Stadtratswahl: Wer schickt welche Kandidaten ins Rennen?

WAHLEN 2019 Ob alte Hasen oder junge Wilde, ob Frauenpower oder Herrenpartien: Die Parteien und Vereinigungen haben ganz unterschiedliche Bewerberriegen aufgestellt. "Freie Presse" gibt einen Überblick.

Fast 400 Chemnitzerinnen und Chemnitzer bewerben sich zur Kommunalwahl am 26. Mai um einen der 60 Sitze im Stadtrat. Damit ringen rechnerisch fast sieben Bewerber um je ein Mandat. Gut zwei Drittel der aktuell amtierenden Stadträte treten erneut an.

Das Spektrum der Parteien und Vereinigungen, die Kandidaten aufgestellt haben, umfasst zehn Gruppierungen. Außer der rechtsextremen NPD, die 2014 ein Mandat erringen konnte, sind alle vor fünf Jahren angetretenen Listen erneut dabei - CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP, AfD, die Wählervereinigung Volkssolidarität (Vosi), ProChemnitz und "Die Partei". Besonderheit: Die Piraten, die beim letzten Mal knapp zwei Prozent der Stimmen holten, haben diesmal eine offene Liste namens "Chemnitz für alle" aufgestellt. Auch für andere Parteien und Vereinigungen treten keineswegs nur deren eigene Mitglieder an. "Viele Menschen hatten seit den Ereignissen vergangenen Jahres das Bedürfnis, sich einzubringen, und haben uns angesprochen", bestätigt Tim Detzner, Vorsitzender des Stadtverbandes der Linken.


Die meisten Kandidaten schicken Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen. Insgesamt 74 Chemnitzer und Chemnitzerinnen treten für sie an. Mit deutlichem Abstand folgen FDP (59 Kandidierende), CDU (58) und SPD (56). Die kleinste Bewerberriege hat der lokale Ableger von "Die Partei" aufgestellt. Sie zählt zehn Kandidaten - auch deshalb, weil nicht in jedem Wahlkreis die erforderliche Anzahl von Unterstützerunterschriften vorgelegt werden konnte. Ebenfalls eher kleinere Listen weisen "Chemnitz für alle" und Vosi auf.

Die meisten Frauen gehen für Bündnis 90/Grüne ins Rennen. Sowohl in Summe (32) als auch anteilig (43 Prozent) liegt die Partei bei weiblichen Kandidaten ganz vorn. Kein Zufall; innerparteilich wird angestrebt, etwa die Hälfte der Listenplätze mit Frauen zu besetzen. Überdurchschnittlich viele Bewerberinnen weisen zudem die Listen von Vosi und die SPD auf. Der Frauenanteil über alle Bewerber hinweg liegt bei 30 Prozent. Schlusslicht ist die AfD. Nur zwei ihrer 25Stadtratskandidaten sind Frauen. In sechs der acht Wahlkreise tritt die Partei mit reinen Herrenriegen an.

Jüngste Bewerberin unter allen Kandidaten ist die 19-jährige Studentin Lisa Buchert. Sie tritt im Wahlkreis 1 für die Volkssolidarität an. Mit Tina Dutschke - sie ist ebenfalls Studentin - kandidiert zudem eine 20-Jährige bei den Linken. Die Älteste unter den jeweils jüngsten Bewerbern der einzelnen Parteien ist mit 30 Jahren Diana Rabe aus Grüna, die für die AfD kandidiert. Die insgesamt jüngste Truppe geht für die Liste "Chemnitz für alle" an den Start. Das Durchschnittsalter ihrer Bewerber liegt bei 32 Jahren. Eine ähnlich junge Kandidatenriege weist nur noch "Die Partei" auf. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter aller 397 Stadtratskandidaten beträgt gut 46 Jahre.

Die ältesten Kandidaten finden sich mit jeweils 79 Jahren in den Reihen von FDP, SPD und Pro Chemnitz. Bekanntester unter ihnen dürfte Dieter Füßlein sein, der dem Stadtrat seit 2004 angehört und erneut für die Freien Demokraten antritt. Jüngster unter den Ältesten ist mit 53 Jahren Literaturwissenschaftler Wolfram Ette von der TUChemnitz, der sich für "Chemnitz für alle" um ein Mandat bewirbt. Das mit Abstand insgesamt älteste Bewerberfeld hat Pro Chemnitz aufgestellt. Das Durchschnittsalter der knapp 50 Kandidaten liegt bei rund 60 Jahren; etwa jeder dritte Bewerber der vom Verfassungsschutz mittlerweile als "extremistisch" eingestuften Gruppierung ist 70Jahre und älter.


Kommunalwahl am Stadtrand: Parteien und Vereine ringen um Sitze in den Ortschaftsräten

Die Kommunalwahl am 26. Mai umfasst in Chemnitz auch die Wahl von Ortschaftsräten in den Stadtteilen Einsiedel, Euba, Grüna, Klaffenbach, Kleinolbersdorf-Altenhain, Mittelbach, Röhrsdorf und Wittgensdorf. Dort stehen neben im Stadtrat etablierten Parteien und Vereinigungen meist auch örtliche Listen zur Wahl, etwa die Freien Wählervereinigungen Röhrsdorf bzw. Kleinolbersdorf-Altenhain, der Heimatverein Mittelbach oder die Freien Wähler Klaffenbach.

Die meisten Bewerber für einen Sitz im Ortschaftsrat gibt es in Einsiedel, wo 24 Kandidaten von fünf verschiedenen Listen zur Wahl stehen (CDU, Bündnis 90/Grüne, Pro Chemnitz, Bürgerliste Einsiedel, Haus und Grund). In Euba hingegen gibt es nur elf Bewerber von drei verschiedenen Listen (Eubaer Wählerverein, CDU, AfD). Insgesamt stellen sich über alle acht Ortsteile mit eigenen Ortschaftsräten hinweg 139 Kandidaten zur Wahl.

Die Anzahl der Sitze in einem Ortschaftsrat variiert von Stadtteil zu Stadtteil. Sie ist in der Hauptsatzung der Stadt Chemnitz festgelegt und korrespondiert mit der Einwohnerzahl - je größer die Ortschaft, desto größer der Ortschaftsrat. Aktuell größtes der acht Gremien ist der Ortschaftsrat in Grüna (5300 Einwohner) mit 14 Mitgliedern, kleinster ist der Ortschaftsrat in Kleinolbersdorf-Altenhain (2200 Einwohner) mit acht Mitgliedern. (micm)

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    Blackadder
    27.05.2019

    Na da wollen wir doch mal die Vorhersage vom 371 vergleichen:

    vorn Vorhersage - dahinter: Ergebnis

    CDU 20% 19,93%
    Linke 18% 16,74%
    SPD 12% 11,6%
    Grüne 12% 11,5%
    ProChemnitz 15% 7,7%
    AfD 13% 17,9%
    FDP 5% 7,39%
    Vosi 2% 2,27%
    Chemnitz für alle 2% 1,97%
    Die PARTEI 1% 2,96%

    "Da kann man ja mal diskutieren. Ich bezweifele ja, dass ProChemnitz über 10% kommt, dafür sehe ich die AfD höher."

    Na da lagen das 371 in Kombination und ich mit meiner Anpassung (AfD mehr, PC weniger) gar nicht mal so verkehrt.

  • 3
    2
    Blackadder
    08.05.2019

    @881924: Lieber Herr L.: Andere Stadtratsmitglieder kommentieren hier auch (z.B. Detlev Müller von der SPD) aber immer mit offenem Visier und mit echtem Namen und geben auch nicht vor, etwas zu sein, was sie nicht sind. Bei PC ist das offenbar so üblich.

  • 4
    6
    881924
    07.05.2019

    Gute Idee ich wähle mich selber.

  • 5
    6
    Blackadder
    07.05.2019

    @881924: " neu in der Politik ohne es finanziell oder Kariere technisch nötig zu haben."

    Sie wissen aber schon, dass der Posten im Stadtrat ehrenamtlich ist?

    Und keine Ideen mit fehlender Mannpower zu entschuldigen ist lau. Entweder man hat Ideen für Chemnitz oder man hat sie nicht.

    Könnte es sein, dass Sie in Wirklichkeit selbst diese Person sind, die sie hier vorgeben, wählen zu wollen ? Nur so als Idee?

  • 4
    5
    sunhiller
    07.05.2019

    @Blackadder...
    allerdings hätten die von Ihnen verschmähten Rentner den ganzen Tag Zeit, sich mit den, von Ihnen angesprochenen, Themen auseinander zu setzen.
    Sie würden es mit Sicherheit nicht als zeitraubenden Zweitjob betrachten.
    Zu Ihren Wahlprogrammen: Was nützen mir mehr als 30 Seiten davon, wenn dann in der Legislaturperiode nur die Hälfte angesprochen, geschweige denn umgesetzt wird.

  • 6
    7
    881924
    07.05.2019

    @Blackadder bei einem >60 jährigen indirekt den fehlenden Weitblick zu unterstellen ist schon etwas frech vor allem „diese nach mir die Sinn Flut Gedanke“ ist schon absurd. Ich behaupte das Gegenteil die Person die ich wähle ich neu in der Politik ohne es finanziell oder Kariere technisch nötig zu haben. Nur weil er etwas verändern bzw. Mitwirken will in seiner Heimatstadt. Gerade dieses Alter hat schon viel erlebt DDR Zeit, Wende, verrückte Nachwende und viel weitere Jahre. Für Weitblick braucht es manchmal auch etwas Überblick über die Vergangenheit.

    Gerade die Themen, Bildung, Schule, Kita Verkehr sind da absolut aktuell sei es durch tägliches Arbeitsleben, Kinder und Enkelkinder.
    Und genau dafür gibt es ja einen Mix aus jung und alt.
    Niemand will nur eine Partei im Stadtrat.

    Bei dem Wahlprogrammen geben ich Ihnen recht das liegt aber zum Teil echt auch an der Manpower. Wenn man mal gesehen hat wie das bei den Großen Parteien läuft vor allem die große Abteilungen auf Bundes oder Landtagsebene hinter sich haben.
    Oder der Lokführer mit seinen Angestellten wie soll das eine kleinere Partei abdecken.

  • 9
    2
    Blackadder
    07.05.2019

    Eine sehr gute Homepage zur Chemnitzer Wahl ist

    https://www.fog-institut.de/wahlen-2019-in-chemnitz/

    Da findet man sowohl die Wahlprogramme aller Parteien verlinkt, als auch die Musterwahlzettel aller Wahlkreise und die Ergebnisse der letzten Wahlen sehr übersichtlich. Ich hoffe der Link geht durch, aber die Seite ist seriös.

  • 6
    13
    Interessierte
    07.05.2019

    Falsch , @Blackadder , ich habe ihn gar nicht gelesen ...
    Und hier oben stehen 10 Parteien x 10 = 100

    Und 61 Jahre finde ich gut , die Männer sind im besten Alter , gut gebildet aus DDR-Zeiten ( wenn es DDR´ler sein sollten ) , viel Lebenserfahrung , ausgeglichen und 30 Jahre Schikane hinter sich .. ;-)
    Ich lese aber ganz bestimmt keine 400 Lebensläufe .................

  • 7
    7
    Blackadder
    07.05.2019

    @881924: Natürlich spielt das Alter eine Rolle. Wer der über 70jährigen wird denn die volle Tragweite seiner langfristig wirkenden Entscheidungen für Chemnitz noch erleben? Was denken Sie, warum Schüler bei #fridaysforfuture auf die Straße gehen und nicht Rentner? Weil da bei vielen schon die Einstellung "und nach mir die Sintflut" verbreitet ist, ja keine Einschränkungen des eigenen Wohlstandes! Und wie sollen Rentner im Stadtrat die Probleme derjenigen verstehen, die jeden Tag durch die Stadt zur Arbeit im Stau stehen, keine Kindergartenplatz bekommen oder welcher Unterricht an den Schulen ständig ausfällt?

    Ein Stadtrat soll die ganze Breite der Bevölkerung abbilden. Eine Partei mit einem Altersdurchschnitt von 60 kann das nicht.

    Ich würde auch gerne mal auf die Wahlprogramme eingehen, die ja von einigen Parteien recht ausführlich sind (Grüne, Linkspartei, SPD jeweils über 30 Seiten) und andere nur ein paar Allgemeinplätze aufgeschrieben haben (Homepages ProChemnitz und AfD nur jeweils 2-3 Seiten? - Kein Wort zu wichtigen Themen, wie z.B. Kultur?). Es gibt ja leider keinen Wahlomat für Chemnitz, das wäre aber auch nicht möglich, weil sich eben die letztgenannten offenkundig gar nicht so viele Gedanken zu Chemnitz gemacht haben. Schade.

  • 3
    10
    881924
    07.05.2019

    PS: Pro Chemnitz bekommt über 10% aber keine 15%
    AFD dafür nur 9% die Chemnitzer AFD ist in Chemnitz einfach zu farblos
    ohne lokale Aspekte und stehen zu sehr unter dem Druck der Bundes-AFD

  • 3
    9
    881924
    07.05.2019

    Einfach mal die Webseiten der Kandidaten (nicht der Parteien) bzw. deren Lebenslauf ansehen. Wer heutzutage keine Webseite oder Social Media Seite hat den wähle ich auch nicht. Zum Thema Alter, ich wähle einen 61 jährigen und er hat eine Webseite und ist auf Social Media Kanälen unterwegs so kann ich mich über ihn informieren und habe seinen Standpunkt zu akt. Themen. Ihr seht, das Alter spielt kaum eine Rolle.

  • 6
    5
    Blackadder
    07.05.2019

    Nach mehrmaligem Lesen Ihres Kommentars, liebe Interessierte, glaube ich nun zu verstehen, worauf Sie hinauswollen: es geht um meinen Kommentar, die AfD habe sehr wenige Kandidaten.

    Ihr eigener Vorschlag, jeweils nur 10 Kandidaten pro Partei hinkt aber gewaltig, denn der Chemnitzer Stadtrat hat 60 Mitglieder. Hätte jede antretende Partei nur 10 Kandidaten, dürfte sie nicht mehr als 16% bei der Wahl erreichen, denn damit wäre ihr Kontingent schon ausgeschöpft.

  • 4
    10
    Interessierte
    07.05.2019

    Da man vielleicht ´selber` erst einmal aussortieren nach den Fähigkeiten für dieses Amt und reduzieren , vielleicht bis auf jeweils 10 Leute , so , wie es jeder andere Betrieb auch macht , und dann sollte man diese Leute mal vorstellen , wie soll man sich denn sonst entscheiden , da ist man doch überfordert ...

  • 5
    3
    sunhiller
    07.05.2019

    @DTRFC2005...
    Das ist natürlich eine Frage der persönlichen Einstellung, des Alters und des Interesses am eigenen Wohlergehen. Aber gute Frage !
    Ich würde noch einen dritten Kandidaten ins Rennen werfen: Der, der die Polizei endlich auf neuesten Stand in Bezug auf Ausbildung und Ausrüstung bringt.

  • 4
    5
    DTRFC2005
    07.05.2019

    Da würde ich mal interessehalber eine Frage in die Runde werfen. Angenommen man hätte die Wahl zwischen folgenden Kanditaten. Der eine hat Geld im Überfluss und sagt, wenn ihr mich wählt, würde ich sofort alle Schulen und Kindergärten sanieren. Der andere sagt, wenn ihr mich wählt, sorge ich dafür, das ihr mit euren Dieselfahrzeugen in der Stadt keine Fahrverbote erdulden müsst. Nun, wenn würdet ihr wählen.

  • 15
    8
    Blackadder
    07.05.2019

    Sehr interessante Übersicht, vor allem die Altersstruktur. Es fällt schon auf, dass gerade bei ProChemnitz fast nur alte Männer auf den Plakaten zu sehen sind, aber dass der Altersdurchschnitt so extrem ist, hätte ich nicht gedacht. Auch mein Eindruck, dass die AfD nur sehr wenige Kandidaten überhaupt hat und darunter fast keine Frauen sind, hat sich ja bestätigt. Das ist ja auch die Partei, bei der der Unterschied im Wahlverhalten von Frauen und Männern zur letzten Bundestagswahl am größten war.

    Ich bin wirklich gespannt auf das Ergebnis, auch weil es ja keine repräsentativen Umfragen hierzu gibt, dazu ist Chemnitz zu klein.

    Die letzte Bundestagswahl kann eine ungefähre Richtung vorgeben, aber die AfD muss sich ja diesmal die Stimmen mit ProChemnitz teilen und wird also dadurch weitaus weniger haben als 2017. Das 371 Stadtmagazin hat sich ja den Spaß gemacht und eine Prognose in der Maiausgabe stehen:

    CDU 20%
    Linke 18%
    SPD 12%
    Grüne 12%
    ProChemnitz 15%
    AfD 13%
    FDP 5%
    Vosi 2%
    Chemnitz für alle 2%
    Die PARTEI 1%

    Da kann man ja mal diskutieren. Ich bezweifele ja, dass ProChemnitz über 10% kommt, dafür sehe ich die AfD höher.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...