Unfalltod: Mann erhält Strafe auf Bewährung

Autofahrer vor Gericht - Motorradfahrer nach Kollision gestorben

Diethensdorf.

Das Landgericht in Chemnitz hat einen 68-jährigen Autofahrer zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, verurteilt. Zudem muss er für sechs Monate seine Fahrerlaubnis abgeben.

Wer hatte welchen Anteil an dem Unfall auf der B 107, bei dem am 22. April 2018 ein 20-Jähriger verstarb? Der Autofahrer, der das entgegenkommende Motorrad nicht gesehen haben will, als er aus Diethensdorf kommend links nach Stein abbog? Oder der Motorradfahrer, der statt der erlaubten 70 Kilometer pro Stunde fast 100 auf dem Tacho hatte? Diese Frage musste das Gericht beantworten, da die Staatsanwaltschaft nach dem Prozess gegen den 68-jährigen Autofahrer am Amtsgericht Döbeln in Berufung gegangen war. Ihr zufolge war die im Januar verhängte Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro nicht angemessen. Das Verfahren war auf die Rechtsfolgen beschränkt. Das heißt, die Sachlage war unstrittig. Dennoch ließen sich der Vorsitzende Richter und die Schöffen den Unfallhergang von Gutachter Viktor Ammer schildern. Seinen Berechnungen zufolge waren das Motorrad und das Auto beim Beginn des Abbiegens 85 Meter voneinander entfernt. Wie auf Fotos vom Unfallort nachgestellt, war eine Person in 150 Metern Entfernung deutlich erkennbar - somit wäre es auch der Gegenverkehr gewesen.

Der Fahrer blieb jedoch dabei, das Motorrad nicht gesehen zu haben. "Ich kann unaufmerksam gewesen sein", sagte er, bevor sein Anwalt ihn unterbrach. Die Strategie des Verteidigers war es, zu zeigen, dass der 20-Jährige schneller als Tempo 100 gefahren war, sich also zügiger der Kreuzung genähert hatte und dadurch nicht sichtbar war - laut dem Gutachter theoretisch möglich, aber wenig plausibel. Eine Zeugin, die nach der steilen Kurve nach Wiederau von dem Motorradfahrer überholt worden war, konnte dies auch nicht bestätigen. Wie schnell das Motorrad gewesen sei, könne sie nicht einschätzen. "Etwa 100 bestimmt", sagte sie. Letztlich konzentrierte sich der Richter in seiner Urteilsbegründung auf die Sichtbedingungen: Der Angeklagte hätte den Gegenverkehr sehen müssen, also hat er gravierend gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, indem er trotzdem abgebogen ist. Da ein Leben ausgelöscht wurde, sei eine Geldstrafe nicht ausreichend.

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