Künstler setzen Säge im Chemnitztal an

Sechs Holzbildhauer fertigen innerhalb einer Woche Skulpturen in einer Freiluftgalerie - für einen ganz bestimmten Zweck.

Auerswalde.

Ein schweißtreibender, schöpferischer Schaffensprozess bestimmt die Szenerie im Chemnitztal: Sechs Künstler sind dabei, Segmente von Kastanie, Esche und Pappel eindrucksvoll in Form zu bringen. Neben der Hängebrücke des Radweges in Auerswalde haben die Akteure ihr Lager für die Neuauflage des Holzbildhauerpleinairs "Unten am Fluss" errichtet.

Im Berufsleben als Produktdesigner, Tischler, Bildhauer aber auch Kunstmaler tätig, greifen die Teilnehmer zu nichtalltäglichen Gestaltungswerkzeugen. Bis zum Pfingstsonntag wird jeder Teilnehmer eine größere und eine kleinteilige Arbeit aus Holz schaffen. Dabei hat gegenüber der Premierenveranstaltung 2018, in der das Motto "Alles fließt" hieß, der Organisator, die Dorfgalerie Auerswalde, kein zentrales Thema vorgegeben.


"Klar habe ich mir vorab einen Kopf gemacht und Skizzen gefertigt", sagt Helge Meerheim. Das Vorstandsmitglied der Dorfgalerie zählt zu den geschickt mit den verschiedenen Kettensägen agierenden Künstlern. "Indes bestimmt das Material den Gestaltungsprozess, der uns sowohl körperlich als auch geistig fordert. Es ist ein fließender Prozess." Meerheim gehört zu den Künstlern, die das Treffen im Vorsommer aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Galerie mit aus der Taufe gehoben hatten. Angetan von der einzigartigen Atmosphäre zeigt sich auch Johannes Heuer, der ebenfalls ein Heimspiel erlebt. "Dieses Open Air mach Laune. Wo findet man solche Bedingungen, zwischen Fels- und Flusslandschaft in einer anregenden Künstlergemeinschaft aktiv zu sein", so das Gründungsmitglied der Dorfgalerie. "Am Standort kommt viel Anregendes zusammen, er ist wie ein Schmelztiegel für unser Tun, welches dem Naturmaterial wahrlich abgerungen werden muss. Die Bäume haben Charakter."

Dem Ruf ans Flussufer folgt auch Robert Frenzel. "Ich bin auf der anderen Seite des Gewässers aufgewachsen, die Landschaft bei Köthensdorf war mein Kindheitsrevier", so der heute in Dresden agierende Theaterplastiker. "Das reizvolle dieses Symposiums ist für mich, dass man seinen Gedanken sehr gut seinen freien Lauf lassen kann. Für mich ist die Teilnahme etwas zwischen Arbeiten und Urlaub. Sie bedeutet in jedem Fall: raus aus dem Alltagstrott." Klar, ein gewisser Druck bleibe, schließlich solle etwas Brauchbares entstehen. Neben Elektro- und Benzinsäge fanden in seiner Reisekiste genauso Kopfhörer und eine Packung Ohrstöpsel Platz, wie diverse Motor- und Handschleifer.

Auch Ronald Münch wechselt derzeit das Atelier mit der Freiluftfläche. Der Chemnitzer Maler und Grafiker zeigt sich zum zweiten Mal für das Bildhauerprojekt konditionsstark. "Da ist schon eine Portion Kraft gefragt, die Säge zielgerichtet im Holz zu führen. Was ab ist, ist ab, nicht mehr reparabel. Das Material will beherrscht sein, wobei wir Künstler ja den von der Natur ohnehin schön geschaffenen Werkstoff mit unserem Wirken allenfalls eine besondere Note geben. Der Baum gibt eigentlich vor, wie wir unser Werkzeug führen sollten."

Bei einem Aktionstag am Pfingstsonntag ab 10 Uhr werden Ergebnisse der Künstler gezeigt. Ein Teil der Arbeiten wird versteigert. Mit dem Erlös soll die Tätigkeit der Dorfgalerie finanziell abgesichert werden. Die Gastgeber bitten Besucher, mit dem Fahrrad zu kommen, weil Parkplätze knapp sind.

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