Ostrale-Festival kommt nicht nach Chemnitz - Kritik an Absage

Eine Kommission hat entschieden, dass die Kunstbiennale für die Stadt zu teuer geworden wäre. Die Reaktionen fallen gemischt aus.

Die Entscheidung der Stadt, auf das Kunstfestival Ostrale zu verzichten, hat für unterschiedliche Kommentare gesorgt. Während Vertreter von CDU und Grünen den Schritt befürworten, kam von der SPD Kritik. "Ich finde das sehr schade, weil ich mir davon versprochen hätte, dass die Chemnitzer Kulturszene um einen europäischen Aspekt bereichert wird", sagte Ulf Kallscheidt, sozialdemokratischer Stadtrat und Mitglied im Kulturausschuss. Die Ostrale verfüge über ein internationales Netzwerk, so Kallscheidt, "das uns gut getan hätte".

Thomas Lehmann von Bündnis 90/Die Grünen hingegen nannte die Entscheidung richtig. Mit der Ostrale hätte Chemnitz ein sechswöchiges Kunstfestival bekommen, das nur alle zwei Jahre auch in Chemnitz stattgefunden hätte. Die benötigte Fläche wäre größer gewesen als die, die den Kunstsammlungen zur Verfügung steht. Gerade im Hinblick auf die Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt sollte das Augenmerk nach seinen Worten aber eher auf der Entwicklung von in Chemnitz gewachsenen Projekten der freien Szene liegen. Lehmann nannte das Kinderfilm-Festival Schlingel, die Begehungen, die Fête de la Musique, die Tage der Jüdischen Kultur und das Mozartfest. "Erst wenn wir diese Pflichtaufgaben gelöst haben, kann man sich um eine Kür wie die Ostrale kümmern", so Lehmann.

Almut Patt, für die CDU im Kulturausschuss des Stadtrates, sagte, sie hätte sich gefreut, wenn die Ostrale nach Chemnitz gekommen wäre. Allerdings habe sie immer gesagt, dass es finanziell ins Gefüge passen müsse, ergänzte sie. "Es kann kein Ausreißer nach oben sein - und das wäre es wohl geworden", so Patt.

Der Leiter des städtischen Kulturbetriebes, Ferenc Csák, hatte am Dienstag dieser Woche die Absage an die Ostrale-Organisatoren für 2019 verkündet. Zu teuer, zu große finanzielle Unsicherheit und kaum geeignete Flächen nannte er zur Begründung. Von den untersuchten sechs Standorten in Chemnitz wäre am Ende lediglich das Gebäude des ehemaligen Spinnereimaschenbaus an der Altchemnitzer Straße als Ostrale-Domizil übrig geblieben. Alle anderen Objekte wie die Industrieruine der Nadel- und Platinenfabrik an der Annaberger Straße, das frühere Postamt an der Straße der Nationen nahe dem Hauptbahnhof oder das Gebäude des ehemaligen Wanderer-Werkes an der Zwickauer Straße seien ungeeignet gewesen.

Hauptgrund der Absage seien aber finanzielle Erwägungen gewesen, so Kulturbetriebsleiter Csák. Für die benötigte Fläche von rund 8000 Quadratmeter - Ausstellungshallen, Lagerräume und Büros - hätte die Stadt einen Großteil der Mietzahlungen leisten müssen, hinzu gekommen wären Kosten für die Sanierung. Allein im nächsten Jahr hätte die Stadt Chemnitz für die Ostrale rund 600.000 Euro ausgeben müssen - zu viel Geld, wie die Kommission letztlich einschätzte.

Das Gremium war im Juni vom Stadtrat auf Wunsch von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig gebildet worden; die Mitglieder - Räte, Kulturausschussmitglieder und Kulturbeiräte - sollten bewerten, ob die Ostrale tatsächlich zu Chemnitz passt. Offensichtlich passt es nicht.

Die Kuratorin der Ostrale, Andrea Hilger, erklärte zur Absage, man habe immer betont, dass in Chemnitz vorerst nur geprüft werde und damit keine Entscheidungsgrundlage gegeben war. Man suche nach einem neuen Standort, da das Festival am bisherigen Ort in Dresden wegen Baufälligkeit nicht bleiben kann. Sie habe versucht, in Dresden einen Interimsstandort und eine städtische Förderung zu erhalten. Beides sei noch ungeklärt. Eine belastbare Perspektive für die Ostrale 2019 gebe es noch nicht. (mit jpe)

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