Im Landtag sitzen künftig weniger Vertreter der Region

Neben den vier Wahlkreisgewinnern der CDU schafft nur ein Grüner den Sprung nach Dresden über die Landesliste. Dagegen scheiden mehrere Politiker aus dem Parlament aus.

Region Chemnitz.

Die Kommunen des Chemnitzer Umlandes werden künftig mit fünf Abgeordneten im Dresdner Landtag vertreten sein: Zu den vier Wahlkreisgewinnern der CDU - Jan Hippold, Rico Anton, Iris Firmenich und Thomas Schmidt - gesellt sich der Bündnisgrüne Wolfram Günther, der über die Landesliste einzieht. Der Spitzenkandidat seiner Partei könnte sogar zu einem der Kandidaten für ein Ministeramt avancieren, falls die sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen zustande kommt. Andere Bewerber aus der Region waren auf den Landeslisten ihrer Parteien zu schlecht platziert und verfehlten deswegen den Einzug.

Damit ist die Region deutlich schwächer in Dresden repräsentiert als bislang: Nach der Wahl 2014 waren neun Politiker in den Landtag eingezogen. Diese Zahl hatte sich im Laufe der Legislaturperiode auf acht reduziert: Der frühere Mittweidaer Falk Neubert (Die Linke), der im Lichtenauer Wahlkreis kandidiert hatte, gab sein Mandat im Sommer 2017 zurück, weil er eine Tätigkeit im Thüringer Sozialministerium antrat. Nachrückerin Antje Feiks wohnt nicht im Chemnitzer Umland, sondern in Dresden.

Ein weiterer Vertreter der Linken scheidet nun aus dem Landtag aus: Klaus Tischendorf. Der Baufacharbeiter hatte 2014 das Direktmandat im Wahlkreis Neukirchen/Stollberg zwar verpasst, aber über die Landesliste den Sprung nach Dresden geschafft. Jetzt trat Tischendorf nach 20-jähriger Tätigkeit als Abgeordneter nicht noch einmal an. Der 57-Jährige würde ohnehin nicht mehr die Chemnitzer Region repräsentieren: Der bisherige Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses im Landtag war im vergangenen Jahr aus privaten Gründen von Lugau nach Dresden umgezogen.

Wenig überraschend kommt auch das Landespolitik-Aus für Iris Raether-Lordieck (SPD). Ihre Partei hätte ein außergewöhnlich gutes Ergebnis erzielen müssen, damit die Limbach-Oberfrohnaerin nach 2014 erneut über die Landesliste hätte einziehen können. Es kam bekanntlich anders: "Enttäuschend, was unser Ergebnis bei den Zweitstimmen angeht. Aber nach den letzten Umfragen kam das ja nicht mehr überraschend", sagte die 58-Jährige am Montag. Sie habe nicht damit gerechnet, ihren Sitz im Landtag verteidigen zu können. Die Fachfrau für textile Verfahrenstechnik will ihr Ingenieurbüro wiederbeleben, das während ihrer Abgeordnetentätigkeit ruhte. Sie habe schon erste Kontakte geknüpft, sagte Raether-Lordieck. Ganz aus der Politik verabschiedet sie sich nicht: Im Mai ist sie erneut in den Limbach-Oberfrohnaer Stadtrat gewählt worden.

Ob sich Andrea Kersten weiterhin in der Politik engagiert, hat sie noch nicht entschieden. Die Lichtenauerin hatte 2014 über die Liste der AfD den Sprung nach Dresden geschafft, sich dann aber Frauke Petrys Blauer Partei angeschlossen. Die neue Gruppierung scheiterte jetzt mit 0,4Prozent deutlich. Ihre Bewerbung als Direktkandidatin hatte Kersten zurückgezogen, weil ihrer neuen Partei für einen lohnenswerten Wahlkampf finanzielle und personelle Ressourcen fehlten, wie die 53-Jährige sagt. "Ich bin traurig, dass es nicht weitergeht. Ich bin aber nicht davon ausgegangen, dass wir es noch schaffen." Nun müsse man beraten, wie die Zukunft der Blauen Partei aussieht. Beruflich will sich Kersten wieder ihrer selbstständigen Tätigkeit als Immobilienbewerterin widmen, die seit 2014 weitgehend ruhte.

Ist es ein Nachteil für die Region Chemnitz, wenn künftig weniger heimische Abgeordnete in Dresden ihren Einfluss geltend machen können? Jan Hippold sieht das nicht so. "Wichtig ist, dass der direkt gewählte Abgeordnete als Ansprechpartner da ist", sagt der Gewinner im Wahlkreis Limbach-Oberfrohna/Hohenstein-Ernstthal. So habe jeder Bürger die Gelegenheit, seine Sorgen und Wünsche loszuwerden. Die neue Situation sei das Ergebnis einer demokratischen Wahl und daher zu akzeptieren, konstatiert der CDU-Politiker. (mit erki)

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

Bildstrecke: Das sind die Mitglieder des neuen Landtags


Wo die Parteien im Chemnitzer Umland punkten können - und wo nicht

CDU: Am stärksten schneidet die CDU in Niederfrohna ab. Besonders das Erststimmenergebnis ist bemerkenswert: Jan Hippold erhält 46,1 Prozent, obwohl sein schärfster Konkurrent Stefan Frünke (AfD) in Niederfrohna zu Hause ist. Dieser schneidet in seinem Heimatort aber kaum besser ab als in den anderen Kommunen seines Wahlkreises. Am schwächsten ist die CDU in Mühlau, wo ihr Kandidat Thomas Schmidt - immerhin Minister - lediglich 25 Prozent erhält.

AfD: In nur einer Kommune im Chemnitzer Umland kann die AfD die CDU schlagen: In Mühlau liegt Christian Wesemann mit 31,2 Prozent vorn. Bei den Zweitstimmen ergibt sich allerdings ein anderes Bild: Dort belegt die CDU knapp den Spitzenplatz. Auch in Taura bietet die AfD der CDU Paroli und erhält bei den Zweitstimmen nur etwa drei Prozentpunkte weniger. Das schwächste Zweitstimmenergebnis fährt die AfD in Limbach-Oberfrohna mit 25 Prozent ein.

Linke: Dem Landestrend entsprechend, schneidet Die Linke überall schwach ab. In allen Kommunen des Chemnitzer Umlandes bleibt sie bei den Zweitstimmen einstellig. Bei den Erststimmen gelingt lediglich in Burkhardtsdorf und Limbach-Oberfrohna der Sprung über die Zehn-Prozent-Marke - und auch das jeweils nur knapp.

SPD: Einen noch herberen Dämpfer erfährt die SPD, die in der Region etwa sieben Prozent der Stimmen erzielt. Am schwächsten ist sie in Burkhardtsdorf, wo sich Direktkandidatin Susanne Ebert mit 5,9 Prozent zufriedengeben muss. Einen Lichtblick für die Sozialdemokraten stellt Steve Sarfert in Mühlau dar: Der 23-Jährige erhält 26,9 Prozent der Erststimmen und schiebt sich damit auf Platz zwei, noch vor CDU-Kandidat Schmidt. Auch bei den Zweitstimmen erreicht die SPD in Mühlau mit 11,8 Prozent ihr bestes Ergebnis.

Bündnisgrüne: Die Grünen scheitern in drei der vier Wahlkreisen an der Fünf-Prozent-Hürde. Nennenswerte Ausreißer nach oben gibt es nicht. In Mühlau erhält Wolfram Günther, immerhin Spitzenkandidat seiner Partei, nur 1,8 Prozent der Erststimmen.

FDP: Bei der FDP ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei den Grünen. Direktkandidat Miro Becker muss in Taura mit 1,8 Prozent zufrieden sein.

Freie Wähler: Die Freien Wähler sind dort stark, wo sie in Stadt- und Gemeinderäten und im Rathaus prominent vertreten sind: in Claußnitz, Limbach-Oberfrohna und Burgstädt. (jop)


Warum die Wahlbeteiligungso unterschiedlich ist

Mit 50,8 Prozent Wahlbeteiligung schneidet die Gemeinde Taura im Vergleich zu anderen Orten der Chemnitzer Region schlecht ab. Auch in Mühlau liegt sie mit 55,6 Prozent vergleichsweise gering. Burgstädt hat 70,7 Prozent. Eine Ursache könnte sein, so die Gemeindewahlleitung, dass die Briefwähler aus Taura und Mühlau auf das Ergebnis in Burgstädt angerechnet werden. Das trifft auch für Niederfrohnaer Briefwähler zu, die zu Limbach-Oberfrohna gehören.

Das Spitzenergebnis von 75,6 Prozent in Claußnitz ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass in der Kommune zeitgleich ein neuer Bürgermeister gewählt wurde. (bj)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Zeitungss
    17.09.2019

    @cn3b...: Es ist leider so. Man nennt es gelegentlich auch Fraktionszwang, welcher die gewählten Vertreter der einzelnen Regionen zur vorgegebenen Einheitsmeinung zwingt, sonst wird's mit dem nächsten Listenplatz eng. Nach Einführung der Demokratie im Osten, sollte es der Wähler inzwischen begriffen haben.
    Ihre Meinung dazu ist erstrebenswert, wird aber auf keinen Fall so kommen.

  • 3
    1
    cn3boj00
    16.09.2019

    Ich glaube, die Anzahl der Vertreter spielt sowie so keine Rolle. Auf Grund von meist vorherrschenden Fraktionsvorgaben sind doch die Abgeordneten der Parteien eh gleichgeschaltet, egal woher sie kommen. Wichtiger ist, welches Gewicht eine Einzelstimme bei den jeweiligen Gremien erreichen kann.



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