Investor will in Burgstädt neue Wohnanlage errichten

Am Stadion sollen auf knapp einem Hektar Ein- und Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Anwohner haben konkrete Erwartungen - und auch Skepsis.

Burgstädt.

Idylle pur: Die Herbstfärbung der Laubbäume in der Gartenanlage Burgstädt-Mitte ist beeindruckend. Das Sommerwetter hat noch viele Gartenbesitzer ins Freie gelockt. Vor dem Winter sind die Gärten und Lauben winterfest zu machen. Doch eine Fläche an der Straße Am Stadion ist verwaist. Dort wuchern Unkraut und Gras. Im Frühjahr 2018 war 34 Laubenbesitzern gekündigt worden, weil der Eigentümer des etwa ein Hektar großen Geländes - etwa so groß wie ein Fußballfeld - dort mit einem Bauträger Häuser errichten will.

Der Investor: Doch bisher ist dort nichts geschehen. Das soll sich jetzt ändern. Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung den Weg frei für Planungen gemacht. Um Baurecht für das brachliegende Gelände gegenüber von Sportplatz mit Gaststätte und Wohnhäusern zu schaffen, muss ein sogenannter vorhabensbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Bürgermeister Lars Naumann (FWB) sagte, dass der Investor aber keine Eigenheimsiedlung im klassischen Sinne plane, sondern Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen, Reihen- und Einfamilienhäuser. Die Stadträte haben ohne Diskussion dem Vorhaben zugestimmt.

Die KPM-Bau-Gesellschaft aus Limbach-Oberfrohna plant den Bau der Wohnanlage. "Wir prüfen zurzeit die Erschließung und die Bebaubarkeit des Geländes", sagt Juniorchef Tino Kermer. Details zu Kosten, Zeitplan und Bebauung könne er frühestens Anfang nächsten Jahres sagen. Doch auf der Internetseite des Unternehmens ist das Vorhaben bereits aufgelistet. Auf einer Animation ist zu erkennen, dass gegenüber der Sportstadion-Gaststätte zwei Mehrfamilienhäuser errichtet werden sollen. Daran schließen sich Reihen-, Ein- und Zweifamilienhäuser an.

Der Stadtrat: In den Planungsunterlagen ist nachzulesen, dass zwei unterschiedliche Baubereiche auf einer Fläche von 8750 Quadratmetern vorgesehen sind. Die beiden Mehrfamilienhäuser sollen freistehend sein, also mit genügend Abstand zum Nachbarhaus und von allen Seiten einsehbar, so die Beschreibung zu sogenannten Solitärbauten. Drei Vollgeschosse sind geplant. Darauf soll jeweils ein Penthouse in Form eines Staffelgeschosses errichtet werden, heißt es weiter. Im zentralen und östlichen Bereich - also gegenüber der Einmündung in den Rosenweg und die Max-Schumann-Straße - sind ein bis zwei längenvariable Reihenhäuser mit Mehretagenwohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser in Form von Doppelhäusern geplant.

Außerdem soll im Plangebiet von knapp 12.000 Quadratmetern ein Regenrückhaltebecken errichtet werden. Eine acht Meter breite Erschließungsstraße ist gegenüber der Max-Schumann-Straße geplant. Zudem wird im Planwerk zugesichert, dass der Weg zur Gartenanlage erhalten bleibt.

Die Pläne des Investors stoßen in Burgstädt auf unterschiedliche Resonanz. Markus Kolbe, der für die Freien Wähler im Stadtrat sitzt und Fußball-Jugendleiter beim TV Vater Jahn ist, der das gegenüberliegende Stadion betreibt, begrüßt die Baupläne. "Wir brauchen Wohnraum und Platz für Neubauten", fügt er hinzu. Damit solle Zuzug ermöglicht werden. Auch der Großteil der Stadträte befürwortet das Projekt. Deshalb gab das Gremium den Planungen seine Zustimmung. Nur der Fraktionschef der Freien Wähler Christian Flechsig äußerte Bedenken, weil das Landratsamt nicht mitspielen könnte. Denn bisher verfügt die Stadt durch einen Bebauungsplan am Gückelsberg über genügend ausgewiesene Wohnbauflächen. Doch der Stadtrat will das ändern. Ein entsprechender Beschluss und das Verfahren dazu ist noch im Landratsamt anhängig.

Die Kleingärtner: Kai Rieger, Chef der angrenzenden Gartenanlage Burgstädt-Mitte, erhofft sich vom Bauvorhaben mehr Vor- als Nachteile. Etwa 15 der 107 Kleingärten ständen leer, außerdem liege das Durchschnittsalter der Pächter bei 60 Jahren, sagt er. Deshalb verspreche er sich von den neuen Mietern mögliche Interessenten für Kleingärten. Wichtig sei, dass der Zufahrtsweg erhalten bleibe, fügt er hinzu. Auch wünsche er sich einen schnellen Baubeginn, damit die Brachfläche nicht weiter zuwachse und so nicht einladend wirke. Außerdem glaubt Rieger, dass von den neuen Bewohnern auch die Stadiongaststätte profitieren könnte, die dann vielleicht mehr Besucher erhalte. Die Betreiberin äußerte sich auf Nachfrage aber nicht dazu. Hingegen sieht Gartenpächter René Irmscher die Bebauung für sinnvoll. Wichtig sei, dass alle rechtlichen Fragen, wie Zufahrt und Leitungsrecht für alle Versorger zum Vereinsgelände, geklärt seien.

Die Anwohner: Befragte Bewohner angrenzender Einfamilienhäuser haben größtenteils von den Bauplänen gehört. "Wir wissen aber nicht konkret, wie die Wohnanlage aussehen soll", sagt eine Rentnerin. "Wenn es Einfamilienhäuser wie unsere werden, ist das in Ordnung", sagt Helmut Janowsky. Der 83-Jährige wohnt mit seiner Frau seit 45 Jahren in der Max-Schumann-Straße. Wenn aber mehrgeschossige Häuser vor die Nase gesetzt würden, habe er schon ein Problem. "Dann liegen wir im Schatten, denn dort ist unsere Sonnenseite", ergänzt er.

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