Lichtenau erwägt Installation von stationären Tempomessgeräten

Etwa jeder fünfte Autofahrer fährt in den Ortsteilen zu schnell. Das hat eine Kontrolle ergeben. Jetzt könnten Konsequenzen folgen.

Lichtenau.

Wer kennt sie nicht, die Tempomessgeräte mit dem lachenden oder weinenden Smiley - je nachdem, ob der Autofahrer das vorgeschriebene Tempo einhält oder nicht. "Die Gemeinde Lichtenau hat damit gute Erfahrungen gemacht", sagte Bürgermeister Andreas Graf (CDU) zur jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Autofahrer würden diszipliniert, ohne dass sie mit Verwarn- oder Bußgeld zur Kasse gebeten werden. Seit 2017 habe die Gemeinde sieben Geschwindigkeitsanzeigen im Wert von je etwa 1740 bis 2500 Euro angeschafft.

Fünf Messgeräte stehen zurzeit auf den Strecken Oberlichtenau- Niederlichtenau, Merzdorf-Biensdorf Chemnitzer Landstraße-Glösa. Zudem gibt es zwei in Ottendorf. Die Auswertung von Ergebnissen einzelner Wochen zwischen Februar und April liegt jetzt vor. Graf sagte, dass etwa 20 Prozent der Autofahrer, also jeder Fünfte, die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht einhält. Da sei zu beobachten, dass bei Ortseingängen, wo Tempo 50 gilt, die Geschwindigkeit noch zu hoch ist. So sei beispielsweise bei Kontrollen vom 5. bis 26. Februar auf der Martinstraße im Ortsteil Merzdorf nahe der Firma Dachbinder jeder Dritte der 3633 Autofahrer schneller als 50Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen. Einer wurde sogar mit Tempo 110 gemessen. Da der Abschnitt von Kindern als Schulweg genutzt werde, sei dies eine kritische Stelle. Es werde jetzt analysiert, zu welchen Uhrzeiten das Verkehrsaufkommen besonders groß ist und wann zu schnell gefahren wird.


Aufgrund der Daten werde dann geprüft, ob an bestimmten Stellen die mobilen Geschwindigkeitsanzeigen einen festen Platz erhalten. Auch werde gemeinsam mit der Polizei und dem Landratsamt überlegt, ob mobile Blitzgeräte zum Einsatz kommen sollen. Nur diese Behörden können den fließenden Verkehr kontrollieren und Buß- sowie Verwarngelder verhängen. Auch werde überlegt, ob die Gemeinde bei Bedarf weitere Display-Anzeigen anschafft. So hatte beispielsweise zur jüngsten Ratssitzung ein Bewohner an der Auerswalder Hauptstraße gefordert, dass etwa in Höhe der Hausnummer 50 eine Smiley-Tafel aufgestellt wird. "Seitdem die Ortsdurchfahrt saniert ist, wird Gas gegeben - vor allem von Motorradfahrern", sagte er. Graf sicherte zu, diesen Wunsch mit aufzunehmen.

Die freundliche Art der Verkehrsberuhigung ist gängige Praxis in den Orten, sagt ein Sprecher des Landratsamtes. Die Tafel habe Signalwirkung, bestätigen auch Experten. Die Autofahrer werden auf ihre gefahrene Geschwindigkeit hingewiesen, indem diese als Zahlenwert angezeigt wird. Autofahrer, die sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, bekommen ein lachendes Gesicht zu sehen. Temposündern hingegen werden in ein trauriges, finsteres Gesicht blicken.

Autofahrern soll mithilfe der Geschwindigkeitsanzeigetafel die Möglichkeit gegeben werden, ihr eigenes Fahrverhalten zu überprüfen, sagt auch Werner Hoffmann von der Verkehrswacht Mittweida. Es zeige, dass die Wahrnehmung der eigenen Geschwindigkeit ein subjektives Gefühl ist, das oft trügerisch sein könne. Insbesondere an Kindertagesstätten, Schulen und Alteneinrichtungen stelle die überhöhte Geschwindigkeit ein enormes Gefahrenpotenzial dar.

"Die Verkehrssicherheit lässt sich auch präventiv durch ein Smiley steigern", sagt Hoffmann. Allerdings werde es nicht alle Verkehrsteilnehmer dazu bewegen, ordentlich zu fahren, ergänzt er. Dabei hält er sowohl Blitzer als auch Smiley-Displays für geeignete Mittel für die Verkehrsberuhigung. Der Burgstädter findet in seiner Heimatstadt stationäre Blitzer und auch Smiley-Geschwindigkeitsanzeigen vor. "Aber wenn es an den Geldbeutel wie beim Blitzer geht, hilft das manchmal noch mehr", fügt er hinzu. Seit 2011 ist die Stadt wie alle anderen Kommunen mit über 10.000 Einwohnern berechtigt, Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Die Gemeinde Lichtenau mit reichlich 7000 Einwohnern hingegen ist dazu nicht berechtigt.


Jeder dritte Autofahrer fährt durch Merzdorf zu schnell

Merzdorf, Martinstraße 62, Höhe Firma Dachbinder: Zwischen 5. und 26. Februar passierten 3633 Fahrzeuge den Ortseingang, wo Tempo 50 gilt. 1020 erreichten bis 60 Kilometer pro Stunde, 175 bis 70 km/h, 18 bis 80 km/h, einer bis 90 km/h und einer bis 110 km/h. 33,4 Prozent der Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs.

Ottendorf, Hauptstraße, aus Richtung Garnsdorf: Vom 1. bis 5. April wurden dort 3435 Fahrzeuge registriert. Kurz vor dem Ortseingang, also außerhalb von geschlossenen Ortschaften, ist Tempo 100 möglich. 563 fuhren bis Tempo 60, 1071 bis 70 km/h, 950 bis 80 km/h und drei schneller als 110 km/h. Vom 10. bis 18. April wurde die Zählung wiederholt, allerdings wenige Meter weiter nach dem Ortseingang (also Tempo 50 zulässig). 2432 Fahrzeuge wurden gezählt, 227 fuhren bis 60 km/h und 16 bis 70 km/h. Dort könnte ein stationäres Messgerät aufgestellt werden, weil zu schnell gefahren wird und es dort einen Unfall gab, so Graf. (bj)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...