Neue Straßenbahnen lassen weiter auf sich warten

Eigentlich sollten die ersten Fahrzeuge bereits im Stadtgebiet unterwegs sein. Doch trotz erfolgreicher Testfahrten muss der Hersteller nachbessern.

Noch keinen Kilometer laut Fahrplan absolviert, und schon steht die erste Verspätung zu Buche: Der Einsatz der neuen Skoda-Straßenbahnen im Chemnitzer Liniennetz verschiebt sich um mehrere Monate. Anfang des Jahres hatte sich das Nahverkehrsunternehmen Chemnitzer Verkehrs-AG noch optimistisch gezeigt, dass die ersten Bahnen bereits im Frühjahr dieses Jahres im regulären Linienbetrieb zum Einsatz kommen würden. Doch daraus wird erst einmal nichts.

Dabei waren die ersten beiden der bei Skoda Transportation im tschechischen Pilsen entwickelten und hergestellten Niederflurbahnen bereits vor Monaten nach Chemnitz geliefert worden; ein dritter Zug vor wenigen Tagen. Bei Mess- und Testfahrten im Stadtgebiet wurde geprüft, wie die Technik funktioniert, ob die vorgeschriebenen Parameter eingehalten werden, ob es keine Probleme an Haltestellen und beim Vorbeifahren anderer Straßenbahnen gibt. Spezielle Gewichte sorgten dafür, dass die Ergebnisse einigermaßen realistisch ausfallen - so, als ob Fahrgäste an Bord wären.


Doch warum dieser Aufwand? Anders als Busse können Straßenbahnzüge nicht "von der Stange" produziert werden. Sie müssen immer an die besonderen Gegebenheiten im jeweiligen Liniennetz angepasst werden, sind sozusagen größtenteils "Spezialanfertigungen". Das schlägt sich - nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen - in aufwendigen Tests vor Ort nieder. Ziel ist, gegebenenfalls festgestellte Probleme zu beheben und beim Bau der übrigen Bahnen berücksichtigen zu können.

Entsprechend gelassen gibt man sich derzeit bei der CVAG. Die Rede ist von "branchentypischen Zeitverschiebungen, die nichts Untypisches" sind. In der Tat: Auch bei der Einführung der Zweisystem-Fahrzeuge für das Chemnitzer Modell vor einigen Jahren war seinerzeit von der ersten Testfahrt bis zur endgültigen Zulassung für den täglichen Einsatz mehr als ein Jahr vergangen.

Wann nun die Chemnitzer mit den neuen Skoda-Bahnen werden fahren können, ist offen. Am Gesamtzeitplan für das Projekt will die CVAG weiter festhalten. "Das klare Ziel ist nach wie vor, dass bis Jahresende 2019 alle 14 Fahrzeuge in Dienst gestellt sein und im Fahrgastbetrieb verkehren sollen", bekräftigt Unternehmenssprecher Stefan Tschök. "Aus heutiger Sicht wird dieses Ziel nach wie vor als realistisch eingestuft."

Die Ergebnisse der Erprobungsfahrten in Chemnitz sind nach Angaben des zuständigen CVAG-Betriebsleiters immerhin positiv verlaufen. Die gemessenen Werte lägen im grünen Bereich, heißt es. Etwas aufwendiger als gedacht gestalte sich hingegen die Dokumentation der Ergebnisse, die auf Deutsch und Tschechisch vorgenommen werden muss - einschließlich etlicher Fachbegriffe.

Trotz der erfolgreichen Tests wird es an den Fahrzeugen noch Änderungen geben. "So musste das System der Haltestangen nachgebessert werden, die Dichtgummis an den Fenstern entsprachen qualitativ nicht unseren Forderungen", erläutert Unternehmenssprecher Tschök. Bei zwei der drei angelieferten Fahrzeuge seien die Änderungen bereits von Beginn an im Werk in Pilsen berücksichtigt worden. Die dritte, zuerst gelieferte Bahn, habe die Herstellerfirma Skoda Transportation noch einmal auf eigene Kosten abgeholt und zur Überarbeitung nach Tschechien gebracht.

Folge der Verzögerungen: Die bei vielen Fahrgästen eher unbeliebten alten Tatra-Straßenbahnen bleiben weiterhin im Einsatz. Die noch aus DDR-Zeiten stammenden, später modernisierten Züge stehen in der Kritik, weil dort beim Ein- und Aussteigen mehrere Stufen zu überwinden sind. Vor allem älteren und beeinträchtigten Fahrgästen bereitet dies immer wieder Probleme, ebenso Eltern, die mit Kinderwagen unterwegs sind. Mit Inbetriebnahme der neuen Skoda-Bahnen sollen die alten Züge dann außer Dienst gestellt werden.


Ausstellung zu Tatra-Bahnen

Noch bis zum 15. Dezember 2019 ist im Straßenbahnmuseum, Zwickauer Straße 164, die Sonderausstellung "Ich werde 50 - 1969-2019: 50 Jahre Einsatz von Tatra-Wagen in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz" zu sehen. Gezeigt werden viele Original-Dokumente und Kopien von der Entwicklung der auf US-amerikanischen Patenten beruhenden Tatra-Bahnen und ihrer Variante für die DDR beim Prager Hersteller CKD.

Geöffnet ist bis September donnerstags von 10 bis 16 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr, ab Oktober nur samstags von 10 bis 16 Uhr. Eintritt: 3 Euro, bis 18 Jahre frei. (mib)

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