Standortsuche für Markt am Kapellenberg

Die Leipziger Konsumgenossenschaft will im Stadtteil investieren. Laut dem Rathaus gibt es bereits eine bevorzugte Variante dafür.

Kapellenberg.

Unzufriedenheit weicht am oberen Kapellenberg neuer Hoffnung. Ein Beitrag in der gestrigen "Freien Presse" und ein Bürgerforum am Nachmittag im Altenpflegeheim "Am Goetheplatz" haben vor allem den vielen älteren Einwohnern Mut auf eine Verbesserung ihrer Einkaufssituation schon in absehbarer Zeit gemacht.

Im Zeitungsartikel hatte der Vorstand der Konsumgenossenschaft Leipzig, Dirk Thärichen, die Eröffnung mehrerer neuer Läden angekündigt, darunter einer Filiale am Kapellenberg. Und auf dem Bürgerforum zum Thema Nahversorgung, zu dem die Bürgerinitative Kapellenberg eingeladen hatte, informierte Baubürgermeister Michael Stötzer im voll besetzten Saal über den aktuellen Stand der Suche nach einem geeigneten Standort. Denn daran seien bisher alle Versuche gescheitert, einen Investor zu finden, der im Bereich Goetheplatz/Stollberger Straße wieder einen Markt errichtet. Handelsketten suchten in der Regel Grundstücke für Märkte mit 1000 und mehr Quadratmetern. Solche Flächen seien aber am oberen Kapellenberg keine mehr frei, so der Baubürgermeister.

Doch die Leipziger Konsumgenossenschaft, die im Oktober 2017 ihren ersten Chemnitzer Laden im Rosenhof eröffnet hat, setzt auf kleinere Filialen. Für den Kapellenberg plant sie nach Stötzers Worten einen Markt mit 380 bis 400 Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Stadtverwaltung habe dem Unternehmen dafür den Parkplatz an der Stollberger/Ecke Parkstraße an der Einfahrt zum Chemnitzer Schulmodell angeboten. Dort steht derzeit noch ein Verkaufswagen der Bäckerei Voigt als einziger Nahversorger im Viertel. Die Bäckerei wird demnächst eine neue Filiale im Anbau des Wohnhauses beziehen, das auf dem Standort des früheren Edeka-Nah-und-Gut-Marktes auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstanden ist. Laut Gunther Kermer, Geschäftsführer der Baufirma KPM, die das Wohnhaus errichtet hat, soll die Bäckereifiliale mit Café am 15. Juli eröffnet werden und einschließlich sonntags auch Produkte wie Milch und Butter anbieten.

Stötzer zufolge liefen derzeit noch abschließende Untersuchungen, ob der Standort tatsächlich für den Markt geeignet ist. Innerhalb eines Monats werde die Entscheidung fallen. Da das Grundstück der Stadt gehöre und der Markt so klein sei, könne er ohne langwieriges Planverfahren errichtet werden. Die Konsumgenossenschaft bevorzuge selbst diesen Standort, weil sie neben den überwiegend älteren Anwohnern auch auf die Eltern der Schüler des Chemnitzer Schulmodells als Kunden hoffe, so Stötzer.

Die Bürgerinitiative Kapellenberg, die sich wegen der Schließung des Nah-und-Gut-Marktes 2014 gegründet hat und seitdem für einen neuen Markt engagiert, will das Vorhaben weiter begleiten. "Das ist jetzt unsere Chance", sagte ihr Sprecher Jürgen Ulrich und forderte die überwiegend älteren Gäste des Forums auf, sich klar für oder gegen den Markt-Standort zu positionieren und dort einzukaufen, wenn die Entscheidung gefallen sein wird. Er erntete viel Zustimmung.

Zu den Problemen bei der wohnortnahen Lebensmittelversorgung am oberen Kapellenberg war es gekommen, nachdem der Bauausschuss des Stadtrates im November 2013 einem neuen kleinen Einkaufszentrum mit Penny- und Getränkemarkt an der Neefestraße/ Einmündung Mozartstraße zugestimmt hatte. Wenige Monate später, im Juni 2014, schloss der Nah-und-Gut-Markt an der Parkstraße, aus "betriebswirtschaftlichen Gründen", wie es hieß. Der frühere Penny-Markt an der Neefestraße stand ein Jahr leer. Er hat zwar wieder geöffnet, ist den älteren Bewohnern des oberen Kapellenbergs aber zu weit entfernt. (mit hfn)

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