Von Hilfsbereitschaft überwältigt

Nach Lage der Dinge können Steve Sauer und seine alleinerziehende Mutter Weihnachten 2020 in einem behindertengerechten Wohnumfeld feiern. Und das nicht nur dank zahlreicher Spenden von "Freie Presse"-Lesern.

Manja Sauer ist schwer beeindruckt. Mehr als 23.000 Euro sind bei einer Spendenaktion des Vereins "Leser helfen" innerhalb weniger Wochen eingegangen, um ihr und ihrem Sohn Steve rollstuhltaugliche Umbauten in ihrer Wohnung zu ermöglichen. Der 18-Jährige ist von Geburt an schwer behindert. Der Alltag bereitet der Mini-Familie zunehmend Probleme, weil ihre Wohnung im Yorckgebiet nicht auf die Bedürfnisse eines Erwachsenen im Rollstuhl zugeschnitten ist. So ist es Steve nahezu unmöglich, das schmale Bad zu benutzen - sein Rollstuhl passt nicht durch die Tür. Seinen modernen Elektro-Rolli, den er selbst steuern kann, muss er über Nacht und während der Ferien in der Schule lassen. Zu Hause gibt es keine sichere Unterstellmöglichkeit.

Doch damit hat es wohl bald ein Ende. Denn Berichte der "Freien Presse" über die Probleme der beiden haben zahlreiche Leser veranlasst, sich an der Spendenaktion "Leser helfen" zu beteiligen. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll zu soviel Hilfsbereitschaft", zeigt sich Manja Sauer überwältigt. "Wir sind dafür einfach nur unheimlich dankbar."

Auch Steves Schule, die Entdeckerschule auf dem Terra Nova Campus am Rande des Zeisigwaldes, war sofort mit im Boot. "Wir haben extra einen kleinen Weihnachtsmarkt organisiert, selbst gebastelte Sachen und Honig verkauft", erzählt Sylke Merz, Klassenlehrerin in der sogenannten Werkstufe, die Steve besucht. "Alles ausverkauft", teilt der 18-Jährige tags darauf über seinen Sprachcomputer mit, der ihn im Alltag bei der Kommunikation unterstützt. Die gut 300 Euro Erlös gingen auf das Spendenkonto.

Allerdings ist mittlerweile durchaus fraglich, ob Umbauten in der Drei-Raum-Wohnung der Sauers in der ursprünglich geplanten Form überhaupt noch nötig sein werden. Möglicherweise lösen sich ihre Probleme bald auf ganz andere Weise. Denn auch Mitarbeiter der kommunalen Wohnungsgesellschaft GGG haben die Berichterstattung über die Aktion "Leser helfen" verfolgt. "Von der Situation von Frau Sauer haben wir durch die ,Freie Presse' erfahren", sagt Unternehmenssprecher Erik Escher. "Daraufhin haben wir Frau Sauer kontaktiert und ihr in einem anderen Hauseingang im selben Wohnhaus eine barrierearme Wohnung angeboten." Sie habe zuletzt als unbewohnte Musterwohnung gedient, um Interessierten zu demonstrieren, mit welchen Umbauten sich herkömmliche Wohnungen so herrichten lassen, dass sie bis ins höhere Alter oder bei körperlichen Beeinträchtigungen weiter bewohnt werden können.

Manja Sauer zeigt sich von dem überraschenden Angebot sehr angetan. Zumal die neue Erdgeschosswohnung auch über einen Treppenlift im Treppenhaus stufenlos erreichbar wäre, was ihr in einem weiteren Punkt den Alltag erheblich erleichtern würde. "Wir werden demnächst mit dem Hausmeister testen, wie gut der Lift mit Steve funktioniert", sagt die 41-Jährige. Auch mit dem Jobcenter, auf dessen Unterstützung sie angesichts des Betreuungsaufwandes für Steve angewiesen ist, sei sie wegen der möglichen neuen Wohnung in Kontakt. Klappt es mit dem Umzug, soll das Spendengeld dann für eventuelle ergänzend erforderliche Umbauten, die noch fehlende Garage für Steves Elektro-Rollstuhl und zur Finanzierung der Umzugskosten verwendet werden.

Weitere Informationen zur Aktion unter www.freiepresse.de/leserhelfen

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