Sobotzik nach Rücktritt beim CFC: "Mir kam blanker Hass entgegen"

Thomas Sobotzik hat in einem Schreiben den Grund für seinen Rückzug als Geschäftsführer des Chemnitzer FC benannt. Der Kündigung von Stürmer Daniel Frahn widmete der 44-Jährige ebenfalls einen Abschnitt.

Chemnitz.

Eine Woche lang hat Thomas Sobotzik nach seiner Rücktrittsankündigung geschwiegen, nun erklärt sich der Noch-Geschäftsführer des Chemnitzer FC schriftlich - und drückt in klaren Worten aus, was bereits als Grund für den Rückzug des 44-Jährigen gemutmaßt wurde. "Was ich zuletzt an persönlichen Anfeindungen, Beschimpfungen und Drohungen erleben und erleiden musste, geht weit über das Maß hinaus, das verkraftbar ist", schreibt Sobotzik in der ausführlichen Erklärung, die der spätestens am Sonntag aus seinem Amt scheidende Sportdirektor der "Freien Presse" am Mittwoch zugeschickt hat.

Angesichts des Aufstiegs in die Dritten Liga, des Gewinns des Sachsenpokals und der nach Ansicht Sobotziks erheblich vorangekommenen finanziellen Konsolidierung habe der 44-Jährige nicht nachvollziehen können, "dass mir aus der aktiven Fanszene immer öfter blanker Hass entgegengeschlagen ist und ganz gezielt hier Leute aus dem rechten politischen Lager mit ihren rassistischen und antisemitischen Parolen den Verein und seine handelnden Personen in ein schlechtes Licht gerückt haben und mit ihren Aktivitäten die Basis für eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Arbeit akut gefährden". Gleich eingangs stellt Sobotzik außerdem klar, dass er keine weiteren Aussagen machen wolle.


Bereits vergangene Woche, einen Tag nachdem Sobotzik und auch Cheftrainer David Bergner ihre Rücktritte öffentlich verkündeten, hatte der Insolvenzverwalter des Vereins, Klaus Siemon, die Fanszene für den Schritt des Duos verantwortlich gemacht.

Wie Sobotzik in seinem Schreiben erläutert, habe er die Entscheidung, sich zurückzuziehen, bereits vor dem Auswärtsspiel am 23. August bei der zweiten Mannschaft von Bayern München getroffen. Nach der Partie hatte der Chemnitzer FC dem eigenen Anhang vorgeworfen, Sobotzik antisemitisch und Stürmer Tarsis Bonga rassistisch beleidigt zu haben. Der DFB ermittelt derzeit zu den Vorfällen.

Ein "einschneidendes Erlebnis" für Sobotzik war nach eigenen Angaben die Partie gegen den ZFC Meuselwitz Anfang Mai. Die Himmelblauen hatten durch das Remis den direkten Aufstieg in die Dritte Liga perfekt gemacht. "Noch während des Heimspiels gegen Meuselwitz, als ich kurz vor Abpfiff in die Fankurve gegangen bin, um alle zu beruhigen, weil ein Platzsturm drohte, wurde ich von einigen sogenannten Fans verbal beleidigt und bedroht sowie mit vollen Bierbechern beworfen und auch getroffen", schildert Sobotzik die Geschehnisse.

Zudem berichtet der einstige Profi von einem Vorfall nach dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV vor einem Monat. An diesem Abend habe ihm ein "Mitglied der aktiven Fanszene" aufgelauert und ihn dann bedrängt und beleidigt. Auch nach der Entscheidung, Stürmer Daniel Frahn wegen dessen mutmaßlicher Nähe zu Rechtsextremen fristlos zu kündigen, habe er per Whatsapp Bedrohungen erhalten.

Dem Thema "Kündigung von Daniel Frahn" widmet Sobotzik einen kurzen Abschnitt. Darin verweist er darauf, dass sich der Spieler "erst drei Wochen nach seiner Entlassung am 5. August von der rechtsradikalen Fanszene distanziert und offiziell erstmals angekündigt hat, sich 'strafrechtliche Schritte vorzubehalten, sollte sein Name weiterhin in Zusammenhang mit rechtsradikalen Beleidigungen verwendet werden'". Details zu dem Schreiben, das Frahn offenbar den CFC-Verantwortlichen zukommen ließ, und zur Entlassung des Profis nennt Sobotzik mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren nicht. Frahn hat Ende August Klage beim Arbeitsgericht Chemnitz gegen seine fristlose Kündigung eingereicht.

Trotz der Anschuldigungen zieht Sobotzik ein positives Fazit seiner Zeit beim CFC. Er bedaure nicht, im Mai 2018 den Posten beim Chemnitzer FC übernommen zu haben. Ob er Verantwortung an der sportlichen Krise - der CFC hat nach sieben Spieltagen noch keine Partie gewonnen und ist Tabellenvorletzter - übernimmt, dazu schreibt Sobotzik kein Wort. Er sei aber der Meinung, dass nun ein personeller Neuanfang auf seiner Position die Lösung ist.

In den verbleibenden Tagen seiner Amtszeit wird Sobotzik noch damit beschäftigt sein, mit den anderen Verantwortlichen einen neuen Trainer zu finden. Ob am Montag beim Auswärtsspiel der Himmelblauen in Unterhaching Interimstrainer Sreto Ristic oder ein neuer Coach auf der Bank sitzt, ist jedoch genauso offen wie die Frage, wer den am selben Tag vakant werdenden Posten Sobotziks übernehmen wird.

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 10 Bewertungen
13Kommentare
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  • 4
    4
    mathausmike
    12.09.2019

    Bei allem Verständnis für den Rücktritt von Sobotzik und seiner berechtigten Kritik(Bedrohungen bzw.Bierbecherattacken gehen gar nicht!)fehlt mir bei Ihm etwas Selbstkritik.
    Auch wenn ein Frahn 3 Wochen gebraucht hat ,sich von den Rechten zu distanzieren,hat er es immerhin geschafft.
    Mancher schafft es leider
    nie ,sich von einem falschen Wege abzuwenden!

  • 3
    6
    AliceAndreas
    11.09.2019

    @698236

    Das Bsp Aue macht keinen Sinn, weil es finanziell komplett von den Leonhardt Brüdern abhängig ist, von denen immer wieder gerettet und am Leben erhalten wurde.
    Was an sich ne feine Sache ist - aber trotz allem - ohne Leonhardt wäre auch Aue nur ein Team das zwischen Regio und 3. Liga pendeln würde, siehe Cottbus, Jena, Erfurt, Zwickau usw.
    Zuschauer CFC in Liga 3 ca 8.000 und Aue in Liga 2 ca 10.000.

    Inwiefern sich Chemnitz über viele Jahre einen schlechten Ruf erarbeitet hat müssten sie mal erklären. Mir ist tatsächlich nichts bekannt wie der CFC bis zur T.H. Minute negativ aufgefallen wäre.

    Generell würde es vielen Leuten helfen einfach mal ins Stadion zu gehen statt hier zu hetzen ... weil komischerweise kam von Zwickau Fans nach dem letzten Finale oder HSV Fans nur positives! Aber woher sollen die's wissen - die waren ja nur wirklich da.

  • 5
    4
    cn3boj00
    11.09.2019

    Hilft nur auflösen. Sogenannte Fans mit einem erheblichen Rechtspotenzial, ein göttlicher IV, der gegen alle und jeden klagt und doch nicht genug Geld zusammenbringt, und Vorstände / Trainer, die kommen und gehen und immer zwischen den Stühlen sitzen - das wird doch nichts mehr. Keine Seite will einlenken. Das Miteinander ist nur gespielt. Der gescheiterte Kompromiss des Notvorstandes, der dann noch von allen Seiten schlecht geredet wurde, war das letzte Aufbäumen. Gute Nacht.

  • 14
    9
    698236
    11.09.2019

    @aliceandreas: Ihr gehört wohl zu diesem destablisierenden Konsortium dazu. Fans kann man das ja nicht mehr nennen.
    Es ist ja leicht dem IV die Schuld zuzuschieben. Das hat ja vorher ja bei den Verantwortlichen funktioniert. Wenn die Chaoten meinen, mit dem unverantwortlichen Äußerungen die Macht zurückzugewinnnen, kann man nur soviel schreiben: der IV ist der König im Verein! Huligt ihn lieber, denn er versucht das Geld ran zu holen, damit überhaupt noch Profifussball in C gespielt wird. Als Parallele empfehle ich zum FC E Aue zu schauen. Die sind dem CFC um Längen voraus. Da können die so ernannten Fans Schmähgesänge auf Aue singen, die bringen immerhin einenn erhblich höheren Zuschauerschnitt und habe klare Organisationsstrukturen. Wenn das nicht dem IV gebilligt wird, neu aufzustellen, ohne die Dahergelaufenen Experten der letzten sieben Jahre, empfehle ich: BITTE den VEREIN AUFLÖSEN. So leid das mir tut. In Deutschland haben wir uns auf JAhre ein Renomee verschafft, da darf - ach nee - da muss man sich bei jeder Reise schämen und auch noch rechtfertigen. Das schaffen immerhin nur 0,...% von sogenannten Fans. Schade und äußerst traurig!!!!!
    Bitte nachdenken!!

  • 11
    8
    HHCL
    11.09.2019

    Ich muss mir nichts zusammen reimen, ich lese einfach nur, was Sie hier so von sich geben.

  • 7
    22
    AliceAndreas
    11.09.2019

    Was sich manche hier zusammen reimen über die Leute auf der Süd ist spektakulär.
    ... Deutungshoheit, Macht über den CFC ...

    Aber die Dutzenden von Klagen des IV ... gegen die Mitgliederverdammlung, gegen die Pflicht die Beiträge verpflichtend einzuziehen, gegen den Notvorstand, Haftanträge, usw ... alles Fakten. Das ist alles gut und positiv.

    Das man gegen 1860 fünftausend Leute verkrauelt hat - und ein Bergner die verbliebenen 3500 dann auch noch die Schuld an der Niederlage gibt ... alles Normal.

  • 18
    6
    HHCL
    11.09.2019

    Selbst nach dem Rücktritt ist es für einige offenbar noch nicht genug. Es wird weiter kräftig gekrätscht und gestänkert.

    Es verdeutlicht sehr schön, dass es hier einigen wirklich nur um die Deutungshoheit einiger und die Macht über den CFC geht.

  • 7
    21
    AliceAndreas
    11.09.2019

    @698236

    Egoismus und rücksichtsloses Verhalten ist dem IV und seinen Getreuen natürlich völlig fremd.

    Gegen 1860 fehlten übrigens wiederholt ALLE Fangruppierungen ALLER Blöcke. Dazu noch 5000 Leute weniger im Stadion gewesen.

  • 32
    9
    698236
    11.09.2019

    Respekt für die Leistung von Herrn Sobotzik. Es wird doch seit Monaten deutlich, woran der Verein krankt. Das geht von Egoismen über rücksichtsloses Verhalten der sogenannten Fangruppierungen der Südtribüne, die meinen, ihnen gehört der Verein und könnten mitbestimmen, ohne einen Cent für den Verein hinzulegen. Der Schaden, den die sogenannten Fans produziert haben, ist nicht gut zu machen. Da kann man nur plädieren: Drittliga Fussball ohne diese Chaoten, dass heißt, Vereinsausschluss. Dem CFC wäre damit geholfen!

  • 7
    22
    AliceAndreas
    11.09.2019

    @SimpleMan

    Also - bester Sportdirektor aller Zeiten - vllt ein wenig übertrieben!

    Ja, man hat um das Duo Frahn/Grote eine Stammelf gebaut die Platz 1 in der Regionalliga geschafft hat - aber für die aktuelle Mannschaft kann man das wohl nicht ganz sagen.
    Und die hohe Anzahl an Panikkäufen nach Saisonstart sind auch nicht das beste Zeugnis.

    Warum waren Sobotzik/Bergner eigentlich so unbeliebt, stand da zufällig etwas in den Foren?

  • 19
    3
    SimpleMan
    11.09.2019

    Ergänzen möchte ich noch die Überschrift aus dem CFC-Forum, nach dem Rücktritt von Trainer und Sportdirektor: "Vollzug: Thomas Sobotzik und David Bergner werfen hin" ...

  • 36
    9
    SimpleMan
    11.09.2019

    @AliceAndreas " ... Herr Bergner und Hr Sobotzik da weiter wo sie aufgehört haben. ..." Das trifft wohl er für Sie zu. Wenn man im CFC-Forum die Kommentare zu den Beiden ließt, dann muss man sich eher wundern, dass sie nicht schon eher gegangen sind. Mit Herrn Sobotzik geht der beste Sportdirektor, der je beim CFC war.

  • 11
    40
    AliceAndreas
    11.09.2019

    Lustiger Zufall ... während der CFC heute auf seiner Homepage vermeldet das es am Montag ein Treffen zwischen Verein und Fanvertretern gab - es also wieder ein MITEINANDER gibt - machen Herr Bergner und Hr Sobotzik da weiter wo sie aufgehört haben. Schuld? Immer NUR die anderen.



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