Reden gegen die Sprachlosigkeit

Bisher ging es bei den Bürgergesprächen Michael Kretschmers viel ums Klein-Klein des politischen Betriebs. Was passiert, wenn es - wie gestern in Chemnitz - auf einmal um die großen Fragen geht? Den Rechtsstaat, die Präsenz der Polizei, das Erscheinungsbild des Landes?

Chemnitz.

Eine Stunde vor Beginn das folgende Bild: Am Stadion stehen Dutzende Leute und eine erhebliche Anzahl an Journalisten. Einige Menschen sind ins Gespräch vertieft, sind verschiedener Meinung, man hört sich zu. Reporter haben weniger Glück, nicht jede Nachfrage wird beantwortet. "Warum sind Sie hier?" - "Ich rede nicht mit Medien." Die Dame lächelt fast freundlich.

Als die Tür zum Stadion des Chemnitzer Fußballclubs geöffnet wird, kriegt jeder Gast ein Namensschild, Sicherheitscheck, Jacken nicht erlaubt. Ziemlich unaufgeregt. Fernsehleute sind nervös, weil die ersten Schalten anstehen, obwohl das Gespräch noch kaum begonnen hat. Zehn Minuten Kamerazeit zu Beginn, heißt die Vorgabe. Dann stehen die Bürger im Mittelpunkt.

Am Lift des himmelblau-weißen CFC-Saals, dessen Fensterfront zum Spielfeld hinausgeht, steht "Businessclub". 550 Plätze, rot bestuhlt. "Was wir wollen? Wir wollen Antworten!" Sagt der Nebenmann. Wie kann ein vorbestrafter Asylbewerber, polizeibekannt, frei herumlaufen und einen Mann erstechen? Einfach eine klare Antwort, sagt er. Er werde zum Justizminister gehen. Ob es klare Antworten geben wird?

Es ist ein "Sachsengespräch" unter Vorzeichen, die niemand so erwartet hat. Michael Kretschmer (CDU) wurde im Dezember 2017 sächsischer Ministerpräsident. Schon damals war nicht mehr zu übersehen, dass es zwischen dem Volk, also dem Souverän, und der Regierung nicht mehr in jeder Hinsicht stimmt. Kaum zwei Monate im Amt, suchte Kretschmer in seinem ersten "Sachsengespräch" den direkten Kontakt zu den Bürgern - ohne Vorbedingungen, von Angesicht zu Angesicht. Bis auf einen Zwischenfall in Hoyerswerda im Juni, als Rechtsradikale seine Begrüßung störten und Flugblätter warfen, fuhr Sachsens neuer Ministerpräsident immer gut mit dem Format.

Der Chemnitzer Termin war wochenlang geplant. Bisher ging es beim "Sachsengespräch" eher selten um die großen Fragen, viel um das Klein-Klein des politischen Betriebs. Das ist der Charme der Veranstaltung, darauf legt Michael Kretschmer Wert. Doch was passiert, wenn auf einmal die großen Fragen im Mittelpunkt stehen? Der Rechtsstaat, die Präsenz der Polizeikräfte, das Erscheinungsbild des Landes?

Seit den Ereignissen vom Sonntag und Montag in Chemnitz, als nach dem mutmaßlichen Raubmord zwei von Rechtspopulisten und -extremisten organisierte Demonstrationen beinahe außer Kontrolle gerieten und eine mediale Schockwelle bis zu den Vereinten Nationen rollte, sind Wut und Ratlosigkeit in der Stadt mit Händen zu greifen. Zum Tag des "Sachsengesprächs" waren gestern Polizeibeamte aus sechs Bundesländern und von der Bundespolizei in der Stadt im Einsatz. Vor dem Stadion demonstrierten hunderte Anhänger von Pro Chemnitz, auch beim "Sachsengespräch" waren kritische Bürger in großer Zahl vertreten. Dennoch blieb die Veranstaltung störungsfrei.

Michael Kretschmer sagt zu Beginn, es sei ein besonderer Abend. "Uns allen ist klar, dass man nicht zur Tagesordnung übergehen kann, wenn ein Mensch ums Leben gekommen ist, und nach allem, was dann gekommen ist." Er regt eine Schweigeminute an, Applaus. Und sagt einen ganz wichtigen Satz: "Ich weiß, dass viele Menschen sich ungerecht behandelt fühlen. Ich weiß, sie sind nicht rechtsradikal."

Später sagt er noch, dass aber auch jeder verantwortlich sei, hinter wem er sich versammelt und ob er Halbwahrheiten und Stimmungsmachern glaube. Demokratie und Rechtsstaat seien für ihn unverhandelbar. Über alles andere könne und müsse man reden. Der Tod des Daniel H. werde aufgeklärt und gesühnt, verspricht Kretschmer. Das sei Sache der Gerichte. "Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, aber gründlich." Noch sei gar nicht sicher, was genau geschehen ist.

In Chemnitz sei ihm heute aber auch ein anderes Problem begegnet. Er habe eine Kindertagesstätte auf dem Sonnenberg besucht, und eine Frau erzählte ihm - eine Chinesin, die seit Jahren in Chemnitz lebt und sich hier ehrenamtlich engagiert - wie sie in diesen Tagen zum ersten Mal auf der Straße abschätzig behandelt worden sei. "Hier sind wir alle gefordert", ruft Kretschmer. "Dem müssen wir entgegentreten. Eine Stimmung wie am Sonntag und Montag führt dazu, dass mancher außer Rand und Band gerät. Das dürfen wir nicht zulassen!"

Der Saal scheint ihm zu folgen - dem ruhigen Ton, dem Gesprächsangebot. Tatsächlich werden sich später an den Tischen kontroverse, aber im Großen und Ganzen faire Gespräche entwickeln. Wie verletzbar die Kommunikation, wie angespannt die Stimmung ist, bricht aber auch mehrfach hervor. So als Kretschmer der Band Kraftklub dankt, dass die am kommenden Montag in Chemnitz ... - der Rest des Satzes geht in wütenden Zwischenrufen unter. Auch die Chemnitzer Oberbürgermeisterin hat einen schweren Stand. Buhrufe gegen Barbara Ludwig (SPD), deren wenig zupackende Worte die Stimmung des Augenblicks verfehlen. Einzelne rufen: "Aufhören! Setzen!" Und als sie sagt, dass Chemnitz sicher sei, wird hämisch gelacht. Der dritte Vorredner, Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), redet danach gegen die Uhr. Keine Belehrungen, heißt es, fangt endlich an.

Im "Businessclub" beziehen die Minister ihre Tische, die Menschen stehen teilweise in Dreierreihe um sie herum. Kretschmer konferiert eine Etage höher. Er hatte den ganzen Tag in Chemnitz verbracht - zuerst eine Schule am Flughafen besucht, später den Kindergarten. Im Rathaus traf er sich mit Vertretern der Zivilgesellschaft. Neben ihm nimmt eine Frau Platz, die beherzt das Wort ergreift: Sie arbeite bei einem Sicherheitsdienst, sorge sich um die Stadt - und um den eigenen Beruf. "Wir sind so wichtig, aber werden behandelt wie der letzte Dreck!"

Kretschmer verspricht, sich um die Sicherheit zu kümmern. "Wir haben das in Dresden-Neustadt gemacht und am Dresdner Wiener Platz. Und wenn wir in Chemnitz etwas anders machen müssen, dann wird es anders gemacht!"

Nach ihr spricht eine Krankenschwester vom Stadtrand, die Kretschmer erzählt, warum sie am Montag bei der Demo gewesen sei: aus Angst und aus Sorge. Kretschmer sei, müsse sie ihn einmal loben, "der Erste und Einzige" gewesen, der nicht alle gleich pauschal verurteilt habe. Kein Widerspruch im Saal.

Vergangenes Wochenende, bevor der Chemnitzer getötet worden sei, habe sie erfahren, dass der Kindergarten in der Nachbarschaft geschlossen werden solle, sagt die Frau. Das sei ein Stadtratsbeschluss. Erst eine solche Nachricht, dann der Tote - versteht jemand ihre Wut?

Michael Kretschmer nickt. Draußen ist es dunkel geworden. Die Teilnehmer der Pro-Chemnitz-Demo, draußen vor dem Stadiongelände, haben ihre Handys gezückt und die Leuchten angeschaltet, ein schweigendes Punktmeer aus kaltweißem Licht. Einige vom "Sachsengespräch" blicken kurz hinüber. Dann wird weitergeredet, weil noch so viel zu sagen ist.


 

Wie die stille Mehrheit ihr Schweigen bricht

Von der Kirche über die Technische Universität bis zum Unternehmer: Chemnitzer Bürger positionieren sich zu den von Rechten organisierten Aufmärschen in ihrer Stadt

Von Joseph Wenzel

Es waren verstörende Bilder, die am vergangenen Sonntag und Montag von Chemnitz aus um die Welt gegangen sind. Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen fühlt sich eine rechtsextreme Hooligangruppe dazu berufen klarzustellen, "wer in der Stadt das Sagen hat". Etwa 1000 Menschen folgen dem spontanen Aufruf, am Folgetag kommen bereits 6000 Teilnehmer zu einer von der rechten Stadtratsfraktion "Pro Chemnitz" angemeldeten Kundgebung - darunter zahlreiche gewaltbereite Menschen.

Die Ereignisse hinterlassen eine verstörte Stadt und zahlreiche Fragen. Woher kam dieser Hass? Warum war die Polizei auch am zweiten Tag so wenig präsent, dass Straftaten - wie etwa das Zeigen des Hitlergrußes - nicht unterbunden werden konnten? Und vor allem: Wo war die Chemnitzer Zivilgesellschaft, deren Mitte zumindest, um sich zu positionieren? Sie trat nicht groß in Erscheinung.

Nun, einige Tage nach der Eskalation gibt es zahlreiche Wortmeldungen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft, um den Krawallmachern nicht die Stadt zu überlassen. Bereits am 29. August distanzierte sich der Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzender des Chemnitzer FC, Andreas Georgi, klar von den Ausschreitungen zu Wochenbeginn. "Die Vielzahl unserer Mitglieder und Fans sowie die sich aus Spielern verschiedenster Nationen zusammensetzende Mannschaft stehen für Offenheit, Toleranz sowie Respekt", so Georgi.

Auch die christlichen Gemeinden in Chemnitz beziehen Stellung. "Als Kirche sind wir besorgt darüber, dass radikale, gewaltbereite Minderheiten in unserer Gesellschaft das Gewaltmonopol des Staates infrage stellen", sagte Superintendent Frank Manneschmidt. Die Evangelisch-lutherische Gemeinde ruft für kommenden Sonntag (16 bis 18 Uhr) zu einer Kundgebung auf dem Chemnitzer Markt und Neumarkt auf. Mit klarem Ziel: Schulterschluss mit der Stadt Chemnitz, anderen Konfessionen und Religionen, Einrichtungen, Vereinen und Verbänden aus Gesellschaft und Kultur.

Der Regionalgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südwestsachsen, Ralf Hron, verdeutlichte, wie viel aus seiner Sicht auf dem Spiel steht. "Wollen wir ernsthaft unsere demokratische liberale freiheitliche Grundordnung aufgeben?" Entschiedene Worte findet die Leitung der Technischen Universität. In einem Brief wenden sich Rektor Gerd Strohmeier sowie Maximilian Eibel, der Prorektor für Lehre und Internationales, an die Öffentlichkeit. In ihrem Schreiben heißt es: "Die Bilder der letzten Tage, geprägt von Gewalt, Hass und Hetze, stehen in einem diametralen Gegensatz zum Selbstverständnis und zur gelebten Kultur an unserer Universität." Die "internationalste Universität" im Freistaat sei sich ihrer regionalen Verantwortung bewusst und wird die von ihr gelebten Grundsätze der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Weltoffenheit weiterhin selbstbewusst nach außen tragen.

Mit einem emotionalen Statement wendet sich der Unternehmer Jens Kieselstein an die Öffentlichkeit. Niemals dürfe Gewalt die Antwort auf Verbrechen sein, so Kieselstein. "Lasst uns reden, diskutieren, streiten, aber nicht kämpfen", fordert der Unternehmer und beendet seinen Appell mit dem Satz: "Ein besorgter, liebender, stolzer, schaffender Chemnitzer!"

"Es ist sehr wichtig, jetzt Farbe zu bekennen", meint Nancy Gibson, Leiterin der Städtischen Musikschule. Mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und Lagerdenken werde das aber kaum zu erreichen sein, so die allgemeine Überzeugung. "Wir müssen die breite Bevölkerung zurückholen", betont Micaela Schönherr, die Präsidentin des Basketball-Zweitligisten Niners. Derzeit dominierten die Ränder, die große gesellschaftliche Mitte sei kaum wahrnehmbar, so die Unternehmerin.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
15Kommentare
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  • 1
    1
    Zeitungss
    02.09.2018

    Ja cn3boj00, Leute welche genau DAS einfordern, sind fremdenfeindlich, braun und was wieß ich nicht noch alles. Sie haben es genau auf den Punkt gebracht. An die WURZEL will man in höheren Kreisen nun mal nicht ran, man hätte auch kein Konzept, was diesen Staat und seine Diener auszeichnet. Schaden vom Volk abwenden, wofür sie einmal das Pfötchen gehoben haben, ist der Demenz zum Opfer gefallen, bzw man denkt bereits an sein Fortkommen nach der nächsten Wahl nach.

  • 4
    0
    cn3boj00
    01.09.2018

    Reden hilft nicht mehr weiter. Vor allem nicht, wenn man bei den Reden nicht zur Wurzel vordringt. Die Menschen wollen eine andere Ausländerpolitik. Da geht es aber nicht darum, die Grenzen dicht zu machen oder 10 Mann abzuschieben und dann darüber zu dikutieren ob das rechtsstaatlich war oder nicht! Es geht ums grundsätzliche. Und wieder vermisse ich bei Kretschmer und allen Politikern, die nun plötzlich von Wolke 7 heruntergeholt wurden, Ideen oder gar Konzepte. Man hört nicht einmal, dass man z.B. eine Kommission, einen Ausschuss oder sonstwas ins Leben gerufen hat, die solche Konzepte entwickeln sollen. Auf der Tatenseite steht 0! Da gibt es einen Vollhorst, der nur sich selber in Szene setzen will, und bei dem heimat an der bayerischen Grenze aufhört, und die anderen sind entsetzt, empört, erschüttert und was weiß ich.
    Wir brauchen eine humane, an unsere Werte angepasste Ausländerpolitik. Straftäter dürfen nicht geduldet werden. Und jeder muss sich sein Essen verdienen.
    Liebe Chemnitzer, wir müssen uns klar werden, dass es auch ein friedliches Miteinander geben kann, dass Ausländerhass nicht die Lösung ist. Statt den Fischern am rechten Rand zuzujubeln solltet ihr der Regierung klar sagen, was ihr erwartet.

  • 1
    0
    submain
    01.09.2018

    Dulig (Vize-Ministerpräsident) führt solche Gespräche mit Bürgern schon seit einigen Jahren regelmäßig durch. Zwar nur in kleiner Runde, aber immerhin etwas. Er fährt mit nem LKW durch's Land und stellt am Gesprächsort nen Küchentisch und paar Stühle vor dem Laster auf, wo sich dann alle interessierten Bürger dazu setzen und mit ihm reden können. Also ganz so neu ist das Konzept des Sachsengespräches nicht, nur dass es mittlerweile in großer Runde und mit dem Ministerpräsidenten persönlich abgehalten wird...

    Und de Ludwig steht nicht nur seit Sonntag total neben sich, sondern schon seit Jahren. Ihr gehts doch nur noch um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025. Das ist zu ner Art "Lebensaufgabe" für sie geworden, alles andere und wichtigere ignoriert sie dabei völlig. Wird echt mal Zeit für ein neues Stadtoberhaupt. Andere Amtsträger aus anderen Städten hätten sich in der jetzigen Situation vor ihre Bürger und der Stadt gestellt und in den Medien klar und deutlich Stellung bezogen. Doch bei uns müssen es die Bürger, Vereine und Unternehmen machen, wozu die Bürgermeisterin offensichtlich nicht in der Lage ist. Sie hat sich noch nichtmal dazu geäußert, als sie mit Kretschmer den ganzen Tag in der Stadt unterwegs war, wo er aller paar Meter ein Interview führen musst. Sie stand immer nur teilnahmlos im Hintergrund...

    Ich glaub, die war auch noch nicht einmal an der "Pilgerstätte" des Ermordeten. Zumindest hab ich davon nichts mitbekommen. Da derzeit sogar vom Herunterfallen einer Stecknadel in Chemnitz berichtet wird, wäre das mit Sicherheit überall gezeigt wurde. Was aber nicht der Fall war, somit geh ich davon aus, dass Sie wirklich die ganze Woche in ihrem Kämmerlein saß und der Kulturhauptstadt hinterher getrauert hat. Dabei gibt es wichtigeres als das...

  • 2
    1
    cn3boj00
    31.08.2018

    Wie gesagt, ich glaube, man muss nur mehr gegen Ausländerkriminalität tun und andererseits die Nützlichkeit der Migranten für unsere Gesellschaft nicht nur herbeireden sondern auch realisieren. Was soll das wenn sie ein Jahr nach Ankunft gar nicht arbeiten dürfen? Dass Langeweile oder das Gefühl, allein gelassen zu sein, bei so manchem schädliche Auswirkungen hat ist doch bekannt?
    @ralf66 ich stimme Ihnen zu, dass es unbegreiflich ist dass nichts passiert. Aber ich habe das Gefühl, dass es nicht am Wollen liegt, sondern daran, dass die Politiker das Problem immer noch nicht begreifen. Das war doch auch aus Kretschmers Antworten zu erkennen.
    @Hankman: Der Hocke ist ein ganz intelligenter. Der macht alles mit Kalkül. Klar versucht die AfD, einen bürgerlichen Eindruck zu machen und sich von Nazis zu distanzieren. Vor allem wegen der Außendarstellung. Aber ich bin mir sicher, dass auch die AfD vernetzt ist mit dem III. Weg und anderen, und natürlich alles aufsaugt, was einfach jedem hinterherläuft der verspricht das Ausländerthema zu lösen, egal ob mehr oder weniger radikal. Die Leute differenzieren doch längst nicht mehr zwischen bürgerlich-konservativ und national-sozialistisch, Hauptsache es geht gegen Ausländer. Und der AfD ist doch jeder Wähler willkommen, auch Umsteiger von NPD und anderen legalen rechten Vereinen.

  • 0
    1
    ralf66
    31.08.2018

    @fpabospieler, als in der BRD in den 60er Jahren die ersten Ausländer, damals Gastarbeiter genannt, nach Westdeutschland geholt wurden, hatte das nichts allein mit dem Mangel an Arbeitskräften zu tun und hatte gute und nicht so gute Nebenwirkungen zu verzeichnen. Kriegsbedingt hatte man in den 60er Jahren einen gewissen Arbeitskräftemangel, der aber nicht so hoch war, dass Industrie, Handel und Landwirtschaft in enormen Schwierigkeiten gesteckt hätten und nicht mehr kontinuierlich hätten arbeiten können. Wenn ein Arbeitnehmer sein Arbeitsverhältnis beim Unternehmer gekündigt hatte, war es nicht immer leicht dafür Ersatz zu finden, diese Tatsache machte es für die deutschen Arbeitnehmer möglich, bei einer Bewerbung den bestmöglichsten Lohn und Urlaub vom Unternehmer einzufordern, wenn nicht drauf eingegangen wurde, ging man zum nächsten Unternehmen, dass dann einlenkte, so entstand eine ständige dem Unternehmer störende Buhlerei, um Arbeitskräfte, gut für den Arbeitnehmer der gut verdiente, schlecht für den Arbeitgeber, der seine Produkte zwar noch gut verkaufte, aber durch die hohen Löhne, nicht mit dem erwünschten Profit. Jetzt kamen die Gastarbeiter, die generell weniger Lohn bekamen und für die Unternehmer den Arbeitskräftebedarf verbesserten. Für die deutschen Arbeitnehmer bedeutete das, die ausländischen Gastarbeiter drückten den Lohn, dadurch verdiente der deutsche Arbeitnehmer auch nicht mehr so viel, die deutschen Unternehmen setzten ihre Produkte zu weit aus besseren Profiten ab. Was damals anders war als heute, in den 60er Jahren kamen die ausländischen Gastarbeiter in der Mehrzahl aus Italien und Spanien, also aus unserem Kulturkreis, arbeiteten in Deutschland verdienten sich ihren Lebensunterhalt, zahlten Steuern und wanderten nicht in die sozialen Systeme ein, Anfang der 70er Jahre verfügte man dann außerdem erst einmal einen Einwanderungsstop für ausländische Gastarbeiter! Spätestens ab den 80er Jahren wanderten immer mehr Menschen und jetzt speziell aus dem orientalischen Raum später nochmal Russlanddeutsche nach Deutschland ein, diese ließ man zum großen Teil aus humanitären Gründen einwandern, aber leider bekamen diese Menschen, durch ihre mangelnde Berufsausbildung und durch den gesättigten Arbeitsmarkt keine Arbeit und sind so in Deutschlands soziale Systeme eingewandert, dass zieht sich bis heute so durch und nahm ab 2015 überdimensionale Ausmaße an. Wer heute glaubt die Flüchtlinge des Jahres 2015 lassen sich trotz des demographischen Wandels

  • 7
    3
    fpabospieler
    31.08.2018

    N-tv ist schön und gut, Heimatsender und Presse ist die Freie Presse und der MDR.
    Sachsen muss doch endlich kapieren, dass Ausländer und Auswanderer in unserer Zeit willkommen sein müssten! Den Aufschwung in der ehemaligen BRD haben Italiener, Türken und und und mitteleistet.
    Und Sachsen ein nach 1989 gewandert- und wurden aufgenommen in Bayern, NRW, Hessen und und und.... Es wanderten aber wenig verfolgte, sondern welche, die sich wirtschaftlich betätigen wollten, also einfach Geld verdienen.

  • 8
    3
    Hinterfragt
    31.08.2018

    @Hankman; "Übrigens: Migranten gab es schon immer in Chemnitz: Griechen, Chilenen, Gastarbeiter aus Ungarn, Kuba, aus arabischen und afrikanischen Ländern, Russlanddeutsche ..."

    Stimmt (da noch Karl-Marx-Stadt) und Vietnamesen gab es auch.
    Das Hochhaus am Bernsbachplatz kennt man ja mit den unterschiedlichen Namen (Paprikaturm, Zuckerhut, ...)
    Nur im Unterschied zu Heute, waren damals die, die aus der "Reihe tanzten" schneller wieder im Heimatland, als dass sie Hui sagen konnten ...

  • 7
    3
    Hankman
    31.08.2018

    @fpabospieler: n-tv hat einige Zeit live aus der Runde mit Kretschmer übertragen. Phoenix angeblich auch, hab ich selbst aber nicht nachprüfen können. Was ich gesehen habe, war spannend. Politik kollidiert mit Alltag. Mehr davon!

    @cn3boj00: Danke für den Beitrag!! Genauso sehe ich das auch. Eins noch dazu: Am Sonntag hat auch die AfD eine Demo in der Chemnitzer Innenstadt abgehalten - ruhig und friedlich. Und sie hat ihre Anhänger aufgerufen, weder bei der Demo der rechten Hooligans am Sonntag noch bei der von Pro Chemnitz am Montag mitzulaufen. Ich folgere daraus, dass selbst der AfD diese Truppen zu radikal waren.

    Übrigens: Migranten gab es schon immer in Chemnitz: Griechen, Chilenen, Gastarbeiter aus Ungarn, Kuba, aus arabischen und afrikanischen Ländern, Russlanddeutsche ... Ist nicht so, dass das hier ein abgeschotteter Ort gewesen wäre. Und so viel höher sind die Zahlen heute auch nicht. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist gering. Es ist halt ein kleiner Kreis von Personen, der immer wieder negativ auffällt und Ärger macht. Die sollten genauso verschwinden wie jene, die "Ausländer raus" brüllen.

  • 4
    5
    Nixnuzz
    31.08.2018

    @fpabospieler: Freundlicherweise hat n-tv lange live gesendet! Weder phoenix noch mdr waren live dabei! Soviel zur Bürgernahen Medienrelevanz... Scheinbar müssen die ARD-Medien erst Informations-bereinigung bzw. down-cooling betreiben... Fehlte nur noch der Hinweis: "Diese Sendung ist für erwachsene Bürger nicht geeignet!"....

  • 8
    6
    Blackadder
    31.08.2018

    "Vllt gelingt es ja am Wochenende, die bislang Stummen zu mobilisieren und friedlich ihre Meinung äußern."

    Sie meinen sicher am Montag. Denn bei Höcke am Samstag kommen die selben wie letzten Montag. Ganz sicher.

  • 6
    4
    fpabospieler
    31.08.2018

    Ich hätte gern die 550 bis 600 Bürger bei Ministerpräsident Kretzschmer in den Medien (Freie Presse oder MDR) gesehen und nicht die Gegnmasse vor dem Stadion!

  • 6
    5
    ralf66
    31.08.2018

    Wenn ich das schon lese: 'Lasst uns reden, diskutieren, streiten, aber nicht kämpfen.' Kämpfen mit unbedingter Gewalt, dass möchte wohl keiner, aber immer wieder die gleichen Themen, wie zum Beispiel, die Ausländerkriminalität, Masseneinwanderung aus dem orientalisch-muslimischen Raum diskutieren und wieder diskutieren aber es ändert sich nichts, dass merken die Menschen! Hinhaltetaktik, weg- oder schönreden und gezielte Vertröstung der führenden Politiker in Deutschland sind die Ergebnisse vieler Diskussionen zum genannten Thema landesweit!

  • 9
    7
    Hinterfragt
    31.08.2018

    "...dass "Chemnitz nazifrei" die Gegendemo abgesagt hat...."

    Denen war da einfach zu viel Polizei aufgefahren ...

  • 10
    7
    ZwischenDenZeilen
    31.08.2018

    Sauschade, dass "Chemnitz nazifrei" die Gegendemo abgesagt hat. Wäre ein tolles Zeichen gewesen. So gab es nur einige wenige interessierte, welche vorm Stadion standen, bewusst nicht bei Kohlmann, und draußen blieben.
    Respekt an Kretschmer dass er Engagement und Haltung zeigt. Ludwig hingegen wirkt ausgelaugt, überfordert.

    Vllt gelingt es ja am Wochenende, die bislang Stummen zu mobilisieren und friedlich ihre Meinung äußern.

  • 17
    7
    cn3boj00
    31.08.2018

    Für mich überwiegen 2 Wahrnehmungen:
    1) Die Mehrzahl der menschen hält sich zurück, die "wir sind das Volk"-Fraktion ist immer noch eine Minderheit, aber mit deutlich zunehmender öffentlicher Wahrnehmung, und die offen auftretenden Gegner der rechten Bewegung werden allein gelassen.
    2) Eine große Zahl von Menschen folgen in ihrer Angst oder Besorgnis allzu kritiklos den rechten Abfischern und wundern sich dann dass sie selber in die rechte Ecke gestellt werden. Berechtigte Kritik und Sorge wird in pauschaler Ausländerfeindlichkeit zum Ausdruck gebracht.

    Eigentlich erwarte ich, dass die Demos von Pro Chemnitz rasch wieder an Zulauf verlieren. Herr Kohlmann fordert den Austritt Sachsens aus der BRD und den Anschluss an Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Jeder, der noch halbwegs klar bei Verstand ist, und für den Heimat auch Deutschland bedeutet, muss da einfach auf Distanz gehen.
    Andererseits ist die Wut groß und wird größer, wenn nicht etwas passiert. Natürlich sind nicht alle Chemnitzer Rechte oder gar Nazis. Ich schätze das trifft auch nur für eine kleine Minderheit zu. Aber jeder, der zu den Demos von Kohlmann & Co. geht, muss sich hinterfragen: was tue ich da eigentlich? Es sollte doch klar sein, dass die Hintermänner dieser Demos (dazu darf man getrost auch Pegida rechnen) in der rechten Szene vernetzt sind, inklusive radikaler Nazis. Und dass es nicht darum geht, dass die aus lauter Selbstlosigkeit Deutschland von einer Plage befreien wollen, sondern die Macht anstreben. Und dann, dann erst wird es eine DDR4.0 geben!
    Das Problem ist, das zeigen aber auch die Reaktionen Kretschmers, dass die Politiker kein wirkliches Konzept haben. Wir werden in Zukunft mit Migranten leben müssen. Doch es muss vor allem die Kriminalität schärfer bekämpft werden (es kann nicht sein, dass vorbestarfte geduldet werden!), und die Akzeptanz muss verbessert werden, indem die soziale Hängematte durch das Erarbeiten von Leistungen ersetzt wird. Die Gesellschaft braucht nicht nur ausgebildete Fachkräfte, sie braucht auch Bauhelfer und Leute die für Sauberkeit und Ordnung sorgen. In Limbach habe ich gesehen, wie 3 Afrikaner den Müll im Stadtpark eingesammelt haben. Das ist ein guter Anfang.



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