Muldentalbahn hat Rückenwind

Bei den Draisinefahrten in Wolkenburg war der Andrang so groß, dass nicht alle Interessierte einen Platz fanden. Der Ortsvorsteher sieht das Potenzial der Strecke noch nicht ausgereizt.

Wolkenburg.

Wer als Besucher bei der 777-Jahr-Feier in Wolkenburg am vergangenen Wochenende am sogenannten stehenden Festumzug teilnahm, musste gut zu Fuß sein: 14Stationen waren im Ort aufgebaut worden, an denen sich Vereine und andere Organisationen präsentierten. Da tat es gut, sich anschließend auszuruhen. Gelegenheit dazu gab es nicht nur im Festzelt, sondern auch auf der Strecke der Muldentalbahn. Denn Toni Naumann und seine Mitstreiter vom Eisenbahnverein Hartmannsdorf boten Fahrten mit zwei Draisinen in beide Richtungen an - mit ungeahnter Resonanz.

"Das war der blanke Wahnsinn", sagt Naumann. Samstag und Sonntag seien insgesamt gut 500 Personen befördert worden, obwohl das Wetter - es war bewölkt, manchmal nieselte es - besser hätte sein können. Flussabwärts ging es am Samstag bis zum Hauboldfelsen, am Sonntag bis nach Penig. In die andere Richtung wollte Naumann am Samstag eigentlich nur bis zum Bergwerk an der früheren Papierfabrik fahren. "Aber die Leute wollten unbedingt nach Waldenburg", berichtet Naumann. Diesem Wunsch habe er entsprochen. Die Folge: Die Fahrten dauerten länger, zahlreiche Wartende kamen im wörtlichen Sinne nicht zum Zug. "Wir hätten ein richtiges Triebfahrzeug gebraucht, und selbst das hätte nicht gereicht", machte der Eisenbahn-Enthusiast deutlich.

Vor wenigen Wochen war die Resonanz im benachbarten Waldenburg anlässlich eines Kräutermarktes ähnlich. Gut 250 Personen wurden laut Naumann mit der Draisine befördert. "Mehr ging nicht." Es war das erste Mal seit mehr als zwei Jahren, dass auf der Muldentalstrecke, die von Glauchau bis nach Großbothen bei Grimma führt und nach dem Hochwasser 2002 stillgelegt worden war, wieder touristische Fahrten angeboten wurden. Zuvor hatte wegen eines Eigentümerwechsels Stillstand geherrscht. Laut Naumann funktioniert die Zusammenarbeit mit dem neuen Besitzer aber wieder gut.

Dabei handelt es sich um die Mittelsächsische Eisenbahninfrastrukturgesellschaft mit Sitz in Chemnitz. Geschäftsführer Frank Birkner spricht sich dafür aus, dass das Gleis neben der Zwickauer Mulde möglichst oft genutzt wird. "Wenn wir die Strecke vergammeln lassen, hat niemand etwas davon", sagt er. Der 47-Jährige sucht den Kontakt mit den Kommunen entlang der Strecke. So hat er der Stadt Limbach-Oberfrohna den Bahnhof Wolkenburg zum Kauf angeboten. Die Stadtverwaltung hat aber vorerst abgelehnt und Birkner aufgefordert, ein Nutzungskonzept vorzulegen.

Für Wolkenburgs Ortsvorsteher Reinhard Iser steht fest, dass die Muldentalstrecke, die inzwischen unter Denkmalschutz steht, ein großes touristisches Potenzial besitzt. Aus seiner Sicht könnten Fahrten mit Draisinen regelmäßig angeboten werden, sagte Iser. "Das wäre für Wolkenburg eine tolle Geschichte." Die Entwicklungen der vergangenen Monate hätten ihn zuversichtlich gestimmt. "Mit Herrn Birkner kann man gut reden", berichtete der Ortsvorsteher. Wenn es gelinge, die Draisinenfahrten auszubauen, könne dies auch positive Auswirkungen auf das Schloss und andere Anlaufpunkte für Touristen haben.

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