Streit um Verkauf der Post in Limbach-Oberfrohna

Für das Gebäude an der Moritzstraße gibt es mehrere Interessenten. Die Stadt will sich ein- mischen. Doch damit sind nicht alle einverstanden.

Limbach-Oberfrohna.

Befragt man Kunden der Deutschen Post in Limbach-Oberfrohna zum Zustand des Gebäudes an der Moritzstraße, ist der Tenor meist ähnlich. "Äußerlich miserabel", sagt ein Mann mittleren Alters. "Es könnte mal was dran gemacht werden", stellt eine junge Frau fest. Gabriele Tauber wünscht sich, dass das Gebäude, das größtenteils leer steht, eine neue Nutzung erhält. "Vielleicht könnte es ein Ärztehaus werden, wie es sie zu DDR-Zeiten gab", schlägt die Limbach-Oberfrohnaerin vor. Allerdings vermutet Tauber, dass eine Sanierung sehr teuer wäre. "Mindestens müssten neue Fenster und ein neuer Anstrich her", sagt sie.

Auch Gabriele Hilbig ärgert sich schon lang über den Zustand des Postgebäudes, das um das Jahr 1910 gebaut wurde und 1911 das damalige Postamt am Ludwigsplatz ablöste. "Das Gebäude verfällt zusehends. Es werden nur die nötigsten Reparaturarbeiten gemacht", sagt die CDU-Stadträtin. Zudem stellten die Treppenstufen vor dem Eingang eine Barriere für Kinder und Menschen mit Handicap dar. Sie frage sich angesichts des unattraktiven Aussehens, ob der Eigentümer und die Post kein Interesse an der Pflege des Gebäudes hätten, erklärt Hilbig.

Offiziell wird die Filiale nicht von der Deutschen Post, sondern von der Postbank unterhalten. Ein Sprecher des Finanzinstituts versicherte auf Anfrage der "Freien Presse", dass die "Hinweise bezüglich des Zustandes der Immobilie und Außenanlagen" an die Immobilienabteilung weitergeleitet würden. Das Unternehmen wolle weiterhin an dem Standort festhalten. "Die Postbank plant in Limbach-Oberfrohna aktuell keine Veränderungen. Auch ein Umzug an einen anderen Standort bzw. Umbaumaßnahmen sind derzeit nicht geplant", teilt der Sprecher mit.

Bislang gehörte das Gebäude dem Lorac Investment Fund. Die Immobiliengesellschaft aus Luxemburg hat 2008 etwa 1200 Gebäude von der Deutschen Post erworben, wie sie auf ihrer Internetseite schreibt. Nun will das Unternehmen offenbar viele der Gebäude wieder veräußern. Gestern teilte die Luxemburger Firma auf Anfrage der "Freien Presse" mit, dass die Post in Limbach-Oberfrohna verkauft worden sei. Zu den Hintergründen und zu der Frage, ob in die Instandhaltung des Gebäudes investiert wurde, gab es keine Stellungnahme.

Nach Angaben der Stadtverwaltung handelt es sich bei dem Käufer um die Postroxx-Gesellschaft mit Sitz im hessischen Gießen. Dessen Geschäftsführer, der auch für einen Immobilien-Dienstleister der dortigen Volksbank tätig ist, war gestern nicht erreichbar. Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) betrachtet den Verkauf kritisch. Postroxx habe bislang kein überzeugendes Konzept für die künftige Nutzung des Gebäudes vorgelegt. Vogel hat daher vorgeschlagen, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt. Dieses steht der Kommune gesetzlich zu, da sich das knapp 2700Quadratmeter große Postgrundstück im Sanierungsgebiet Innenstadt befindet. Der Verwaltungsausschuss des Stadtrates hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Stadt das Gebäude erwirbt oder einen Kauf zumindest prüfen soll; eine Entscheidung muss bis zum 8. Februar fallen. Die Kosten gibt die Stadtverwaltung mit etwa 80.000 Euro an.

Hintergrund: Auch der Chemnitzer Unternehmer Peter Simmel, der in Limbach-Oberfrohna einen Supermarkt betreibt, hat Interesse bekundet, das Postgebäude zu kaufen und denkmalgerecht zu sanieren. An ihn würde das Rathaus die Post im Anschluss gerne weiterreichen. "Es gibt positive Gespräche mit der Stadt", bestätigte Simmel gestern der "Freien Presse". Zu weiteren Details wie der künftigen Nutzung des Gebäudes wollte sich der Unternehmer nicht äußern.

Das Vorgehen der Verwaltung stößt jedoch auch auf Kritik. Neben sieben Ja-Stimmen und drei Enthaltungen gab es im Ausschuss eine Nein-Stimme von CDU-Fraktionschef Jürgen Zöllner. "Wir grätschen zwei Vertragspartnern dazwischen", argumentierte er gestern. Auch die Postroxx-Gesellschaft habe bekundet, das Gebäude sanieren zu wollen. Es gebe keinen Grund, an der Integrität der Firma zu zweifeln. Er schätze Peter Simmel sehr, betonte Zöllner. Doch niemand könne garantieren, dass der Unternehmer das Gebäude wirklich erwerbe, wenn die Stadt nach der Einholung eines Verkehrswertgutachtens womöglich eine hohe Summe verlangen müsse. Im schlimmsten Fall werde die Stadt Eigentümer und habe dann kein Konzept für die Nutzung, so der CDU-Politiker. Zudem wies Zöllner darauf hin, dass der Postbank-Standort nicht gefährdet sei, falls Postroxx das Gebäude behält. "Der Mietvertrag läuft bis 2020."

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