Höherer Lohn: Was bei Bauleuten im Erzgebirge ankommt

Die Branche boomt, die Auftragsbücher sind voll. Vom jüngsten Tarif- abschluss im Baugewerbe profitieren allerdings längst nicht alle.

Zschopau.

Rückwirkend zum Mai hat es für Bauarbeiter eine Lohnerhöhung von 6,6 Prozent gegeben, das sind für gelernte Maurer oder Straßenbauer 209 Euro mehr im Monat. Der Stundenlohn ist auf 19,35 Euro gestiegen. Laut einer Pressemitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ein Lohn-Plus für 4320 Bauarbeiter im Erzgebirgskreis. Allerdings können sich darüber nur Beschäftigte freuen, deren Arbeitgeber tarifgebunden Lohn zahlen.

Viele kleinere Unternehmen halten den neuen Tarif-Stundensatz für nicht umsetzbar. "19,35 Euro pro Stunde - das will ich mal sehen, wer das im Erzgebirge zahlen kann", sagt beispielsweise Christian Guist von der gleichnamigen Firma in Thermalbad Wiesenbad. Der Chef zahlt seinen 15 Beschäftigten einen Durchschnittslohn von 13 Euro. Lohnerhöhungen gebe es jedes Jahr. Guist findet es nicht gut, dass alle so tun, als ob der Goldrausch in der Bauwirtschaft ausgebrochen wäre. "Wir haben gut zu tun, aber auch nicht mehr als vorher." Von einer Schwarzenberger Firma mit 40 Mitarbeitern heißt es: "Würden wir das zahlen, wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig."

Laut Statistischem Landesamt hat es im Erzgebirgskreis im Bauhauptgewerbe bezogen auf den Zeitraum Januar bis Mai 2018 ein Auftragsplus von 20,4 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 gegeben. Der Gesamtumsatz der Betriebe stieg um 3,7 Prozent. Zum Teil kommt das bei den Arbeitern schon an: Die Auswertung der Löhne von Januar bis Mai zeigt auch im Erzgebirge eine Erhöhung um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Statistik erfasst aber nur Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern. Das sind im Erzgebirgskreis 71 Firmen mit 3007 Beschäftigten.

Zu den größten Baufirmen der Region gehören die Chemnitzer Verkehrsbau Gesellschaft mit Niederlassungen in Chemnitz und Annaberg und die Phönix Bau Gesellschaft in Aue mit jeweils um die 100 Beschäftigten. Von beiden gab es keine Auskünfte, was deren Arbeiter an Stundenlohn erhalten. Bei Phönix waren die Chefs krank beziehungsweise im Urlaub, bei der Chemnitzer Verkehrsbau Gesellschaft vermittelte die kaufmännische Leiterin Silke Viertel die Auskunft, dass die Geschäftsleitung sich dazu nicht äußern möchte. "Die Baubetriebe können sich vor Aufträgen nicht retten, das muss endlich an die Beschäftigten zurückgegeben werden", sagt Mirko Hawighorst, Regionalleiter der IG Bau.

"Was die IG Bau möchte, ist löblich und schön, es muss aber realisierbar sein", sagt Uwe Röckert vom gleichnamigen Baubetrieb mit Sitz in Bad Schlema. Mindestkriterien lege der Bundesrahmentarifvertrag fest, an dem sich der Unternehmer orientiert. "Jeder Baubetrieb, der etwas auf sich hält, kratzt nicht am Mindestlohn", so der Firmenchef. Ob man seine Leute halten könne, darüber entscheide seiner Ansicht nach nicht nur der gezahlte Stundenlohn. Gutes Betriebsklima oder betriebliche Altersvorsorge sind für ihn ebenso wichtig. Röckert erinnert an jene Zeit, als die Preise in der Branche auf sehr niedrigem Niveau lagen. Viele Unternehmen hätten Investitionen in neue Technik vor sich hergeschoben. Bei einer jetzt besseren Auftragslage müssten auch diese verwirklicht werden.

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