So krank sind die Chemnitzer

Beschwerden im Muskel- und Skelettbereich, wie der klassische Rückenschmerz, führen zu den meisten Ausfalltagen. Eine andere Diagnose hingegen ist seltener geworden.

Krankenstand: Zwischen den Krankenkassen zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Die DAK, die jetzt ihren Gesundheitsreport für 2018 vorgelegt hat, vermeldet einen Rückgang. Demnach sank der Krankenstand von 4,7 auf 4,4 Prozent. Das heißt, an einem durchschnittlichen Kalendertag waren von 1000 Arbeitnehmern 44 krankgeschrieben. Damit entwickelte sich die Gesundheit der 12.000 Chemnitzer DAK-Versicherten entgegen dem Bundes- und Landestrend. Auf beiden Ebenen stieg der Krankenstand im Vergleich zu 2017. Bei der AOK, mit 127.000 Versicherten die mitgliederstärkste Krankenkasse in der Stadt, stieg die Anzahl der Krankheitstage leicht - von 53 auf 54 pro 1000 Versicherte. Denselben Wert vermeldet die Barmer. Innerhalb des Freistaates sind die Dresdner und Leipziger am seltensten krank, die Nordsachsen und Bautzener stehen am Tabellenende.

Erkrankungen: Am häufigsten wurde AOK-Versicherten eine Ruhepause wegen Erkrankung der Atemwege verordnet. Sie sind in der Regel jedoch schneller wieder fit als jene Kollegen, die Beschwerden an Muskeln und Skelett haben, der klassische Rückenschmerz eingeschlossen. Deshalb führt diese Kategorie die Liste an, die die häufigsten Ausfalltage aufzeigt. In diesem Fall ergibt sich mit der DAK ein etwa gleiches Bild. Dort hatte mehr als jeder fünfte Krankentag Muskel-/Skelett-Beschwerden als Ursache. Bei den psychischen Erkrankungen hingegen zeigt der Trend in die entgegengesetzte Richtung: Nachdem bei DAK-Versicherten bereits 2017 weniger psychische Erkrankungen registriert wurden als im Vorjahr, ist die Anzahl 2018 nochmals deutlich gesunken, von 18,1 auf 14,4 Prozent.

Vorsorge: Den Rückgang führt Jörg Ziehe, Leiter der DAK-Niederlassung, unter anderem auf die betriebliche Gesundheitsförderung zurück. In Zeiten des Fachkräftemangels würden sich Firmen zunehmend um ihre Mitarbeiter kümmern. Angebote für Coaching und professionelle Konfliktbewältigung gehören in der Stadtverwaltung, einem der größten Arbeitgeber in Chemnitz, zu den Vorsorgeangeboten, wie ein Sprecher bestätigte. Seit 2015 gebe es im Rathaus ein koordiniertes Gesundheitsmanagement. Darin eingeschlossen sei ein jährlich stattfindender Gesundheitstag. Im Siemens-Werk werde seit mehreren Jahren auf Gesundheitsvorsorge geachtet, verweist eine Sprecherin. Dazu zähle eine Sozialberatung: Mitarbeitern werde bei Anliegen, die Einfluss auf psychisches Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit haben, Unterstützung zugesagt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei dabei ein wichtiger Punkt. Angeboten würden zudem Ernährungsberatung, Rückenschule, Pilates-, Yoga- und Faszientraining sowie Massagen und Physiotherapie. Für aktive Pausen stehen Sporträume zur Verfügung. Im städtischen Klinikum, wo es 2018 weniger krankheitsbedingte Ausfälle gab als 2017, gebe es in nahezu allen Bereichen Förderangebote, auch wenn es sich um seelische Beschwerden von Mitarbeitern handele, so ein Sprecher. Für sportliche Aktivitäten stelle das Klinikum Räume bereit. Außerdem werde zurzeit ein Physiotherapiecenter eingerichtet, das neben Patienten auch Mitarbeiter nutzen können.

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 5 Bewertungen
11Kommentare
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  • 3
    2
    HHCL
    21.10.2019

    @cn3boj00: Ich schrieb von Anspannung uns Stress und nicht von bewegungsarmen Faulpelzen!

  • 1
    7
    ArndtBremen
    21.10.2019

    Ich glaube nicht, dass auch nur einer von den Kommentatoren hier schon mal in der freien Wirtschaft arbeiten musste.

  • 3
    3
    cn3boj00
    21.10.2019

    @Lexisdark, zu den Gründen über ihren Frust über die Arbeit in der Kita kann und will ich nichts sagen. Dass ich nicht am Schreibtisch arbeite wird Sie verwundern?
    Aber darum ging es auch im Artikel nicht, sondern darum dass die Zahl der Skelttleiden zu- und der psychischen Erkrankungen abnimmt. Und da ist nun mal der Zusammenhang zwischen "Rücken" und Bewegung erwiesen, und die Abnahme von psychischen Erkrankungen widerspricht genau ihren Behauptungen.
    Und lieber @HHCL, dass Rückenprobleme von körperlicher Anstrengung kommen ist schon richtig, aber vor allem eben weil unser Körper das nicht mehr gewohnt ist, im Gegensatz zu früher, wo körperliche Arbeit noch deutlich häufiger und ausgeprägter war.

  • 12
    5
    Lexisdark
    21.10.2019

    @ cn3boj00 ich empfehle Ihnen mal ein mehrwöchiges Arbeiten zuerst in der Kita und dann im Hort, nur so als Einstieg. Dann verstehen Sie eventuell die Sachlage. Außerdem geht es nicht nur um physische Beschwerden sondern auch um psychische. Aber Hauptsache erstmal Unfug reden von Leuten die am Schreibtisch sitzen. Machen Sie wahrscheinlich.

  • 6
    5
    HHCL
    21.10.2019

    "Was nun aber "Dienst nach Vorschrift" mit zunehmender Zahl von Rückenleiden zu tun hat erschließt sich mir nicht."

    Das körperliche Anspannung und Stress sich sehr schnell auf den Rücken negativ auswirken kann, ist in der arbeitenden Bevölkerung jetzt kein so großes Geheimnis.

    Bezeichnend ist auch, dass Sie hier von Luxusproblemen reden und von vom Arbeitgeber organisierten Wellnesskursen und die anderen davon, dass Sie aufgrund der Arbeitsbedingungen die Schn... restlos voll haben; was offenbar auch am Gebaren der Ämter liegt.

    Besser kann man die arrogante Weltfremdheit der Behörden kaum illustrieren.

  • 14
    10
    cn3boj00
    21.10.2019

    Ich kann nicht beurteilen inwieweit sich das Rathaus als Arbeitgeber engagiert, wenn es um Vorsorge geht. Ich kann von meinem Arbeitgeber bestätigen, dass da über die Betriebskrankenkasse diverse Kurs direkt nach Feierabend auf der Arbitsstelle angeboten werden, und dass man sich sehr um Arbeitsplatzgestaltung, besonders bei Schreibtischarbeit bemüht. Was nun aber "Dienst nach Vorschrift" mit zunehmender Zahl von Rückenleiden zu tun hat erschließt sich mir nicht. Dies ist ganz eindeutig auf Bewegungsmangel zurückzuführen, Allgemein sind viele Schmerzen im Skelettbereich auf ungenügend ausgebildete Muskulatur zurückzuführen. Und jeder kann da etwas tun. Wenn man natürlich mit dem Auto möglichst bis an die Haustür muss, statt Treppen zu steigen sich rollen lässt, samt Fließbändern auf ebenen Strecken, auf denen man gut gleichzeitig gehen könnte, und auch sonst versucht Bewegung zu vermeiden ist das auch mit bester Vorsorge nicht zu kompensieren.

  • 10
    3
    881924
    21.10.2019

    CPärchen meldet sich aus dem Jugendamt sprich Theorie
    Lexisdark aus dem Kindergarten sprich Praxis
    Zwei Welten prallen aufeinander

  • 12
    2
    Pixelghost
    21.10.2019

    CPärchen, „Mitarbeiter der Stadt“ sind nicht nur die „Beamten“ an den Schreibtischen, sondern auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der städtischen Betriebe und Kindergärten, Außendienstler des Ordnungsamtes und noch so einige andere.

  • 17
    4
    Lexisdark
    21.10.2019

    @CP.... Dann sitzen "Ihre" Mitarbeiter wahrscheinlich auf ruhigen Plätzen. Speziell Erzieher sehen das anders.

  • 3
    19
    CPärchen
    21.10.2019

    Wie kommen sie zu dieser Aussage? Von keinem Mitarbeiter der Stadt hörte ich je solche Vorwürfe oder nahm sie wahr.

  • 23
    4
    Lexisdark
    21.10.2019

    Zu mehr Gesundheitsvorsorge könnte die Stadt Chemnitz schon beitragen, wenn sie ihr Personal nicht so herablassend regieren würde. Bei früher engagierten Leuten ist inzwischen die Dienst nach Vorschrift Mentalität üblich, aufgrund zunehmender Belastung ohne entsprechende Würdigung.



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