Reichenhainer Kindertagesstätte wird zum Politikum

Die Stadtverwaltung hat die Sanierung und Erweiterung des Kita-Gebäudes auf Eis gelegt. Stadträte haben eine andere Idee.

Reichenhain.

Dass die Stadtverwaltung Pläne für Sanierung und Erweiterung der Kindertagesstätte "Reichenhainer Wichtelberg" nicht weiter verfolgt, beschäftigt jetzt auch den Stadtrat. Die mit 17 Mitgliedern größte Fraktionsgemeinschaft aus CDU und FDP wirft der Stadtverwaltung vor, die damit entstandene Situation für die Kinder und deren Eltern im Stadtteil zu verharmlosen. Anlass dafür sind Antworten, die die stellvertretende Vorsitzende der Fraktionsgemeinschaft, Ines Saborowski, von Ordnungsbürgermeister Miko Runkel auf eine Ratsanfrage zu dem Thema erhalten hat. Dabei antwortete Runkel in Vertretung für den zuständigen, jedoch seit Monaten krank geschriebenen Sozialbürgermeister Philipp Rochold.

Die Stadträtin hatte sich unter anderen nach dem Grund für das Aussetzen der geplanten Sanierung und Erweiterung der Kita und nach möglichen Alternativen erkundigt. Zudem wollte sie wissen, wie viel Zeit Reichenhainer Mütter und Väter mit ihren Kindern für den Weg zur vorgeschlagenen Ausweich-Kita an der Fürstenstraße im Yorckgebiet und zurück aufwenden müssen.

In seiner jetzt veröffentlichten Antwort erklärt Runkel, die ursprünglich geplante Sanierung und Erweiterung der Kita von 38 auf 56Plätze sei wegen einer erheblichen Steigerung der damit verbundenen Kosten von 1,36 Millionen auf 2,75 Millionen Euro verschoben worden. Eine im Januar durchgeführte Untersuchung möglicher Alternativen habe unter anderem ergeben, dass mit derselben Summe auch das baufällige alte Kindergartengebäude abgerissen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet werden könnte, so Runkel.

Nachdem damals für die Sanierung entschieden worden sei, müsste ein Neubau jetzt komplett neu geplant werden, sodass er voraussichtlich erst Ende 2021 fertig sein könnte. Eine Sanierung ohne Erweiterung der Kita sei nicht geprüft worden, da das alte Gebäude nach aktuellen Forderungen selbst für 38 Kinder zu klein wäre. Die Mädchen und Jungen aus Reichenhain werden derzeit in einem Ausweichobjekt an der Bernsdorfer Straße betreut, aus dem sie ab 2020 in eine dann frei werdende Kita an der Fürstenstraße wechseln sollen. Sie liege laut Runkel etwa 20 Minuten Fahrtzeit von Reichenhain entfernt.

"Alles ist gut, könnte man beim Lesen dieser Antwort meinen", kommentiert Ines Saborowski. Doch dabei habe die Stadtverwaltung nicht an Reichenhainer Familien ohne oder mit nur einem Auto und an die vielen Baustellen und Umleitungen in Chemnitz gedacht. Die Stadträtin fordert eine schnelle Lösung für eine Kita im Ort, für die beispielsweise auch Container als Übergangsvariante infrage kämen. Für den Erhalt der Kita im Stadtteil setzen sich auch der Heimatverein Reichenhain und weitere Einwohner ein.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...