Stadtgeflüster : Grünen-Chef Habeck feiert in Chemnitz

Warum es den Parteivorsitzenden auf den Kaßberg zog und wie Radsprinter Joachim Eilers in eine Gruppe Kultur-Ladys kam.

Joachim "Jo" Eilers, Radsprinter, musste eine Menge Fragen beantworten. Wo arbeitest Du, wenn Du nicht im Sattel sitzt? Fährst Du auch Radrennen auf der Straße? Wie fühlt sich ein Sport-As denn plötzlich mitten unter Kulturleuten? Mit breitem Lachen und viel Geduld erklärte er dann, dass er bei der Bundespolizei angestellt sei, dass er ausschließlich Bahnradsport betreibe, dass sich auch Sportler für Kultur interessieren und er sich daher zwischen Kulturschaffenden pudelwohl fühlen würde. Den Beweis trat er am Samstag an, als das 100 Meter lange Sommerfest auf dem Kaßberg gefeiert wurde. Jo Eilers war an dem Tag Mitglied einer sechsköpfigen Jury, der unter anderem auch Gunzenhauser-Kuratorin Anja Richter, Künstlerin Kerstin Lesselt und die langjährige Kraftwerk-Vereinschefin Ute Kiehn angehörten. Nachdem sich die Juroren also kennen gelernt hatten, zogen sie die Franz-Mehring-Straße einmal hoch und einmal runter und bewerteten, wie kreativ die Hausgemeinschaften ihre Eingänge und Vorgärten für das Fest geschmückt hatten. Und weil es draußen heiß war und die Juryleute auch ziemlich heiß diskutierten, wer denn nun gewinnen möge, spendierte Michael-Paul Milow, der als sommerlich gekleideter Weihnachtsmann den Jury-Tross anführte, eine Runde Bier. Auch die bekannteste Weinhändlerin im Viertel hob den Bierkrug und musste sich fragen lassen: Warum Hopfen- statt Rebensaft? Sylke Rothe, ebenfalls Jury-Mitglied und Jacques-Depot-Inhaberin, ist beim Durstlöschen flexibel: "Das hat jetzt gut getan", atmete sie durch.

Ulf Kallscheidt (Foto), politisch aktiver Galerist, hat mit seiner Hausgemeinschaft den Kreativwettbewerb des Sommerfestes auf dem Kaßberg gewonnen. Vor seinem Wohnhaus hatte er eine mobile Wahlkabine aufgestellt. Mit beklebten Würfeln ließ er Koalitionen ausloten. Die Festbesucher konnten Sprüchezettel pflücken. In Schnapsgläschen gab es Limonaden in Parteifarben. Und in die Wahlkabine konnte man sich zum ruhigen Plausch zurück ziehen. Weil sie das brandaktuelle Thema Wahl unterhaltsam und trotzdem Eindruck hinterlassend umgesetzt hatten, wurden die Kallscheidts und ihre Nachbarn mit dem großen Jury-Präsentkorb ausgezeichnet. Darin befanden sich Geschenke und Gutscheine aller 30 Lokale und Geschäfte, die am Fest teilgenommen hatten.

Robert Habeck, einer der Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, tauchte plötzlich auch beim Kaßberg-Sommerfest auf. Bereits Mitte August war er auf Wahlkampftour in der Stadt gewesen. Nun wollte er Chemnitz unbedingt noch mal ohne großes Aufsehen um seine Person erleben. Also hatte er sich unangekündigt unter die insgesamt 5000 Besucher gemischt. "Zwei Stunden ist er geblieben, hat mit den Menschen gequatscht und ist entspannt über das Fest geschlendert", freute sich Buchhändler Klaus Kowalke anschließend. Er konnte den Politiker dann doch noch zu einer offiziellen Aufgabe überreden. Im Bücherladen auf dem Kaßberg sind derzeit drei Bücher aus der Feder des einst hauptberuflichen Schriftstellers bestellbar. Einige der Exemplare signierte Robert Habeck nun.

Arba Manillah, Erzieher, schwenkte am Samstagnachmittag in knallbuntem Blumen-Anzug eine Bob-Marley-Flagge und wog die Hüfte zu Reggae-Musik. Der Chemnitzer, der 2003 aus seinem Geburtsland Tansania nach Deutschland gekommen war, ist der Gründer des Vereins Kukaye Moto Culture Center. Dieser bietet eine offene Bühne für Kultur, vor allem für Musik. Am Samstag feierte Manillah gemeinsam mit vielen anderen Musikern nun im Garten des Hauses Arthur das Karl-Mixer-Mob-Festival. "Der Name ist eine Mischung aus Karl-Marx-Stadt und einer Mixtur verschiedener Künstler und Kulturen, die sich vereinigen", so Arba Manillah. Es sei eine tolle Gelegenheit, Musiker aus der Region, aber auch überregional zusammen zu bringen, hatte Ferenc Csák, Leiter des Chemnitzer Kulturbetriebes, bereits im Vorfeld gelobt. Der Verein brachte aber nicht nur die Partyszene der Stadt schon am Nachmittag zum Tanzen, er kümmert sich an anderen Tagen auch um Schulprojekte in Tansania.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 10
    14
    ArndtBremen
    02.09.2019

    Viel zu feiern gabs für den Herrn ja dann wohl nicht. Chemnitz ist eine schöne grüne Stadt. Auch ohne eine gleichfarbige Partei.



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