Technik, 1963 den Ehrentitel "Held der Arbeit", doch weil er nicht in die SED eintreten wollte, wurde ihm die Mitgliedschaft in der "Kammer der Technik" gekündigt, ein Redeverbot auf Fachkonferenzen erteilt. Für den begeisterten Redner eine Katastrophe, wie seine Frau sagt. Nachdem er für drei Monate in die Psychiatrie nach Waldheim gebracht wurde, verlor er seinen Posten als Malimo-Institutsleiter. "Ich hatte das Gefühl, die DDR wollte ihn auslöschen", sagt Lisa Mauersberger. In persönlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit habe ihr Mann einmal geschrieben: "Man muss als Erfinder eine Elefantenhaut haben. Und die ist noch zu dünn."

Bei ihrem Besuch am Donnerstag im Esche-Museum bringt Lisa Mauersberger ein paar Originaldokumente von Heinrich Mauersberger mit, zum Beispiel den Antrag für das erste Malimo-Patent sowie eine Rede über Malimo, die der Erfinder selbst geschrieben hat.

Das Zeitzeugengespräch beginnt am 19. September um 19 Uhr im Saal des Esche-Museums, Sachsenstraße 3, Limbach-Oberfrohna. Neben Lisa Mauersberger wird auch Peter Zeisberg auf die technische Entwicklung, die Visionen und die Hürden der neuen Technologie sowie auf persönliche Begegnungen mit dem Erfinder zurückblicken.

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