Linke Jugendzentren tagen im AJZ

Vertreter aus ganz Deutschland diskutieren am Wochenende in Chemnitz - auch über aus ihrer Sicht zunehmenden Druck auf die Einrichtungen.

Furth.

Die Hauptband, die Gruppe Feine Sahne Fischfilet, hatte noch gar nicht zu spielen begonnen, da mussten die Zuhörer das Alternative Jugendzentrum (AJZ) verlassen. Eine Bombendrohung gegen die Einrichtung war bei der Polizei eingegangen. Die durchsuchte das Gebäude, fand aber nichts; das Konzert konnte stattfinden. Bedrohungen gegen linke Jugendzentren, wie diese vom 15. November 2018 in Chemnitz, nehmen nach Ansicht von Simon Widdel zu. Er ist einer der Organisatoren des Bundeskongresses linker Räume und Jugendzentren, der am heutigen Samstag und morgigen Sonntag im AJZ an der Chemnitztalstraße stattfindet.

Schwerpunkt der Tagung sei die angespannte Lage der Jugendzentren, sagt Widdel. Als Beispiel nennt er einen Angriff auf ein Jugendzentrum in Salzwedel (Sachsen-Anhalt) im Sommer vergangenen Jahres, als Personen im Gebäude von Unbekannten mit Pfefferspray attackiert worden sein sollen. Als Täter werden Angehörige der rechten Szene vermutet. "Das Erstarken der Rechten bedroht diese Räume", sagt Widdel. Zudem, erklärt der Organisator, würden in vielen Städten von Lokalpolitikern Forderungen erhoben, Zuschüsse für von Linken genutzte Einrichtungen zu kürzen oder gleich ganz zu streichen. Dem sah sich auch das AJZ ausgesetzt. So hatte die Gruppierung Pro Chemnitz, die vom Verfassungsschutz mittlerweile als in Teilen rechtsextremistisch eingeschätzt wird, vor vier Jahren beantragt, die Zuschüsse für das AJZ komplett zu streichen. Der Stadtrat hatte das aber abgelehnt. Für Kinder- und Jugendarbeit, außerschulische Bildungsmaßnahmen sowie den Betrieb der Skaterhalle erhielt das AJZ im Jahr 2018 insgesamt rund 750.000 Euro.

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Um sich über diese Probleme auszutauschen, habe man erstmals einen Bundeskongress ins Leben gerufen, sagt Widdel. In Workshops wolle man unter anderem über die Arbeit im Stadtteil und die Reaktion auf politische und finanzielle Schwierigkeiten debattieren. Ziel sei es, sich großräumiger zu vernetzen. "Das geschieht bislang nur regional, aber nicht bundesweit", so Widdel.

Er rechnet mit bis zu 150 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Sie kämen beispielsweise aus dem Alternativen Zentrum Conni in Dresden, dem Jugendhaus Buchte in Bremen und dem Unabhängigen Jugendzentrum Pankow in Berlin. Angefragt seien aber auch deutschlandweit bekannte Häuser wie das Autonome Kulturzentrum Rote Flora in Hamburg.

Für Chemnitz als Austragungsort habe man sich bewusst entschieden, sagt der Organisator. Grund dafür seien die von Rechten initiierten Demonstrationen in der Stadt in den vergangenen Monaten, die deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatten. "Wir wollen zeigen, dass es hier auch ein linkes Zentrum gibt", erklärt Widdel. Aktionen in der Stadt seien allerdings nicht geplant.

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