Stadt ernennt Tierpark-Professor zum Ehrenbürger

Klaus Eulenberger erhält die Auszeichnung für seine Verdienste um den Amerika-Zoo. Dabei hatte sich der 75-jährige Tierarzt seinen Ruhestand eigentlich anders vorgestellt.

Limbach-Oberfrohna.

Als Klaus Eulenberger 2009 in den Ruhestand ging, nahm er sich vor, regelmäßig Vögel zu beobachten und viel Sport zu treiben. Es blieb allerdings meist beim Plan. "Es ist anders gelaufen, als es ich es mir vorgestellt habe", stellt der 75-Jährige heute fest. Denn ins Fitnessstudio schafft er es nur einmal pro Woche, und auch die Ornithologie kommt zu kurz. Trotzdem ist der Veterinärmediziner und frühere Cheftierarzt des Leipziger Zoos nicht unzufrieden, wenn er auf die vergangenen knapp zehn Jahre zurückblickt. "Ich verfolge ein Projekt, das eine höhere Ebene erreicht, als es meine Hobbys je könnten", sagt Eulenberger. Er meint damit sein Wirken als Vorsitzender des Tierpark-Fördervereins in Limbach-Oberfrohna.

Jeden Tag setzt sich Klaus Eulenberger in seinem Haus, das im thüringischen Langenleuba-Niederhain unweit der Landesgrenze zu Sachsen steht, an seinen Schreibtisch. Er schreibt und beantwortet E-Mails, er telefoniert. Er nimmt Kontakt mit anderen Zoos auf, stimmt sich mit seinen Kollegen aus dem Vereinsvorstand ab und bereitet Veranstaltungen vor. "Jeden Tag kommen bestimmt sechs Stunden zusammen. Meine Frau sagt, dass ich nur den Tierpark im Kopf habe. Dabei ist auch sie Mitglied im Förderverein", sagt Eulenberger und lacht. Allein jeder Tiertransport erfordere fünf E-Mails und zehn Telefonate. Schließlich muss geklärt werden, welches Tier wo und wann mit welchem Transporter abgeholt wird und ob vielleicht noch ein weiteres Tier in den Amerika-Tierpark gebracht werden kann, wenn Eulenberger oder ein anderes Mitglied des Fördervereins einmal unterwegs ist.

Das Engagement des gebürtigen Limbachers, der 1962 am heutigen Albert-Schweitzer-Gymnasium sein Abitur ablegte, will die Stadt mit einer besonderen Auszeichnung würdigen: Der Stadtrat hat am Montagabend einstimmig beschlossen, dass Eulenberger zum Ehrenbürger ernannt wird. Der Titel soll Mitte Januar beim Neujahrsempfang in der Stadthalle vergeben werden. Als Oberbürgermeister Jesko Vogel kürzlich Eulenberger anrief und fragte, ob dieser die Ehrenbürgerwürde annehmen würde, "war ich ziemlich überrascht", sagt der verheiratete Vater von zwei Kindern. Eine Ablehnung sei für ihn nicht in Frage gekommen. Es sei eine große Ehre, künftig in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie Heinrich Mauersberger genannt zu werden.

Wie Vogel im Stadtrat ausführte, habe Eulenberger "Außerordentliches geleistet - physisch und intellektuell. Er hat wissenschaftliche Expertise eingebracht, die wir vorher noch nicht hatten." Der Veterinärmediziner promovierte und habilitierte zu DDR-Zeiten, weshalb er noch heute in Limbach-Oberfrohna meist nur "der Professor" genannt wird. Zudem war und ist er Mitglied in wissenschaftlichen Verbänden und Beiräten. CDU-Fraktionschef Jürgen Zöllner machte auf Eulenbergers hervorragende Kontakte zu anderen Zoos und Tierparks aufmerksam: "Deshalb können bei uns Tiere gezeigt werden, die wir uns sonst nicht leisten könnten."

Als der Veterinärmediziner 2009 den Posten des Fördervereinschefs übernahm, gab es weder ein Flamingo- noch ein Pinguinland. Der von ihm ausgearbeitete Masterplan, der den Umbau der Anlage zum Amerika-Tierpark vorsieht, schuf die Grundlage für die neuen Attraktionen. Diese wiederum haben großen Einfluss auf die Besucherzahlen: 2009 wurden etwa 40.000 Gäste gezählt, im vergangenen Jahr waren es rund 90.000. Auch finanziell greift der Förderverein der Stadt unter die Arme. Pro Jahr stellen die etwa 160Mitglieder laut Eulenberger zwischen 50.000 und 100.000 Euro für Bauprojekte zur Verfügung - in Form von Geld oder als Eigenleistung. So finanzierte der Verein den Anbau an die Tierparkschule komplett. Das Geld stammt vor allem von Sponsoren und Spendern.

Eulenberger legt Wert auf die Feststellung, dass diese Bilanz nicht nur auf ihn, sondern auf den gesamten Verein zurückgeht. "Wenn ich eine Idee äußere, gibt es sofort eine Gruppe von Leuten, die sie umsetzt." In Fragen der Finanzen und der Buchhaltung kenne er sich zum Beispiel nicht aus, könne sich aber auf seine Kollegen im Vorstand verlassen. Seine Amtszeit, die bis 2021 dauert, will der Tierpark-Experte erfüllen. Danach wolle er den Posten als Vereins-Chef wahrscheinlich jemand Jüngerem übergeben.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich Eulenberger dann als fast 80-Jähriger völlig zurückziehen wird. Er verweist auf seinen Vater, der ebenfalls Mitglied des Tierpark-Förderverein ist. "Obwohl er 99 ist, versäumt er keine unserer Veranstaltungen."


Erste Verleihung seit 1963

Wenn Klaus Eulenberger im Januar 2019 die Ehrenbürgerwürde erhält, ist das die erste Verleihung des Titels in der Stadt seit 1963. Damals wurde der Malimo-Erfinder Heinrich Mauersberger ausgezeichnet. Insgesamt wurde der Titel nur sechsmal vergeben, darunter an Reichskanzler Otto von Bismarck und die im Sozialwesen engagierte Anna Esche.

Ehrenbürger erhalten eine Urkunde und dürfen sich in das sogenannte Ehrenbuch eintragen. Sie werden zu besonderen Veranstaltungen in der Stadt eingeladen. Die Auszeichnung

erlischt offiziell mit dem Tod. (jop)

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