Keine Versetzung: Lehrerin sieht nur Kündigung als Ausweg

Aus familiären Gründen bemüht sich eine Pädagogin seit Jahren um einen Wechsel nach Leipzig - vergeblich. Nun geht sie den staatlichen Schulen wohl ganz verloren.

Neueinstellungen, Beamtenstatus, mehr Geld: Im Freistaat Sachsen wird derzeit so einiges diskutiert und geplant, um den akuten Lehrermangel an den Schulen in den Griff zu bekommen. Sogar im Ausland wurde bereits um Verstärkung geworben. Beim Bemühen, die eigenen Lehrer zu halten, scheint es indes durchaus noch Reserven zu geben.

Dies zumindest ist der Eindruck bei vielen Kollegen von Beatrix Keuerleber, einer Grundschullehrerin aus Chemnitz mit drei Jahrzehnten Berufserfahrung. Die 50-jährige Chemnitzerin unterrichtet seit vielen Jahren an der Makarenkoschule im Yorckgebiet, war dort zeitweilig sogar als stellvertretende Schulleiterin tätig. Im abgelaufenen Schuljahr fungierte sie als Klassenleiterin einer dritten Klasse und als Beratungslehrerin der Schule.

Das Problem: Ihr Mann wurde bereits vor einigen Jahren von seinem Arbeitgeber nach Leipzig versetzt. Beatrix Keuerleber entschied sich, mit ihm nach Leipzig zu ziehen und täglich mit dem Zug nach Chemnitz zu pendeln. Zumindest so lange, bis man eines Tages ihrem Versetzungsantrag zustimmen würde. Schließlich werden Lehrer überall in Sachsen gebraucht, so ihre Überlegung.

Doch Beatrix Keuerleber hatte die Rechnung ohne ihren Arbeitgeber gemacht. Obwohl sie nach eigenen Angaben seit fünf Jahren jährlich einen entsprechenden Versetzungsantrag gestellt hat, erhielt sie von der Bildungsagentur, dem heutigen Landesamt für Schule und Bildung, immer wieder aufs Neue Absagen. Begründung: der Lehrermangel in der Stadt Chemnitz und ihrer Umgebung. Auch eine Bewerbung auf einen Schulleiterposten an einer Grundschule in der Nähe von Leipzig ist ohne Erfolg geblieben. "Es hieß, ich sei nicht geeignet", schildert die Pädagogin.

Vor einigen Monaten dann ein letzter Anlauf: Ein Versetzungsersuchen mit drei Seiten Begründung und mit Verweis auf die Folgen der täglichen Pendelei - für die eigene Gesundheit, für die Familie. Ein Einlenken aber - Fehlanzeige. "Ich vermute, das Landesamt will keinen Präzedenzfall schaffen, auf den sich dann andere wechselwillige Kollegen berufen könnten", sagt Beatrix Keuerleber. Und die gebe es durchaus. "Einige haben bereits gekündigt, weil sie sich nicht anders zu helfen wussten."

Diesen Weg wird nun auch Beatrix Keuerleber beschreiten. Nachdem ihrer Bitte um einen Aufhebungsvertrag zum Ende des Schuljahres nicht entsprochen worden sei, habe sie ihre Kündigung zum 31. Dezember dieses Jahres eingereicht. Daraufhin sei ihr, nach mehreren vergeblichen Versuchen zuvor, ein Gespräch gewährt worden - ergebnislos. "Dass man nach 30Jahren im Schuldienst einfach so ziehen gelassen wird, das hat mich schon sehr mitgenommen", so Keuerleber. Viele ihrer Kollegen sehen das ähnlich. "Das tut einem menschlich wirklich leid", heißt es aus dem Lehrerzimmer.

Das Landesamt für Schule und Bildung in Chemnitz mag zu diesem Fall keine Stellung nehmen. Schon aus Gründen des Datenschutzes verbiete es sich der Behörde, sich zu einzelnen Personalangelegenheiten zu äußern, wirbt ein Sprecher um Verständnis.

Wie es mit ihr beruflich weitergehen wird, weiß Beatrix Keuerleber derzeit noch nicht. Noch nicht einmal, ob sie nach den Ferien weiterhin an der Makarenkoschule tätig sein wird, wo neben ihrem noch mehrere altersbedingte Abgänge zu kompensieren sind, oder an einer anderen Einrichtung. Immerhin, der private Träger einer freien Schule in der Nähe von Leipzig soll bereits Interesse bekundet haben, sie einzustellen. Erste Gespräche stimmten sie recht positiv, sagt die 50-Jährige. "Die Arbeit eines Lehrers wird dort spürbar wertgeschätzt", schildert sie ihre ersten Eindrücke. Und die Einbußen beim Einkommen gegenüber ihrer aktuellen Tätigkeit im staatlichen Schuldienst? Die wären für sie verschmerzbar, so Keuerleber. "Es fallen ja zugleich die Kosten für die täglichen Zugfahrten zwischen Leipzig und Chemnitz weg", begründet sie. Und das in Aussicht stehende Mehr an Zeit für die Familie sei ohnehin nicht aufzuwiegen. Zumal jetzt, da ihr erstes Enkelkind unterwegs ist.

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1Kommentare
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  • 10
    0
    Pixelghost
    11.07.2018

    Das Landesamt für Schule und Bildung kann sich ja jetzt zu dieser Sache öffentlich äußern, denn die Betroffene Lehrerin ist – im Rahmen ihrer informationellen Selbstbestimmung - mit der Sache in die Öffentlichkeit gegangen. Damit ist die Ausrede mit dem Datenschutz hinfällig.



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